Hat Familie Schlecker noch 40 Millionen Euro?

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Die Schleckers in einer Fotomontage für ihre Internetseite (v. l.): Lars, Anton, Meike, Christa Schlecker.

München - Wer trägt Schuld am Schlecker-Drama? Die tz geht auf Spurensuche. Der Familie des insolventen Konzerns muss offenbar weiterhin nicht am Hungertuch nagen.

Zerschlagen ist die Hoffnung von 13 200 Angestellten auf eine Rettung in letzter Minute – zerschlagen wird das Unternehmen Schlecker, bei dem sie zum Teil jahrzehntelang beschäftigt waren. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz musste am vergangenen Freitag das unwiderrufliche Ende für die Drogeriekette als Ganzes verkünden. Seine Wiederbelebungsversuche sind gescheitert. Geiwitz ist nicht der einzige Beteiligte am Schlecker-Sanierungsdrama, der nun nach Schuldigen sucht. Ganz oben auf seiner schwarzen Liste: die Familie Schlecker und die FDP. Schuld, Schulden und Forderungen: Die tz zeigt Gründe und Folgen der Sanierungspleite auf.

Drogeriekönig Anton Schlecker (67) hat sein Imperium vor 40 Jahren gegründet, und er hat in den letzten 15 Jahren dessen Untergang durch gravierende Managementfehler verschuldet. Schlecker hat das Unternehmen als „eingetragener Kaufmann“ („e. K.“) geführt. Das bedeutet, er muss mit seinem persönlichen Privatvermögen dafür haften. Der öffentlichkeitsscheue Patriarch ließ nach dem Bekanntwerden der Insolvenz seine Kinder Lars (40) und Meike (38) für sich sprechen. Meike Schlecker sagte im Januar 2012, ihr Vater habe alles in die Firma gesteckt, er habe „nichts mehr“. Noch vorhanden sind offenbar etwa Luxusautos oder Kunstgegenstände.

Die Familie Schlecker hat dem Handelsblatt zufolge noch 35 bis 40 Millionen Euro auf der hohen Kante. Auch Insolvenzverwalter Geiwitz ist überzeugt, dass noch Vermögen vorhanden ist und hatte bis zuletzt die Hoffnung, dass sich die Familie an der Verlustfinanzierung beteiligt. Er wurde enttäuscht. Wie Geiwitz dem Spiegel sagte, seien die Schleckers „entweder nicht bereit oder in der Lage“ gewesen, die erforderliche Summe von bis zu neun Millionen Euro zu zahlen. In den nächsten Wochen werde die Familie sehr genau auf Vermögensübertragungen untersucht, so ein Sprecher des Insolvenzverwalters. Die Villa in Ehingen soll Ehefrau Christa gehören, seit wann, ist unbekannt.

Lars und Meike Schlecker sollen mit der Leiharbeitsagentur „Meniar“ (Menschen in Arbeit) einen Millionenbetrag erwirtschaftet haben, berichtet das Handelsblatt. Das Subunternehmen soll rund 4300 Leiharbeiter beschäftigt haben, die an Schlecker vermittelt wurden. Sie sollen deutlich weniger als Schlecker-Angestellte verdient haben. Die Schlecker-Sprösslinge gehören aber auch zu den größten Gläubigern des väterlichen Unternehmens: Sie haben ihm über ihr Logistikunternehmen LDG 70 Millionen Euro als Darlehen überlassen. Dieses Geld könnte zum großen Teil weg sein, weil die Leihgabe laut Wirtschaftswoche nicht an besondere Sicherheiten gebunden war.

Die FDP hatte im März verhindert, dass die Schlecker-Bundesländer eine Transfergesellschaft für rund 10 000 Beschäftigte finanzieren. Das Zünglein an der Waage war der bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil. Insolvenzverwalter Geiwitz: „Das hat nicht nur uns den Garaus gemacht, sondern war auch eine Farce für die Betroffenen.“ So denkt auch Verdi-Chef Frank Bsirske: Die FDP habe „einer Klageflut Vorschub geleistet, die den Investorenprozess geradezu zerstört hat“. SPD-Chef Sigmar Gabriel kritisiert Rösler: „Dass die FDP jeden Vorschlag aus parteipolitischem Kalkül abgeschmettert hat, finde ich beschämend.“

Die Politik: Christel Hoffmann, Vorsitzende des Schlecker-Gesamtbetriebsrates, fordert von der Politik nun einen „Sonderfonds, vergleichbar einer Verlängerung des Insolvenzgeldes um bis zu zwei Monate und andere staatliche Hilfen“. Der Verweis der FDP auf eine Jobvermittlung durch die Agentur für Arbeit habe sich als untauglich herausgestellt, so Verdi-Chef Bsirske. „Nur ein sehr geringer Teil der Gekündigten“ sei untergekommen. Dieses Mal könne sich die Politik nicht so leicht vor ihrer Verantwortung drücken. „Die Bewältigung der größten Insolvenz in der Geschichte der Bundesrepublik muss auf allen Ebenen zur Chefsache gemacht werden.“

BW

Lesen Sie dazu: Münchner investiert und will Jobs erhalten

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