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Das gefährliche Geschäft mit dem Nichts

München - Spekulanten attackieren Europa! Um die Angriffe abzuwehren, haben in der Nacht zum Freitag mehrere Länder sogenannte Leerverkäufe von Aktien an den Börsen verboten. Die tz erklärt, was das bringt und wie die Lage in Deutschland ist.

Was sind Leerverkäufe? Diese auch „Short selling“ genannten Aktionen gehören zu den besonders riskanten Geschäften auf dem Börsenparkett. Bei Leerverkäufen setzen Spekulanten auf schwächelnde Kurse einer Aktie, die sie gegen eine Gebühr von etwa zwei Prozent des Werts lediglich leihen und dann weiterverkaufen. Geht ihre Wette auf, können sie später die Papiere wieder günstiger zurückkaufen und dem Verleiher zurückgeben. Ihr Gewinn ist die Differenz zwischen Verkaufspreis und Rückkaufpreis.

Wo ist das Problem dabei? US-Investmentlegende Warren Buffett hatte Leerverkäufe einst als „Massenvernichtungswaffen der Finanzmärkte“ bezeichnet. Wenn der Markt von einer Flut an Leerverkäufen überschwemmt wird, kann der Aktienkurs allein dadurch auf Talfahrt gehen und die regulären Aktienbesitzer in Panik versetzen. Auch wird Spekulanten unterstellt, dass sie bewusst Gerüchte streuen, damit die Kurse bestimmter Aktien in ihrem Sinne sinken.

Was ist jetzt verboten? Frankreich, Italien, Spanien und Belgien haben Leerverkäufe zumindest teilweise verboten. In Frankreich dürfen für 15 Tage nur noch die wirklichen Eigentümer Aktien von elf Banken und Versicherungen handeln. Anlass war der Absturz französischer Bankaktien um teils bis zu 20 Prozent. Grund dafür waren Gerüchte, die französische Großbank Société Générale habe Finanzprobleme. Französische Aktien rissen daraufhin auch den DAX und den Dow Jones mit nach unten. Die Angst war, dass die Rating-Agenturen auch Frankreichs Bonität herabstufen könnten.

Warum dauert das Verbot nur 15 Tage? Weil wegen der Sommerferien nur verhältnismäßig wenige Börsenhändler den Markt beeinflussen können. Die Behörden hoffen, dass sich die Börsen bis dahin wieder beruhigen.

Wie reagierten die Börsen am Freitag auf das Verbot? In Paris und Madrid ging es bis Freitagmittag kräftig aufwärts. Der DAX übersprang am Nachmittag sogar kurzzeitig die 6000er-Marke.

Wie ist die Lage in Deutschland? Hier sind nur sogenannte ungedeckte Leerverkäufe von Anteilen der zehn größten deutschen Finanzkonzerne verboten. Dabei handelt es sich um Verkäufe von Aktien, die die Spekulanten nicht einmal besitzen. Das ist prinzipiell möglich, weil Aktien erst nach ein paar Tagen geliefert werden müssen. Der Spekulant nutzt diese Zeitspanne für sich.

Warum werden nicht alle Leerverkäufe verboten? „Die Macht der Finanzindustrie, die damit viele Millionen Euro Profite macht, ist zu groß“, sagt Attac-Sprecher Detlev von Larcher zur tz. „Die Allgemeinheit hat nichts von Leerverkäufen, darf aber hinterher nur den Schaden tragen.“ Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband deutscher Banken, sieht das anders: „Ich bin relativ skeptisch, wenn man glaubt, dem Markt mit Verboten beikommen zu können. Leerverkäufe können auch wirtschaftlichen Nutzen stiften, indem sie die Märkte wieder in die Balance bringen können.“

was.

Rubriklistenbild: © dpa

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