Aufgedeckt: So wird bei Fleisch geschummelt

Berlin - Foodwatch hat den Handelsketten Betrug am Kunden mit “aufgehübschtem“ Fleisch vorgeworfen. Mit Hilfe eines Gas-Gemisches würde Fleisch von außen rosig-rot gefärbt, innen werde es dadurch jedoch schneller zäh und ranzig.

Das sagten die Verbraucherschützer am Montag in Berlin. Unter “Schutzatmosphäre“ verpacktes Fleisch lasse sich deutlich länger und besser verkaufen. “Die Handelsketten gaukeln ihren Kunden Frische vor und jubeln ihnen minderwertiges Fleisch unter“, erklärte Matthias Wolfschmidt, stellvertretender Foodwatch-Geschäftsführer. In einem Labortest ließ die Organisation 17 unterschiedliche Rind- und Schweinefleischprodukte vom Hackfleisch bis zum Schnitzel untersuchen, die luftdicht unter “Schutzatmosphäre“ in Plastikschalen abgepackt waren.

Insgesamt wurden 154 Frischfleischpackungen verschiedener Handelsketten geprüft. Das Ergebnis: Laut Foodwatch setzten vier Handelsketten bei allen getesteten Produkten hochkonzentrierte Sauerstoffatmosphäre ein. 34 Mal wurde zudem der so genannte TBARS-Wert ermittelt, ein Indikator für den Fettverderb. “Daraus ergaben sich deutliche Hinweise für eine Ranzigkeit der sauerstoffbehandelten Proben“, erklärte die Organisation. Foodwatch forderte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner auf, die Verwendung von Sauerstoff in höheren Konzentrationen als in normaler Umgebungsluft in der gesamten Fleischwirtschaft per Verordnung zu untersagen.

Zwtl: Haltbarkeit lässt sich drastisch verlängern Die Firma Linde, einer der führenden Hersteller von Schutzgasen, wirbt damit, dass nur Gase eingesetzt werden, die auch in der Atemluft vorkommen: Kohlendioxid (CO2), Stickstoff und Sauerstoff. Mit Hilfe natürlicher Gase, geeigneter Verpackungsmaterialien und -maschinen verlängere das Verpacken unter Schutzatmosphäre die Haltbarkeit der Lebensmittel und bewahre ihre Qualität. Rohes helles Geflügel, das sonst zwei bis vier Tage haltbar sei, lasse sich so 16 bis 21 Tage frisch halten. Bei gekochtem Fleisch in Scheiben verlängere sich die durchschnittliche Haltbarkeit von maximal vier Tagen auf maximal fünf Wochen. Kuchen halte sich statt mehrere Wochen dann bis zu einem Jahr lang, schreibt Linde auf seiner Internetseite.

Zwtl: “Schlagartig ranzig, entwickelt Altgeschmack“ Foodwatch wies darauf hin, dass das bundeseigene Max-Rubner-Institut im Branchenblatt “Fleischwirtschaft“ (Ausgabe 6/2009) in aller Deutlichkeit erklärt habe, “dass keinerlei Notwendigkeit zur Behandlung von Fleisch mit höheren Sauerstoffkonzentrationen besteht, außer einem Vermarktungsvorteil durch Aufrötung erzielen zu wollen. Als ob dies nicht genügen würde, wird derartig dem Sauerstoff ausgesetztes Fleisch auch noch schlagartig ranzig, entwickelt Altgeschmack, erfährt vielfältig stoffliche Umsetzungen der Lipid- und Proteinfraktion und wird zäh“. Neben solchen sensorischen Mängeln berichteten die Wissenschaftler auch von der Bildung gesundheitsgefährdender Cholesteroloxide in Sauerstoff-Atmosphäre.

Dabei handele es sich um “anerkannt toxische Substanzen“, die mit der Entstehung von “Arteriosklerose oder auch Krebs“ in Zusammenhang gebracht würden. Foodwatch wies darauf hin, dass kostenneutrale Alternativen zu den Verpackungen mit Sauerstoff-Atmosphäre bekannt seien. Die Wissenschaftler des staatlichen Max-Rubner-Instituts hätten den Einsatz von Stickstoff statt Sauerstoff oder die Verwendung von Vakuumverpackungen genannt. “Der Nachteil für den Handel: Das Fleisch wird dabei nicht künstlich aufgehübscht.“

dapd

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