Strukturelle Effekte ausgereizt

Forscher: Deutschland droht Jobflaute

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Ein Mann ist in Wiesbaden (Hessen) auf dem Weg zur Agentur für Arbeit.

Nürnberg - Obwohl die Arbeitslosenzahlen in den vergangenen Monaten stetig gesunken sind, prophezeien Forscher eine Jobflaute in Deutschland. Ab 2014 würden Arbeitnehmer das zu spüren bekommen.

Trotz eines aktuell robusten Arbeitsmarktes rechnen Forscher mittel- und langfristig in Deutschland mit einer Jobflaute. Die strukturellen Effekte der Hartz-Reformen seien im Wesentlichen ausgereizt, der Arbeitsmarkt werde nicht mehr seinen „steilen Positivtrend fortsetzen“, heißt es in der am Donnerstag veröffentlichten Prognose des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg.

Darüber dürfe auch der Umstand nicht hinwegtäuschen, dass aktuell die Zahl der Erwerbslosen saisonbereinigt wieder sinke. Damit würden derzeit lediglich leichte Jobverluste als Folge der jüngsten Eurokrise wettgemacht. „Strukturelle Indikatoren deuten schon länger darauf hin, dass die fundamentalen Verschiebungen am Arbeitsmarkt zu einem Ende kommen“, schreiben die Autoren der Studie.

IAB-Arbeitsmarktforscher Enzo Weber schließt nicht aus, dass der Effekt schon im Jahre 2014 oder 2015 wirksam wird. „Die Lage auf dem Arbeitsmarkt wird dann zwar weiter gut sein, der bisherige Schwung wird aber nicht mehr da sein, wenn man nicht gegensteuert“, sagte Weber der Nachrichtenagentur dpa.

2013 wird die Arbeitslosigkeit noch einmal leicht sinken

Als Konsequenz fordert die Denkfabrik der Bundesagentur nicht nur eine stärkere Qualifizierung von Arbeitslosen, sondern aucheine verbesserte Betreuung von Männern und Frauen, die schon nach kurzer Zeit wieder ihren Job verlieren. „Eine nachhaltige Betreuung zur Stabilisierung von Kurzzeitarbeitsverhältnissen erscheint vielsprechend“, betonen die Nürnberger Arbeitsmarktforscher. Geringqualifizierte hätten weiterhin das höchste Risiko, arbeitslos zu werden.

Für 2013 rechnen die Arbeitsmarktforscher dagegen noch einmal mit leicht sinkender Arbeitslosigkeit in Deutschland. Mit 2,86 Millionen werde die Zahl der Erwerbslosen im Jahresschnitt um rund 40.000 niedriger ausfallen als 2012. Bei den Erwerbstätigen rechnet das IAB weiterhin mit einem Anstieg - „wenn auch moderater als in den letzten Jahren“. Das IAB geht für 2013 im Jahresdurchschnitt von 41,84 Millionen Arbeitsplätzen aus - das wären rund 230.000 mehr als im Jahr 2012.

70 Prozent aller Arbeitsplätze in Deutschland sind regulär

Nachdem sich die deutsche Wirtschaft zügig erholt habe, bekomme der Arbeitsmarkt wieder konjunkturellen Rückenwind, betont das IAB. Es geht für 2013 von einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 1,3 Prozent aus. „Das Tal scheint durchschritten, die Frühindikatoren legen kräftig zu“, betont IAB-Arbeitsmarktforscher Weber.

Für „besonders bemerkenswert“ hält Weber die aktuelle Entwicklung bei den sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen. „Wir prognostizieren für das Jahr 2013 eine Zunahme um 320.000 auf knapp 29,31 Millionen Personen - den höchsten Stand seit 1992“, erläuterte er Weber. Damit wachse die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten bereits zum vierten Mal in Folge, betonte der Arbeitsmarktforscher.

Nach der deutschen Wiedervereinigung war die Zahl der Arbeitsplätze mit Sozialversicherungspflicht beständig zurückgegangen; seit dem Tiefststand im Jahr 2005 mit 26,24 Millionen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten sei dieser Trend gestoppt. Inzwischen machten reguläre Arbeitsplätze mit monatlichen Abgaben an die Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung wieder 70 Prozent aller Arbeitsplätze in Deutschland aus.

dpa

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