Fiat vor der Aufspaltung

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Der Traditionskonzern Fiat steht vor der Aufspaltung: Das Auto- und das Industriegeschäft werden getrennt.

Rom - Der Traditionskonzern Fiat steht vor der Aufspaltung: Das Auto- und das Industriegeschäft werden getrennt. Analysten sagen weitere Umwälzungen voraus - auf dem Weg zu einem noch engeren Zusammengehen mit Chrysler.

Fiat, italienisches Aushängeschild, steht am Scheideweg. Und so gibt Konzernchef Sergio Marchionne (58) Gas, zieht an allen möglichen Strippen und lotet Optionen aus. 2010 war jedenfalls nur ein Jahr des Übergangs für die Turiner Autobauer. 2011 könnte nun ein Jahr tiefgreifender Veränderungen werden. Im Kern beginnt es mit der im September von den Aktionären abgesegneten Aufspaltung der Gruppe zur Jahreswende: Alles neu macht dann der Januar, wenn die Industriesparte mit den Lastwagen sowie den Land- und Baumaschinen vom Autogeschäft abgetrennt ist. Doch das ist nur der erste Schritt.

Wenn der italienisch-kanadische Manager mit dem gepflegten Pullover-Image die Ärmel hochschiebt, dann ist oft mit Überraschungen zu rechnen. Marchionne, der auch dem amerikanischen Autobauer Chrysler leitet, hatte Fiat saniert, Bürokratie abgebaut und er will das Unternehmen jetzt umkrempeln, ausbauen und fit für die Zukunft machen. Also zeigt er Präsenz auf dem riesigen US-Automarkt, bringt den neuen Fiat 500 bei 130 Händlern dort an den Start. Und es gelangen strategische Überlegungen an die Öffentlichkeit, wie sich Fiat denn finanziell aufrichten könnte - indem man etwa den Sportwagenbauer Ferrari an die Börse bringt.

Allianzen werden in der Branche überlebenswichtig, also zieht Marchionne gleichzeitig an den amerikanischen Fäden. So sieht er den erfolgreichen Börsengang des Konkurrenten General Motors als gutes Omen für die Rückkehr auch von Chrysler an den Aktienmarkt. Der italienische Autobauer hält schon 20 Prozent an Chrysler, dessen Verkaufszahlen wieder steigen. Er sieht den amerikanischen Autobauer darauf vorbereitet, bis Ende 2011 an die Börse zu gehen. Doch wollen hohe Zinsen nach der Insolvenz und Rettung der Detroiter erst einmal refinanziert sein.

Das Spiel geht jetzt so: Analysten lassen Ballons steigen, der Fiat-Chef hält aber einige davon gleich fest. In Turin habe es die “klare Message“ gegeben, dass Fiat und Chrysler wohl ein Unternehmen werden, hieß es. “Das ist eine Möglichkeit“, schwächt Marchionne ab, “so wie es möglich ist, einen Teil von Ferrari zu Cash zu machen oder auch einen Teil des Zulieferers Magneti Marelli“. Es gibt also eine Palette denkbarer Weichenstellungen, “aber nichts ist entschieden“. Und noch nicht abgesegnet ist auch ein Gemeinschaftsunternehmen der beiden Autokonzerne, um in Turin den Jeep und Alfa Romeo zu bauen.

Wie aber will Fiat das Splitting in zwei Konzerne mit Milliardenschulden schultern? In der Kriegskasse dafür seien vier Milliarden Euro, teilte die Turiner Autoschmiede unlängst mit. Kurz zuvor hatte Fiat dank des starken Geschäfts im dritten Quartal seine Jahresprognose deutlich angehoben. Man rechnet also mit mindestens zwei Milliarden Euro Betriebsgewinn, sieht die Schulden bereits auf unter vier Milliarden Euro gedrückt und will unterm Strich 400 Millionen erwirtschaftet haben. Die Investmentbank Barclays jedenfalls sieht die Turiner trotz der Unabwägbarkeiten nach dem Splitting im Aufwind.

Der Pulloverträger, aktiv in Detroit wie in Italien, wo es um die heikle Frage flexibler Arbeitsverträge geht, erwehrt sich so mancher Gerüchte mit einem scherzhaften Schlenker. “Nein, Alfa Romeo steht nicht zum Verkauf“ - weil es doch geheißen hatte, Volkswagen könnte an der Edelmarke interessiert sein. Dazu Marchionne: “Wenn man mir einen Scheck über 20 Milliarden hinlegt, könnte ich mir das noch mal überlegen.“

dpa

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