Erdogan rüffelt Gabriel: "Beachten Sie Ihre Grenzen!"

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Firmen gehen die Fachleute aus

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Die Kehrseite des Booms: 70 Prozent der Firmen in Deutschland haben mittlerweile Schwierigkeiten, genügend Fachkräfte zu finden. 

Berlin - Unternehmen haben große Schwierigkeiten, Fachkräfte zu finden. Innenminister de Maizière forderte deshalb, Zuwanderer stärker willkommen zu heißen. Auch die Grünen haben einen Plan.

Fast drei Viertel der deutschen Unternehmen können offene Stellen mit Fachkräften nicht oder nur schwer besetzen. 70 Prozent der Firmen hätten dabei Probleme, berichtete der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) am Dienstag in Berlin. Angesichts des Aufschwungs werde sich das Problem verschärfen, warnte DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann.

Nun sollen verstärkt Zuwanderer helfen. Driftmann verwies darauf, dass zwölf Prozent der Unternehmen mehr ausländische - vor allem gut ausgebildete - Fachkräfte anwerben wollen. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sagte: “Zuwanderung aus dem Ausland kann den Fachkräftemangel dämpfen, aber nicht beheben.“

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Forderungen auch aus der Koalition nach einem neuen Zuwanderungsrecht erteilte Innenminister Thomas de Maizière (CDU) eine Absage. Es sei hinreichend flexibel, wirtschaftsfreundlich und ermögliche bei Bedarf Korrekturen. “Die These, das Zuwanderungsrecht sei zuwanderungsfeindlich, setze eine zu hohe Hürde (..) und sei das eigentliche Hemmnis bei der Beseitigung des Fachkräftemangels, diese These halte ich für falsch“, sagte de Maizière. Es fehle aber eine “Willkommenskultur“.

Forderungen nach einem Punktesystem für Hochqualifizierte nach kanadischem Vorbild und Korrekturen bei den Gehaltsgrenzen wies de Maizière zurück. Ein Punktesystem sei zu bürokratisch.

Dagegen bekräftigte FDP-Generalsekretär Christian Lindner seine Forderung nach einem Punktesystem. “In den nächsten Jahren werden Geringqualifizierte mehr Probleme haben, Arbeit zu finden. Zugleich werden Stellen unbesetzt bleiben, weil die Fachkräfte fehlen.“ Es gehe darum, Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren und das Wachstum nicht durch Fachkräftemangel zu gefährden. “Darum brauchen wir eine Bildungsoffensive und gesteuerte Zuwanderung über ein Punktesystem.“

Menschen in Deutschland müssen Priorität sein

In der Kritik steht häufig auch die Vorrangprüfung. Danach muss zunächst geprüft werden, ob eine offene Stelle mit einem deutschen Arbeitnehmer oder einem EU-Bürger besetzt werden kann. Es gebe aber bereits viele Ausnahmen, sagte de Maizière.

Nach von der Leyens Worten muss primär denjenigen Menschen ein besserer Zugang zum Arbeitsmarkt gewährt werden, die in Deutschland leben. Mit Blick auf die im Mai 2011 anstehende Lockerung der Zuwanderung aus anderen EU-Ländern mit voller Freizügigkeit für Arbeitnehmer warnte die Ministerin vor zu hohen Erwartungen. Der Engpass sei auch eine Chance für Jugendliche, Frauen mit Kindern und Ältere.

800 Millionen Euro für Weiterbildung

Nach Aussage von Driftmann war der Fachkräftemangel seit Jahren absehbar. Es müssten nun rasch die Weichen gestellt werden: “Denn die Unternehmen befürchten in den kommenden fünf Jahren eine weitere deutliche Verschärfung der Fachkräftesituation.“ Für die Unternehmen komme es künftig darauf an, auch weniger Qualifizierte einzustellen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf müsse verbessert werden. Die Wirtschaft wolle auch stärker auf Ältere setzen.

Die Grünen legten ein Konzept für den massiven Ausbau der Weiterbildung vor, um den Fachkräftemangel bei gleichzeitig hoher Arbeitslosigkeit anzugehen. “Von der Leyen hat kein Konzept, dieses Horrorszenario zu beheben“, kritisierte die Arbeitsmarktpolitikerin Brigitte Pothmer. Binnen drei Jahren soll nach den Vorstellungen der Grünen eine Million Menschen zusätzlich weitergebildet werden - Kostenpunkte: 800 Million Euro. “Von Gering- bis Hochqualifizierten wollen wir alle erreichen“, erläuterte Bildungsexpertin Priska Hinz. Dafür sollen Arbeitslose und Geringqualifizierte verstärkt in Mangelberufen wie Altenpflege oder Kindererziehung umgeschult werden. Per Erwachsenen-Bafög sollen Zuschüsse und Darlehen gezahlt werden.

dpa

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