Flughafenstreik: Keine Annäherung

Frankfurt - Der Streik am deutschen Flug-Drehkreuz Frankfurt dauert mindestens noch bis zum Mittwoch. Doch die Macht der rund 200 Streikenden lässt offenbar nach: Immer weniger Flüge fallen aus.

Am dritten Tag des Streiks auf dem Frankfurter Flughafen haben sich die Folgen für Passagiere und Fluggesellschaften abgeschwächt. Trotz des Ausstands von rund 200 Vorfeldbeschäftigten am Rosenmontag mussten laut Flughafenbetreiber Fraport nur 240 von 1250 geplanten Starts und Landungen abgesagt werden.

Damit wurde nur jeder fünfte Flug annulliert, 80 Prozent fanden bei guter Pünktlichkeit statt. Für den Dienstag rechnet die Lufthansa mit einer noch geringeren Zahl von Ausfällen. Um die Auswirkungen des Arbeitskampfes der Vorfeldlotsen, Einweiser und Disponenten abzufedern, hatte Fraport eigens Mitarbeiter geschult, die deren Aufgaben übernommen haben.

In den festgefahrenen Tarifkonflikt war bis zum Abend keine Bewegung gekommen. Die Streikenden hatten am Montagmorgen die dritte und mit 48 Stunden bislang längste Runde ihres Arbeitskampfes bis Mittwochfrüh eingeläutet. Zuvor hatten sie am Donnerstag 7 Stunden und am Freitag 14 Stunden die Arbeit niedergelegt. Am Freitag fielen in Frankfurt rund 300 Flüge aus - für den Dienstag rechnet die Lufthansa mit 160 Ausfällen nach rund 200 am Montag.

Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) bekräftigte ihre Entschlossenheit zu weiteren Streiks, um ihre Forderung nach einem eigenen Tarifvertrag für die Vorfeldbeschäftigten durchzusetzen.“Wir hoffen, dass die Erhöhung des Drucks zu einem Einlenken von Fraport führt“, erklärte GdF-Tarifvorstand Markus Siebers. Fraport-Personalchef Herbert Mai forderte die Gewerkschaft hingegen erneut zur kompromissbereiten Rückkehr an den Verhandlungstisch auf.

Der Interkontinentalverkehr wurde laut Lufthansa weiterhin im vollen Umfang aufrechterhalten, der Flugplan innerhalb Deutschlands und Europas gezielt ausgedünnt. “Wir haben es immer besser im Griff, einen stabilen Flugverkehr abzuwickeln“, sagte Lufthansa-Sprecher Andreas Bartels. Der Flugverkehr mit zahlreichen Umbuchungen auf andere Flüge und das Umsteigen auf die Bahn liefen “den Umständen entsprechend reibungslos“, ergänzte eine Sprecherin. Konkurrent Air Berlin berichtete ebenfalls von einigen Ausfällen nach Frankfurt. Die Passagiere werden aber ebenfalls umgebucht.

Viele Reisende steigen auf die Fernzüge der Deutschen Bahn um. Besonders auf den Nord-Süd-Strecken nach Stuttgart, München, Berlin und Hamburg seien mehr Fahrgäste unterwegs, sagte ein Bahnsprecher in Berlin. Es gebe dadurch aber keine Probleme. Züge seien verlängert worden. “Alles, was rollen kann, rollt“, sagte der Sprecher.

Auch die übrigen Fluggesellschaften zeigten sich zufrieden mit dem Krisen-Management, das insbesondere die interkontinentalen Verbindungen bevorzugt. Martin Gaebges vom Airline-Verband Barig stärkte der Fraport den Rücken: “Letztlich müssten wir die höheren Entgelte über die Gebühren bezahlen.“

Fraport will zwar die Forderungen für die Vorfeldlotsen weitgehend erfüllen, nicht aber die Berufsgruppen der Einweiser und der Disponenten ebenfalls aus ihrem Tarifgefüge entlassen. Die geforderte Bezahlung stehe in keinem Verhältnis zu ähnlichen Tätigkeiten auf dem Flughafen, betonte das Unternehmen am Montag erneut. Man müsse aber das gesamte Unternehmen im Blick haben und habe aus diesem Grund auch den Schlichterspruch von Hamburgs Ex-Bürgermeister Ole von Beust abgelehnt. Die GdF hatte danach ihre Forderungen noch verschärft und will nun unter anderem die verlangten Erhöhungen auf einen Schlag.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt verlangte erneut ein Gesetz zur Regelung der Tarifeinheit, nach der lediglich ein Tarifvertrag in einem Unternehmen gelten dürfe. Der Fall beweise erneut, dass durch tarifeinheitswidrige Streiks eine kleine Minderheit jederzeit versuchen könne, Sonderinteressen durchzusetzen, indem sie einen ganzen Betrieb mit Auswirkungen auf Dritte lahmlege. Seit Donnerstag sei bereits ein Schaden von mindestens 100 Millionen Euro entstanden.

Die GdF ergötze sich offensichtlich an ihrer Machtposition, kritisierte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW), Klaus Laepple. Sie müsse schnellstmöglich zur Vernunft kommen. Er verlangte ebenfalls gesetzliche Vorkehrungen, um die Macht kleiner Spartengewerkschaften zurückzudrängen. “Denen ist das Wohl der Passagiere und der deutschen Wirtschaft völlig wurscht“, sagte der Stuttgarter Flughafenchef Georg Fundel.

Die Bundesregierung sieht hingegen keinen Anlass zum Eingreifen. “Die Tarifautonomie ist verfassungsrechtlich geschützt“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Die Vorgänge im Tarifkonflikt würden beobachtet. Es obliege aber nicht der Regierung zu beurteilen, “ob eine Streikmaßnahme oder ob Forderungen einzelner Gruppen angemessen sind.“

Auch an den Berliner Flughäfen drohen Warnstreiks. Verdi will damit ein Tarifangebot beim Dienstleister Globeground Berlin GmbH erzwingen, der sich in Tegel und Schönefeld um die Passagier- und Gepäckabfertigung sowie den Winterdienst kümmert. Die letzte Verhandlungsrunde war vor einer Woche ohne Ergebnis geblieben. Verdi fordert für die rund 1500 Beschäftigten 4,0 Prozent mehr Geld für zwölf Monate.

dpa

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