Fluglotsen sagen Streik für Donnerstag ab

Frankfurt - Gute Nachricht für Flugreisende: Am Donnerstag streiken die Lotsen nicht. Ihre Gewerkschaft hat den Ausstand nach juristischem Hin und Her abgesagt. Allerdings will sie vor Gericht weiter kämpfen.

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Reisende können vorerst aufatmen: Nach juristischem Tauziehen hat die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) ihren für Donnerstag geplanten mehrstündigen Fluglotsenstreik abgesagt. Ein Sprecher sagte der dpa am Mittwochabend, dies geschehe mit Rücksicht auf die Passagiere, da eine Entscheidung des Hessischen Landesarbeitsgerichts über den Streik erst für die Nacht zu erwarten sei. Vorausgegangen war eine Entscheidung in erster Instanz, die einen Ausstand zunächst untersagt hatte. Unmittelbar im Anschluss gingen die Fluglotsen in Berufung. Manche Reisende müssen wegen vorsorglicher Flugplanänderungen aber am Donnerstag mit früheren Startzeiten rechnen.

Die Gewerkschaft betonte, sie wolle vor Gericht weiter für den Streik kämpfen. Die Berufungsverhandlung vor dem Frankfurter Landesarbeitsgericht sollte am Mittwochabend beginnen. Sollten die Richter der Gewerkschaft Recht geben, muss sie allerdings eine 24-Stunden-Frist bis zu einem möglichen Streik einhalten. Diese Regelung hatte sich die GdF selbst auferlegt. Ein Streik könnte damit theoretisch frühestens am Freitag stattfinden.

Im ersten Verfahren vor dem Arbeitsgericht reichten Richterin Renate Binding-Thiemann die von der Flugsicherung vorgebrachten rechtlichen Bedenken gegen einzelne Tarifforderungen aus, um den Arbeitskampf zunächst zu untersagen. Maßgeblich für die Entscheidung war, dass die Gewerkschaft eine Vertretungsregelung aus dem Manteltarif ändern wollte, der nicht zur Verhandlung stand. Der Hintergrund ist: Da für den nicht gekündigten Manteltarif eine Friedenspflicht besteht, dürfen Regelungen aus ihm nicht mit einem Streik angegriffen werden. In dem Arbeitsgerichtsverfahren zeigte sich erneut, wie verhärtet die Fronten zwischen den Parteien sind: Flugsicherung und Gewerkschaft stritten sich insbesondere über die von der Gewerkschaft verlangten Regelungen zur Besetzung bestimmter Vorgesetztenstellen, die erfahrenen Lotsen vorbehalten sein sollten. Eine Lösung des Konflikts ohne Schlichtung halte sie für unmöglich, sagte die Richterin während der Verhandlung. Bergmann hatte die Schlichtung dagegen erneut als untaugliches Mittel bezeichnet.

Die Streikdrohung der Fluglotsen hatte Fluggesellschaften und Flughäfen alarmiert. Während die Airlines am Mittwoch an Ersatzflugplänen für die angedrohte sechs Streikstunden am Donnerstag ab 06.00 Uhr feilten, organisierten die Flughäfen zusätzliches Personal und Versorgungsmaterial. Hilfreich seien die Erfahrungen aus der Zeit der isländischen Aschewolke aus dem Vorjahr gewesen, berichtete ein Verantwortlicher in Frankfurt. Die Passagiere wurden aufgefordert, sich bei ihren Fluggesellschaften über mögliche Flugverlegungen und Alternativen zu erkundigen.

