Schlüsselfigur des Skandals

Ex-ADAC-Pressechef klagt gegen Kündigung

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Ex-ADAC-Kommunikationschef Michael Ramstetter.

München - Nach seinem Rauswurf zieht der ehemalige ADAC-Kommunikationschef Michael Ramstetter angeblich vor Gericht. Auch die Trennung vom langjährigen Geschäftsführer verlief nicht einvernehmlich.

Der ADAC muss sich weiter mit früheren Spitzenkräften streiten. Der ehemalige ADAC-Kommunikationschef Michael Ramstetter wehrt sich gegen diese Kündigung vor dem Münchner Arbeitsgericht. Das Verfahren beginne am 22. Mai mit einem Gütetermin, teilte das Gericht am Dienstag mit. Die Klage hatte Ramstetter am 11. März erhoben.

Der ehemalige Kommunikationschef und Ex-Chefredakteur des Magazins „Motorwelt" hatte die Manipulationen bei der Verleihung der Auszeichnung „Gelber Engel“ eingeräumt und trägt aus ADAC-Sicht damit die Schuld an der tiefen Krise des Clubs. Nachdem ein Prüfbericht der Beratungsfirma Deloitte den Verdacht auf Fälschungen beim „Gelben Engel“ bestätigte, hatte der ADAC den bereits beurlaubten Ramstetter fristlos gekündigt.

Auf der anderen Seite hatte der ADAC angekündigt, rechtliche Schritte gegen Ramstetter zu prüfen. Diese Prüfung dauere noch an, hieß es beim ADAC. Vorstellbar sind vor allem Schadenersatzforderungen gegen den früheren Kommunikationschef, der als Schlüsselfigur des ADAC-Skandals gilt. Als Folge verlor auch Club-Präsident Peter Meyer seinen Posten.

