Was Sparer tun können

Wohin mit dem Geld? Tipps, um Ihr Vermögen zu erhalten

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Wohin mit dem Geld? Welche Anlage rentiert sich und passt zu meiner momentanen Lebenssituation?

München - Was können Sparer in Zeiten der Niedrigzinspolitik tun, um ihr Vermögen zu erhalten? Wo liegen die Chancen, wo die Risiken? Die tz hat dazu Frank Lehmann, dem Erfinder von Börse im Ersten, befragt.

Des einen Freud, des anderen Leid. Während sich Schuldner über die weltweite Niedrigzinspolitik freuen dürfen, geht es den Sparern langsam aber sicher an den Kragen. Endlich mehr Geld – diesen Vorsatz mit geschickter Geldanlage zu erreichen wird immer schwieriger… Die Zinsen für Tagesgeldkonten sind zum Weinen, beim Festgeld sieht es nicht viel besser aus. Der typische sicherheitsbewusste deutsche Sparer muss sich fühlen wie dereinst Don Quichote bei seinem Kampf gegen die Windmühlen. Beim Tagesgeld geht es nur darum, so wenig Geld wie möglich zu verlieren. Denn als kurzfristige Anlage ist das Tagesgeld mit seiner sofortigen Verfügbarkeit weiterhin alternativlos. Doch was können Sparer darüber hinaus tun, um vielleicht doch noch ein paar Prozent mit ihrem Geld zu erwirtschaften? Wo liegen die Chancen, wo die Risiken? Wir haben uns mit Frank Lehmann, dem Erfinder von Börse im Ersten, darüber unterhalten, wie viel Prozent Rendite man erwirtschaften muss, um den Wert seines Vermögens zu erhalten, und wie viel Risiko man dafür eingehen muss. Lehmann rät zu einem Mix aus sicherem Tagesgeld, soliden Wertpapieren oder Fonds aus der ersten Liga der Börsenunternehmen. Im tz-Gespräch erklärt er, worauf Anleger jetzt achten sollten:

Drei bis vier Prozent nötig, um den Wert der Ersparnisse zu erhalten

Herr Lehmann, die Gretchen-Frage vorneweg: Ändert sich was an den Niedrigzinsen?

Frank Lehmann, Geldanlage-Experte, moderierte jahrelang die ARD-Börse.

Frank Lehmann, Geldanlage-Experte, moderierte jahrelang die ARD-Börse: Nein. Für den Anleger bleibt die Situation weiterhin bescheiden. Das bedeutet im Umkehrschluss aber für den Kreditnehmer weiterhin paradiesische Zustände. So günstig konnte man nach dem Krieg noch nie an eine Hypothek zum Bauen kommen. Und das bleibt auch 2014 so.

Wenn man sein Geld trotzdem lieber anlegen möchte – was kann man dann tun?

Lehmann: Die Inflationsrate liegt aktuell bei etwa 1,5 Prozent. Für einen ähnlichen Prozentsatz bekommen sie schon Tagesgeldangebote (siehe Tabelle unten, Anm. d. Red.). Dabei handelt es sich natürlich ausschließlich um Angebote von Onlinebanken. So lange die Einlagensicherung stimmt, ist das aber kein Problem. Allerdings nagt nicht nur die Inflation am Ersparten – Sie müssen noch Steuern und den Soli mit einberechnen. Um den Wert der eigenen Ersparnisse zu erhalten, ist also pro Jahr eine Rendite von drei bis vier Prozent nötig. Das kann mit einem Tagesgeldkonto allein nicht gelingen.

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Pfandbriefe der Hypothekenbanken - leider kaum bekannt

Abgesehen vom Tages- oder Festgeld: Wo gibt es denn noch ordentliche Zinsen?

Lehmann: Ein Pfandbrief, den die Hypothekenbanken herausgeben, bringt 2 bis 2,5 Prozent – und ist dabei zu 100 Prozent sicher! Das liegt immerhin über dem, was die Inflation auffrisst. Leider werden diese Pfandbriefe nicht besonders gut beworben und sind deshalb kaum bekannt.

Unternehmensanleihen sind hochattraktiv, aber teilweise auch riskant

Gibt es Alternativen mit besseren Renditechancen?

Lehmann: Ja, zum Beispiel Unternehmensanleihen. Die sind derzeit hochattraktiv. In der ersten Liga tummeln sich die Spitzenunternehmen. Die stehen bombig da und werden derzeit von Investoren regelrecht überrannt. Durch die große Nachfrage sinkt natürlich wieder der Zins. Trotzdem rentieren auch die Anleihen von Top-Unternehmen immer noch deutlich über der zehnjährigen Bundesanleihe, die bis zu 1,8 Prozent bringt. Wer mehr Rendite will, muss dann stärker ins Risiko gehen. In der zweiten Liga spielen die Mittelstandsanleihen, auch da gibt es Top-Unternehmen. Trotzdem muss man schwer aufpassen. In der Vergangenheit sind immer wieder mittelständische Unternehmen hierzulande pleite gegangen – dann ist auch das Geld futsch. Je höher der Zins, desto höher das Risiko – das gilt auch hier. Das Versprechen: „Geringes Risiko, hoher Ertrag“ ist dagegen noch nie aufgegangen!