Reise: Die kuriosesten Fälle vor Gericht 

Pamala Anderson
Blondinen, die sich grün ärgern: Als Blondine ging eine Mallorca- Urlauberin in den Pool, wie ein Marsmännchen mit grün gefärbten Haaren kam sie wieder heraus: Der zu hohe Chlor-Anteil im Wasser hatte die Haare der Klägerin verfärbt. Das beeinträchtigte die weitere Urlaubsfreude erheblich. Das Amtsgericht Bad Homburg sprach ihr eine Reisepreisminderung von zehn Prozent zu. © dpa
Pool
Das zusätzlich geforderte Schmerzensgeld gab es allerdings nicht. Begründung: Die Klägerin trug keine Badekappe, außerdem habe sie, so die Beweisaufnahme, die Haare früher bereits in schrillen Farben gefärbt. (AZ 2C 109/97-10). © dpa
Reise Recht kuriose Fälle Urteile
Schwanger durch den Hotel-Pool: Schier unglaublich, aber trotzdem wahr ist auch die Geschichte einer polnischen Mutter, die eine Schadensersatzklage anstrebte, weil ihre Tochter schwanger aus dem Ägypten- Urlaub nach Hause kam. Schuld sei ihrer Ansicht nach ein mit Spermien verunreinigter Hotel-Pool gewesen... © dpa
Zu hohe Wellen auf den Seychellen: Aktuell kursiert das Urteil eines Wiesbadeners, der aufgrund der Wetterbedingungen auf den Seychellen das Meer nicht nach seinen Vorstellungen nutzen konnte. Das Landgericht Hannover verneinte einen Minderungsanspruch an den Reiseveranstalter. (AZ 1 O 59/09).
Zu hohe Wellen auf den Seychellen: Aktuell kursiert das Urteil eines Wiesbadeners, der aufgrund der Wetterbedingungen auf den Seychellen das Meer nicht nach seinen Vorstellungen nutzen konnte. Das Landgericht Hannover verneinte einen Minderungsanspruch an den Reiseveranstalter. (AZ 1 O 59/09). © dpa
Reise Recht kuriose Fälle Urteile
Abifeier auf dem Seniorenschiff: Zwei Abiturientinnen wollten ihre bestandene Prüfung mit Gleichaltrigen auf einer Piratenschiff- Kreuzfahrt vor der Küste Dalmatiens feiern. Die Schiffsreise wurde von eine Jugend-Reiseveranstalter angeboten, der sich auf Urlauber bis maximal 25 Jahre spezialisiert hatte... © ots
...Weil der Zweimaster aber überbucht war, wurden die Abiturientinnen auf einem anderen Schiff untergebracht. Auf dem Ersatzdampfer befanden sich allerdings ausschließlich Reisende der Generation 75 Plus. Den Jugendlichen wurde vor Gericht Schadensersatz in Höhe von 80 Prozent des Reisepreises (1100 Euro) zugesprochen (LG Frankfurt/ Main, AZ 2/24 S 15/04).
...Weil der Zweimaster aber überbucht war, wurden die Abiturientinnen auf einem anderen Schiff untergebracht. Auf dem Ersatzdampfer befanden sich allerdings ausschließlich Reisende der Generation 75 Plus. Den Jugendlichen wurde vor Gericht Schadensersatz in Höhe von 80 Prozent des Reisepreises (1100 Euro) zugesprochen (LG Frankfurt/ Main, AZ 2/24 S 15/04). © dpa
Reise Recht kuriose Fälle Urteile
Business-Class mit Schnarchkonzert: Unerträglich war für einen Südafrika- Reisenden das Schnarchkonzert seines Sitznachbarn im Flieger. Er wollte sein Geld von der Fluggesellschaft zurückerstattet bekommen. Das Amtsgericht Frankfurt stufte die Lärmbelästigung als bloße Unannehmlichkeit ein, die ein Fluggast auch in der Business-Class hinzunehmen hätte (AZ 31 C 842/01-83). © dpa
Reise Recht kuriose Fälle Urteile
Zu viele Einheimische auf Mauritius: Einem deutschen Urlauberpärchen missfielen die Einheimischen, die sich ebenfalls am Strand von Mauritius sonnten. Das Amtsgericht Aschaffenburg sah in der Anwesenheit der Einheimischen jedoch weder einen Reisemangel noch Grund für getrübte Urlaubsfreuden und wies die Klage ab (AZ 13 C 3517/95). © dpa
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Albtraum Himmelbett: Aus allen Wolken fiel ein Urlauberpaar, als es in Venedig das Hotelzimmer der Kategorie Grand Deluxe betrat (pro Nacht knapp 480 Euro). Statt des im Reisekatalog abgebildeten Himmelbetts mit Vorhängen stand dort ein ganz unromantisch Doppelbett. Da das Zimmer auch sonst nicht den Katalogbildern entsprach, erstritten sich die Urlauber eine Rückerstattung des Reisepreises von 15 Prozent (AZ 414 C 3852/08). © dpa
Reise Recht kuriose Fälle Urteile
Naturerscheinung am Karibikstrand: Mehr als 400 Flohbisse am Körper zählte ein Urlauberpaar nach dem ersten Strandtag in der Dominikanischen Republik. Eine Klage gegen den Reiseveranstalter blieb allerdings erfolglos. Beim Auftreten von Sandflöhen handle es sich, so die Richter am Amtsgericht Köln, „um nicht zu verhindernde Naturerscheinungen“. (AZ 134 C 419/07). © dpa
Reise Recht kuriose Fälle Urteile
Keine Getränke ohne Trinkgeld: Zwei Touristen hatten einen Kuba-Urlaub all inclusive gebucht. Doch nur mit regelmäßigen Trinkgeldzahlungen gab es Getränke, ansonsten waren lange Wartezeiten die Regel. Das Amtsgericht Köln sprach den beiden Urlauber eine Minderung des Reisepreises zu. Es könne nicht angehen, dass Personal für bereits bezahlte Leistungen Trinkgeld begehre. (Amtsgericht Köln, AZ 122 C 171/00). © dpa
Reise Recht kuriose Fälle Urteile
Der Muezzin darf rufen: Die täglichen Muezzin-Gebetsrufe vom benachbarten Minarett wollten einer Türkei-Touristin nicht gefallen. Sie rief den Richter wegen des angeblichen Reisemangels zu Hilfe. Das Amtsgericht Düsseldorf befand die Gebetsrufe allerdings als hinzunehmende, ortsübliche Geräusche und lehnte einen Minderungsanspruch ab (AZ 48 C 5461/08). © dpa
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Ramadan: Im Fastenmonat Ramadan hatte ein Ehepaar eine Oman-Reise angetreten und nach der Hälfte der Reisezeit wieder abgebrochen. Denn auch für das Paar galt: Kein Rauchen kein Essen, keine Getränke, von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. Das Ehepaar bekam zehn Prozent des Reisepreises zurückerstattet. Die Reisebüromitarbeiterin hätte, laut dem Gericht, besser aufklären müssen. (Landgericht Dortmund, AZ 17 S 45/07). © dpa
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Keine Sonnengarantie über der Sahara: Am Roten Meer regnet es in manchen Regionen nur alle zehn Jahre einmal. Ein Urlauber hatte trotzdem Pech mit dem Reisewetter. Er forderte wegen des nasskalten Wetters vom Reiseveranstalter sein Geld zurück. Das Amtsgericht Stuttgart-Bad Cannstatt wies die Klage ab, denn für Regenwetter gäbe es keinen Ersatz. (Amtsgericht Stuttgart- Bad Cannstatt, AZ 10 C 801/96). © dpa
Reise Recht kuriose Fälle Urteile
Schwedischer Stil: Ein Schweden-Urlauber verlangte Schadensersatz, weil sein Ferienhaus nur ein Plumpsklo, und nicht wie im Katalog mit einer Toilette, ausgestattet war. Das Landgericht Hamburg wies die Klage ab: Bei einem Ferienhaus in freier Natur könne nicht zwingend mit einer Wasserspülung gerechnet werden. Der Begriff „WC“ wurde im Katalog absichtlich nicht verwendet. Und ein Plumpsklo sei tatsächlich auch eine Toilette (AZ 313 S 78/02). © dpa
Reise Recht kuriose Fälle Urteile
Ohne Deo auf Hawaii: Ein Passagier musste unmittelbar vor dem Abflug nach Düsseldorf wieder aussteigen. Grund: Seine Sitznachbarin hatte sich beim Kapitän über den starken Schweißgeruch beschwert. Die Fluggesellschaft musste dem Passagier 260 Euro für das Hotelzimmer aufgrund der Reiseunterbrechung als Schadensersatz erstatten (OLG Düsseldorf, AZ 18 U 110/06). © dpa
Entgangene Urlaubsfreuden auch für Fünfjährige: Der Cluburlaub in Ägypten war für einen Fünfjährigen ein Desaster. Kinderpool und Kinderclub waren noch eine Bausstelle. Das Gericht minderte deswegen den Reisepreis um 73 Prozent und gestanden der Klägerin und ihrem Sohn eine Entschädigung von insgesamt 1765 Euro zu. (AZ.: 2-24 S 61/10) © dpa

