Trotz Preissteigerung von zwei Prozent

EZB bleibt bei Nullzins - die wichtigsten Fragen und Antworten

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Denken gar nicht daran, die Zinsen wieder anzuheben: EZB-Chef Mario Draghi (l.), und sein Stellvertreter Vitor Constancio.

München - Die EZB zeigt sich von zunehmenden Preisen unbeeindruckt. Auch künftig können sich die Banken zinslos bedienen. Doch was bedeutet das?

Mit großer Spannung hat die Finanzwelt am Donnerstag nach Frankfurt geblickt. Nach dem jüngsten Inflationssprung wurde viel über die Reaktion der Europäischen Zentralbank spekuliert. Letztlich zeigten sich Europas Währungshüter aber unbeeindruckt: Trotz steigender Verbraucherpreise hält EZB-Chef Mario Draghi an seiner Billiggeldschwemme fest. Banken bekommen frisches Zentralbankgeld weiterhin zu null Prozent Zinsen. Die tz erklärt die Ergebnisse der EZB-Sitzung.

Wie hoch lag die Konjunktur im Euroraum zuletzt? Im Februar war die Inflation erstmals seit vier Jahren wieder auf zwei Prozent gestiegen. Die EZB strebt eine nachhaltige Rate von knapp unter 2,0 Prozent an. Getrieben wurde diese Preissteigerung allerdings vor allem von den steigenden Energiepreisen. Ökonomen gehen davon aus, dass die Teuerung vorerst ihren Höhepunkt erreicht hat und der Ölpreis-Effekt im Laufe des Jahres nachlassen wird.

Warum reagiert die EZB nicht mit einer Anhebung des Leitzinses? Für die EZB ist eine nachhaltige Entwicklung der Verbraucherpreise entscheidend. Um diese zu ermitteln, hat die EZB die Kerninflation im Blick - also die Teuerung ohne stark schwankende Energie- und Nahrungsmittelpreise. Im Februar verharrte diese Rate bei vergleichsweise niedrigen 0,9 Prozent.

Wann können Sparer auf steigende Zinsen hoffen? Das dürfte noch eine Weile dauern. Draghi bekräftigte erneut, dass die Zinsen auf absehbare Zeit niedrig bleiben werden - mindestens bis zum Auslaufen der Anleihekäufe Ende 2017. Für Sparer ist das Zinstief bei steigender Inflation bitter. Solange die Teuerungsrate nahe der Nulllinie dümpelte, glich sich das in etwa aus. Bei steigenden Verbraucherpreisen bleibt Sparern unter dem Strich aber weniger Geld. Von der Nullzinspolitik profitieren aber weiterhin diejenigen, die kräftig Schulden machen – also etwa Immobilienkäufer.

Welche Rolle spielen die Wahlen in wichtigen Euroländern für die EZB? Der große Belastungstest steht vermutlich am 7. Mai an, wenn die Stichwahl darüber entscheidet, ob mit Marine Le Pen eine erklärte Euro-Feindin französische Präsidentin wird. Solange dies nicht geklärt sei, dürfte EZB-Präsident Draghi keine geldpolitische Kursänderung zulassen. Sollte sich die politische Unsicherheit nach den Wahlen in den Niederlanden und in Frankreich legen, könnte die Notenbank im Sommer Hinweise auf einen Ausstieg im Jahr 2018 geben – und damit rechtzeitig zur heißen Wahlkampfphase in Deutschland.

Mk

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