Untersuchung

Geldanlage: Jeder Zweite falsch beraten

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München - Jeder zweite Deutsche wird bei seiner Geldanlage falsch beraten. In 89 Prozent der Fälle werden den Kunden nicht bedarfsgerechte Produkte aufgeschwatzt.

Die Empfehlungen waren zu teuer, zu unrentierlich, zu unflexibel oder zu riskant. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Untersuchung der Initiative Finanzmarktwächter von 298 Fällen aus der Beratungspraxis der Verbraucherzentralen.

Die Ursachen sieht der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) unter anderem in der schlechten Beratungsqualität, die auch zum Vertrieb mangelhafter Produkte führe.

Es wurde geprüft, ob die Geldanlagen und Altersvorsorgeverträge, die die Ratsuchenden zum Zeitpunkt der Beratung schon besaßen oder die ihnen aktuell von Banken und Finanzvertrieben angeboten worden waren, dem individuellen Bedarf entsprechen. Das zentrale Ergebnis: Bei den bereits erworbenen Produkten waren 42 Prozent nicht bedarfsgerecht, bei jedem zweiten lag dies an den zu hohen Kosten. Bei den aktuell und neu angebotenen Produkten fielen sogar 87 Prozent durch!

Grund waren in 73 Prozent der Fälle die zu hohen Produktkosten. „Unsere Beobachtungen sind alarmierend, zumal das Verhalten der Finanzberater in vielen Fällen direkt zu Lasten der privaten Altersvorsorge der Sparer geht“, sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

So schlecht wurde beraten (hier vergrößern)

„Finanzberater sind heute in Wirklichkeit keine Berater, sondern schlicht Verkäufer“, sagt Dorothea Mohn, Teamleiterin Finanzen im vzbv. In der Anlageberatung führt insbesondere der provisionsbasierte Vertrieb zu Interessenkonflikten, die in Fehl- und Falschberatungen münden. Weiterhin zeigt die Untersuchung, dass Verbraucher, die sich zur Geldanlage und Altersvorsorge beraten lassen, nicht über die nötigen Kenntnisse verfügen, um komplexe Produkte und Anlagestrategien mit einem langen Zeithorizont selbst beurteilen und bewerten zu können.

KHD

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