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Mit 40 in Rente: So klappt es mit dem frühen Ruhestand

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Von: Patricia Huber

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Mit 40 in Rente zu gehen, klingt für viele wie ein Traum. Doch es ist möglich, vorausgesetzt, man ist sparsam, bescheiden - und sehr diszipliniert.

München – Politik und Wirtschaft diskutieren immer wieder über ein späteres Renteneintrittsalter. Derzeit liegt es in Deutschland bei 67 Jahren – immer häufiger wird eine Erhöhung auf 70 Jahre gefordert. Doch dieser Vorschlag trifft besonders im Handwerk und bei Arbeitnehmern in körperlich anstrengenden Berufen auf wenig Gegenliebe. Hier würden sich viele eher einen früheren Eintritt in die Rente wünschen. Dennoch: Der ein oder andere arbeitet abseits der gesetzlichen Regelungen bereits am Traum der frühen Rente. Dabei ist der Ruhestand mit 40 Jahren das große Ziel.

Früher in Rente: Das große Ziel der F.I.R.E.-Bewegung

Aber wie soll das gehen? Schließlich finanziert man sich seine spätere Rente über die Rentenpunkte, welche man im Laufe des Arbeitslebens erhält. Zudem drohen bei früherem Renteneintritt teils empfindliche Abzüge. Für die Anhänger der F.I.R.E.-Bewegung ist die gesetzliche Rente auch nicht wirklich von Bedeutung. Sie sorgen in jungen Jahren finanziell vor, um dann noch vor dem 40. Lebensjahr in Rente gehen zu können.

F.I.R.E steht für „Financial Independence, Retire Early.“ Was auf Deutsch so viel heißt wie: „Finanzielle Unabhängigkeit und Frühruhestand“. Wer dieses Ziel durch einen sparsamen Lebensstil anstrebt, wird auch Frugalist genannt. Der Begriff stammt vom lateinischen „frugalis“ und kann mit „sparsam“, „einfach“ oder „bescheiden“ übersetzt werden.

Frugalismus: So geht‘s

Der Frugalismus setzt sich dabei aus drei Säulen zusammen. Allen voran steht ein extrem sparsamer Lebensstil. Die Ausgaben werden ganz genau geprüft, unnötige Ausgaben werden vermieden und an jeder Ecke wird gespart. Zudem soll natürlich möglichst viel Geld erwirtschaftet werden, weshalb ein hohes Einkommen ein großes Ziel ist. Das gesparte Geld investieren Frugalisten dann meist in risikoarme Anlagen wie beispielsweise ETFs.

Das große Sparziel von Frugalisten liegt bei 80 Prozent des Nettoeinkommens. Leisten können sich das jedoch wohl nur Menschen mit einem sehr hohen Einkommen. Daher legen Frugalisten auch großen Wert auf eine gut bezahlte Ausbildung und Fort- und Weiterbildung im Job.

Der Traum von der Rente mit 40 ist also bei weitem nicht für jeden umsetzbar. Das sieht auch Andrea Machost, Direktorin Private Banking von der Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert, so. „Nicht jeder kann – so wie es Frugalistinnen und Frugalisten machen – 70 bis 80 Prozent seines Einkommens sparen. […] Geringverdiener können die Sparrate, die man benötigt, um mehr als zwanzig Jahre vor dem gesetzlichen Rentenalter in den Ruhestand zu gehen und bis ans Lebensende allein vom angesparten Vermögen zu leben, kaum erreichen.“

Mit 40 in Rente: So viel Geld muss man sparen

Um zu wissen, wann das Ersparte reicht, sollte man zunächst seinen Jahresbedarf berechnen. Hat man dann das 25-fache dieses Bedarfs angespart, könnte man frühzeitig in Rente gehen, erklärt die Sparkasse auf ihrer Website. Wer also im Jahr beispielsweise 30.000 Euro ausgibt, muss 750.000 Euro sparen, um in Rente gehen zu können. Bei 40.000 Euro Jahresausgaben ist es dann bereits eine Million. Dabei sollte jedoch auch beachtet werden, dass Krisen, wie die derzeitig Energiekrise die Lebenshaltungskosten stark verteuern können.

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Außerdem hat ein Leben als Frugalist auch viele einschneidende Nachteile. Schließlich verzichtet man nicht nur auf materielle Dinge, sondern auch auf ein Stück Luxus. Das Sozialleben kann zudem stark darunter leiden und die Familienplanung wird komplizierter. Wer sich also für den frugalen Lebensstil und eine potenzielle frühe Rente entscheidet, sollte alle Vor- und Nachteile bedenken und sich sehr ehrlich prüfen. (ph)

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