Die Lotsen und andere Tarifbeschäftigte der bundeseigenen DFS wollen ihre Forderungen nach 6,5 Prozent mehr Geld, aber vor allem nach mehr Einfluss im Unternehmen durchsetzen. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) warnte vor einem Streik “auf dem Rücken vieler Urlauber“.

Die Lufthansa hatte wie auch andere Airlines mit Planungen für den Streikfall begonnen, der nun theoretisch frühestens am Freitag eintreten kann. Im Hintergrund entstehe ein Sonderflugplan, der sehr viele Flugausfälle beinhalten würde, sagte eine Sprecherin von Europas größter Luftfahrtgesellschaft am Mittwoch. Der Plan würde im Falle eines Arbeitskampfes aus der Tasche gezogen.

Auch die Flughäfen bereiteten sich vor, ein drohendes Chaos an den Terminals zu verhindern. Selbst kleinere Plätze waren betroffen: Obwohl Paderborn und Dortmund nicht von den streikwilligen Lotsen der DFS überwacht werden, ginge dort im Streikfall auch nichts mehr. “Sobald dort ein Flugzeug abhebt, kommt es in einen Luftraum, der von der Deutschen Flugsicherung kontrolliert wird“, erklärte der Sprecher der Gewerkschaft der Flugsicherung für NRW, Achim Krüger.

Die europäische Flugaufsicht Europol rechnete mit erheblichen Störungen des Flugverkehrs in Europa für den Fall eines Streiks. “Wir erwarten Verspätungen“, sagte Eurocontrol-Geschäftsführer Joe Sultana am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. “Es geht ja nicht nur um die Flüge, die in Deutschland landen und starten, sondern vor allem auch um die, die nur durch den deutschen Luftraum hindurch fliegen.“

Verkehrsminister Ramsauer ging die Lotsengewerkschaft vor der Absage des Streiks frontal an. “Sich ausgerechnet eine Hauptferienreisewoche herauszupicken, um einen solchen Streik durchzuführen, das ist eine Aktion auf dem Rücken vieler Urlauber“, sagte Ramsauer. “Ich kann an die Fluglotsen und an ihre Spartengewerkschaft nur eindringlichst appellieren, hier den Bogen nicht zu überspannen.“

dpa

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