Experte rechnet mit großem Warenhaussterben

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Experte Jörg Funder rechnet mit einem erheblichen Filialsterben unter Kaufhäusern.

Düsseldorf - Deutschlands Warenhäusern droht nach der Pleite der Karstadt-Mutter Arcandor eine Schließungswelle. Laut eines Experten stehen Warenhäuser in Städten unter 200.000 Einwohnern auf der Kippe.

Zwei Drittel der rund 200 Karstadt- und Kaufhof-Warenhäuser werden einer Studie des Handelsexperten Jörg Funder zufolge in den kommenden fünf Jahren schließen müssen. “60 bis maximal 70 Warenhäuser in 45 Städten werden überleben“, sagte der Professor am Institut für Internationales Handels- und Distributionsmanagement an der Fachhochschule Worms der “WirtschaftsWoche“.

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In der Untersuchung kommt Funder zu dem Ergebnis, dass die meisten Warenhäuser in Städten mit weniger als 200.000 Einwohnern auf der Kippe stehen. “Grau ist alle Theorie“, kommentierte Thomas Schulz, Sprecher von Arcandor-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg, den Bericht. Auf einer Prüfliste stünden 19 der 126 Karstadt Sport- und Warenhäuser, erklärte Schulz. “Je mehr Sanierungsbeiträge die Beteiligten für den Insolvenzplan leisten, desto mehr Häuser können weitergeführt werden“, sagte er auf Anfrage.

Ablehnung bei Galeria Kaufhof

Auf Ablehnung stieß die Studie auch bei der Galeria Kaufhof GmbH (Köln). “Galeria Kaufhof und die Metro AG sind absolut davon überzeugt, dass ein gut gemanagtes Warenhaus, das sein Konzept kontinuierlich weiterentwickelt, in Deutschland langfristig eine Zukunft hat“, sagte eine Sprecherin. Es gebe viele Studien mit völlig unterschiedlichen Aussagen zum Warenhaus. “Deshalb hat die von der “WirtschaftsWoche“ zitierte Studie keinerlei Grundlage und rein akademischen Charakter.“ Das Warenhaus-Konzept behalte seine Rolle im deutschen Einzelhandel.

Funder sieht dem Magazin zufolge dagegen lediglich in Städten mit mehr als 200.000 Einwohnern noch Chancen, dass sich Warenhäuser gegen Spezialisten und Billiganbieter behaupten können. Vor allem Doppelstandorte in kleineren Städten wie Hanau oder Gießen hätten auf Dauer keine Chance. Funder hat bis 2008 selbst für mehrere Handelsunternehmen, darunter Arcandor, gearbeitet. Der Handelsexperte sieht mittelfristig kaum Perspektiven für die Karstadt-Häuser in kleineren Städten wie Flensburg, Neumünster, Wismar, Norderstedt, Iserlohn, Gütersloh, Goslar, Dessau, Bamberg, Bayreuth, Landshut, Rosenheim oder Memmingen. Stark betroffen seien zudem zahlreiche hessische Filialen mit Marburg, Gießen, Fulda oder Limburg.

Auch Kaufhof droht Filialsterben

Auch bei Kaufhof erwartet der Handelsexperte ein Filialsterben in kleineren Städten. Langfristig stark gefährdet sind seiner Ansicht nach etwa Kleve, Wesel, Brühl, Euskirchen, Siegburg, Aschaffenburg, Schweinfurt, Coburg, Landau, Speyer und Bad Kreuznach. Unterdessen hält die Kritik am 15-Millionen-Euro-Gehalt des ausgeschiedenen Arcandor-Chefs Karl-Gerhard Eick an. “Ich finde diese Abfindungspraxis genauso skandalös wie die Tatsache, dass jetzt schon wieder in Konzernen wie Banken über Boni-Zahlungen nachgedacht wird, obwohl man mit Staatsgeldern unterstützt wird“, sagte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) der “Bild am Sonntag“.

Kein Verständnis zeigte auch der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU). Die Summe hätte bei erkennbar drohender Insolvenz nie vereinbart werden dürfen, sagte er der “Rheinpfalz am Sonntag“. Eick war lediglich sechs Monate im Amt. Er hatte angekündigt, ein Drittel der Summe spenden zu wollen.

dpa

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