Der ADAC-Skandal - eine Chronologie

ADAC
Manipulationen, Kommunikationspannen, Ungereimtheiten - nach dem Skandal beim Autopreis "Gelber Engel" steht der ADAC in der Kritik. Es fing mit dem "Lieblingsauto der Deutschen" an. © dpa
ADAC Gelber Engel 2014
13. Januar 2014: Der ADAC gibt bekannt, dass die Leser der Mitgliederzeitschrift „Motorwelt“ den VW-Golf zum Lieblingsauto der Deutschen gewählt haben. Das Magazin hatte den knapp 19 Millionen Clubmitgliedern Fahrzeuge aller Klassen zur Wahl gestellt. © dpa
ADAC
14. Januar: Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet über Manipulationen bei der Wahl. Es soll nur 3409 Stimmen für den Sieger gegeben haben. Ein ADAC-Papier hatte dagegen 34 299 Stimmen für den Gewinner des „Gelben Engels“ genannt. Der Club weist den Vorwurf zurück, will aber keine Zahlen nennen. © dpa
Karl Obermair
16. Januar: Bei der Feier zur Auszeichnung des VW Golf mit dem „Gelben Engel“ in München spricht Geschäftsführer Karl Obermair von „Unterstellungen und Unwahrheiten“. © AFP
17. Januar: Um 9.56 Uhr gesteht ADAC-Kommunikationschef Michael Ramstetter die Fälschungen, wie Obermair zwei Tage später berichtet. Ramstetter übernimmt die alleinige Verantwortung und legt sein Amt nieder. Der ADAC geht damit aber nicht an die Öffentlichkeit. © dpa
ADAC
19. Januar: Nach einem Bericht der „Bild am Sonntag“ räumt der ADAC die Manipulationen ein und bestätigt Ramstetters Abgang. Laut ADAC wussten Präsidium und Geschäftsführung nicht von den Unregelmäßigkeiten. © dpa
ADAC
20. Januar: Ramstetter schönte nach eigener Aussage auch die Jahre zuvor bei der Umfrage zum Lieblingsauto die Zahlen, sagt Obermair. Er kündigt eine umfassende Aufklärung an. Der ADAC will zudem seine Strukturen reformieren und für mehr Transparenz sorgen. Weitere personelle Konsequenzen soll es zunächst nicht geben. © dpa
ADAC-Präsident Peter Meyer
21. Januar: ADAC-Präsident Peter Meyer lehnt einen Rücktritt ab. Die Staatsanwaltschaft München untersucht in einer „Vorprüfung“, ob Straftatbestände berührt sein könnten. © dpa
ADAC
22. Januar: Meyer verspricht ein Reformprogramm für den ADAC. Er werde der Hauptversammlung im Mai Vorschläge unterbreiten, „die dauerhaft für mehr Offenheit, höhere Transparenz und direktere Mitgliedereinbindung sorgen sollen“. © dpa
ADAC
23. Januar: Wegen der frisierten Zahlen beim „Gelben Engel“ will sich der ADAC bei Autoherstellern und Zulieferern entschuldigen. Unklar ist die Zukunft des Autopreises. Meyer sagt, dieser habe „sicherlich“ keine Zukunft. Ein Sprecher betont jedoch, es sei noch nicht entschieden, ob und in welcher Form es den Preis künftig geben werde. Das Registergericht beim Amtsgericht München kündigt an, dass der Vereinsstatus des Autoclubs überprüft wird. © picture alliance / Julian Strate
ADAC
24. Januar: Der ADAC kommt aus den Schlagzeilen nicht mehr raus. Nun soll der ADAC-Präsident Peter Meyer laut Medienberichten Rettungshubschrauber für Dienstreisen genutzt haben. Doch die Statuten des Autoclubs lassen das zu. © dpa
ADAC
27. Januar: Die „Bild“-Zeitung berichtet über das Haus eines ADAC-Managers in Bad Homburg. Laut Verein wohnt der Regional- Geschäftsführer Hessen-Thüringen dort zur Miete - für 3230 Euro kalt im Monat. Die Immobilie in gehobener Wohngegend diene dem ADAC als Geldanlage. © dpa
ADAC
28. Januar: Die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ berichtet, Meyer sei mit einem ADAC-Hubschrauber auch von einem Geschäftstermin nach Hause geflogen. Laut ADAC wurde der Flug 2003 nicht extra für ihn organisiert. Der Helikopter auf dem Rückweg nach Bonn habe Meyer unterwegs in Essen abgesetzt. © dpa
ADAC
29. Januar: Ein ADAC-Hubschrauber föhnte 2006 in Braunschweig mit dem Wind der Rotorblätter einen unter Wasser stehenden Fußballplatz trocken. Der ADAC-Regionalchef für Niedersachsen und Sachsen-Anhalt hatte den Einsatz vor der Zweitliga-Partie Braunschweig-Dresden angefordert. Das für die Luftrettung zuständige Innenministerium rügte damals den Flug, woraufhin die Stadt Braunschweig den Einsatz bezahlte. © dpa
ADAC
30. Januar: Der ADAC prüft Bestechungsvorwürfe im Zusammenhang mit einer Badegewässeruntersuchung in den 1990er Jahren. Der Club reagiert damit auf einen Bericht der „Frankenpost“. Demnach sollen Informationen zur Wasserqualität an bestimmten Badestränden jahrelang aus den betroffenen Zielgebieten finanziert und beeinflusst worden sein. © picture alliance / dpa
ADAC-Präsident Peter Meyer tritt zurück
10. Januar: ADAC-Präsident Peter Meyer tritt zurück. Der 64-Jährige legte mit sofortiger Wirkung sein Amt nieder, wie der ADAC Nordrhein am Montag mitteilte. Meyer war seit 2001 Präsident des Autoclubs. Hintergrund des Rücktritts sind auch Manipulationen beim ADAC-Autopreis „Gelber Engel“. © dpa
ADAC Geschäftsführer Karl Obermair
25. Februar: Vier Wochen haben die externen Prüfer von Deloitte Interviews und Daten ausgewertet. Demnach hat der ADAC lediglich bei der Wahl zum Lieblingsauto der Deutschen manipuliert. Nun will der Automobilclub einen Neuanfang. Auch der Geschäftsführer Karl Obermair soll gehen. © dpa

Laut „Süddeutscher Zeitung“ hat sich der Autoclub entgegen früherer Absichten mit seinem langjährigen Geschäftsführer Karl Obermair nicht auf eine einvernehmliche Trennung einigen können. Wie die Zeitung (Mittwoch) berichtet, sei im Streit über eine millionenschwere Abfindung keine Lösung gefunden worden. Der Club habe darauf dem Manager fristgerecht zum 31. März gekündigt. Ob Obermair sich gegen die Kündigung wehren wird, blieb zunächst offen.

Ein ADAC-Sprecher wollte den Bericht am Dienstag nicht kommentieren. Der kommissarische ADAC-Präsident August Markl hatte Ende Februar angekündigt, dass der Club sich auch von Obermair trennen wolle. Die Verhandlungen um einen Auflösungsvertrag scheiterten allerdings, wie die Zeitung berichtet. Ob eine Einigung wegen hoher Forderungen des früheren Managers nicht zustande kam, wollte der Sprecher nicht sagen. Zu Personalthemen äußere man sich grundsätzlich nicht.

dpa

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