Gewerkschaftsboss Claus Weselsky

Streik: Wer ist der Mann, der alles lahmlegt?

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GDL-Verhandlungsführer Claus Weselsky führt knallharte Verhandlungen mit der Bahn.

Berlin - Er ist die Hassfigur von Millionen Reisenden: Gewerkschaftsboss Claus Weselsky (55) hat den längsten Lokführer-Streik der Bahn-Geschichte angezettelt.

„Wir lehnen das Schlichtungsangebot ab“, sagt er eiskalt im Bahn-Poker. „Hier sitzt ein unnachgiebiger Kämpfer.“

Schon zu Beginn der Streik-Verhandlungen machte er klar: Mit ihm ist nicht zu spaßen. Für die Lokführer kämpft er bis aufs Blut. „Wir werden zu keinem Zeitpunkt unsere Grundrechte an der Garderobe abgeben, um dem Arbeitgeber Deutsche Bahn einen Gefallen zu tun“, betont Weselsky. Er warf dem Konzern eine Blockade vor – und setzte die mittlerweile sechste Streikaktion im laufenden Tarifkonflikt eiskalt um. Denn noch immer ist keine Einigung in Sicht!

Die Härte des Streiks trifft dieses Wochenende Millionen Reisende und legt die Republik streckenweise lahm. Seit das klar ist, hat sich der Wind für Weselsky gedreht. Denn viele empfinden den viertägigen Ausstand als übertrieben. Nicht nur Politiker kritisierten den GDL-Chef dafür. Auch andere Gewerkschaftsbosse rücken immer stärker von ihm ab.

Der Vorwurf: Weselsky betreibe ein egoistisches Machtspielchen auf dem Rücken von Millionen Bahn-Kunden, kritisierte Matthias Jena, Landeschef des Deutsche Gewerkschaftsbundes (DGB). „Er will nicht nur für die Lokführer zuständig sein, sondern für andere Teile der Bahnbeschäftigten, wo seine Gewerkschaft eben nicht die Mehrheit hat. Und da hat er sich verrannt.“ Rolf Habermann, Chef des Bayerischen Beamtenbund (BBB) sagte: „Ich verstehe jeden, der hier die Solidarität in Frage stellt!“ Und: „Hier schießen Einzelne übers Ziel hinaus.“

Bahn-Streik: Leere Bahnsteige und volle U-Bahnen

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Weil Medien Fotos seines Wohnhauses und seine Büronummer veröffentlicht haben, fürchtet Weselsky inzwischen um seine Sicherheit. Er rief sogar die Polizei, weil er seine Privatsphäre verletzt sieht. Ein Rückzieher? Kommt für ihn nicht infrage: „Ich bin bisher immer auf Bahnhöfen gewesen und werde das auch weiter tun.“

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