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"Wer Aktien hatte, ist wunderbar gefahren"

Worauf sollte man dabei achten?

Lehmann: Solidität steht ganz klar im Vordergrund. Nur ein Beispiel: Eine Firma wie Underberg wird vermutlich auch in 100 Jahren noch existieren. Auf der anderen Seite gibt es schillernde Neulinge, die ihre Anleihen mit Postwurfsendungen bewerben und über sechs Prozent Rendite versprechen – da ist Vorsicht geboten. Bei solchen Angeboten haben sich in der Vergangenheit schon einige Anleger eine blutige Nase geholt.

Im Zinsbereich kommt man mit 100 Prozent sicheren Anlagen also nicht auf die geforderten drei bis vier Prozent. Was sind die Alternativen?

Lehmann: Aktien. Wer sich in den vergangenen Jahren auf die Weltuntergangsszenarien und Crash-Prophezeiungen verlassen hat, ist jetzt eines Besseren belehrt worden. Wer Aktien hatte, ist wunderbar gefahren. Nur schaut der Deutsche leider zu wenig auf Aktien, weil er mit der T-Aktie schlechte Erfahrungen gemacht hat …

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Es hilft nichts: Wer Rendite will, muss ins Risiko gehen

Die ist nach einem Boom abgestürzt – warum sollte das jetzt anders sein?

Lehmann: Die deutschen Spitzenunternehmen sind so gut aufgestellt wie nie – und das wird in diesem Jahr auch anhalten. Die Unternehmen schütten teils ordentliche Dividenden aus. Die muss der Anleger im Blick haben, die Dividende ist der Zins der Aktie. Wenn die stimmt, dann sind mögliche Kursgewinne noch der Schnaps oben drauf. Es hilft also nichts: Wer die drei bis vier Prozent erreichen will, der muss jetzt ins Risiko gehen. Das Risiko ist aber überschaubar – eine Firma wie BMW wird nicht morgen pleite gehen.

Aber ist es nicht jetzt zu spät, um noch in Aktien zu investieren?

Lehmann: Nein, nicht wenn man langfristig denkt. Der DAX könnte recht schnell die 10.000 Punkte erreichen. Natürlich wird es in diesem Jahr auch Rückschläge geben, weil der DAX so schnell gestiegen ist. Die Schwankungen muss man leider in Kauf nehmen. Aber für den Anleger ist nicht der Kurs entscheidend, sondern die Frage, ob das Unternehmen eine gute Dividende zahlt. Wenn es das tut, muss man nicht dauernd auf den Kurs blicken.

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Kurse nicht unterschätzen - "The sky is the limit"

Sollte man sich bei Aktien auch auf die Erste Liga konzentrieren?

Lehmann: Absolut. Es gibt Freaks, die in die Nebenwerte gehen – das ist für einen gestandenen konservativen Anleger nichts. Klar gibt es auch im DAX die Negativ-Beispiele wie ThyssenKrupp und K+S. Das ist das Restrisiko. Besonders populär sind im Moment die Indexfonds auf den DAX. Damit spart man erheblich Gebühren und hat eine Original-Abbildung des DAX im Depot.

Sie glauben, die Kurse sind noch nicht ausgereizt?

Lehmann: An der Börse gilt die Formel: „The sky is the limit.“ Der Himmel ist also die Grenze. Wer hätte es je für möglich gehalten, dass die VW-Aktie auf beinahe 200 Euro klettern könnte. Ich hätte seinerzeit erwartet, dass bei 80 Euro Schluss sein muss. Jetzt steht VW dank einer glänzenden Managementleistung super da und hat die Kassen voll – und der Kurs geht durch die Decke.

Lehmann: Man sollte acht bis zehn Prozent Gold haben

Der DAX hat also noch Potenzial?

Lehmann: Im Gegensatz zu früheren Bullenmärkten ist der DAX gesund. Vor 2000 und 2007 ist der DAX in jeweils vier Jahren um das Vierfache gewachsen, bevor es nach unten ging. Seit März 2009 hat der DAX bis jetzt nur 2,6-fach zugelegt. Die früheren Kursanstiege waren also nicht nur stärker, sondern auch ungesünder, weil eben die Unternehmen weniger gesund waren.

Was ist mit der Krisenwährung Gold?

Lehmann: Gold ist derzeit im Gerede, die Kurse gehen runter. Trotzdem bleibe ich dabei, dass man acht bis zehn Prozent Gold haben sollte. Echtes Gold: kleine Barren, Münzen, was zum Anfassen. Bloß nicht in irgendwelche Papiere investieren. Gold ist nicht zum Spekulieren da, sondern als reine Rücklage für Krisenzeiten.

Interview: Marc Kniepkamp 

Die zehn Festgeldkonten mit den höchsten Zinsen

Hier bekommen Anleger für ihr Tagesgeld die meisten Zinsen. Anlagesumme: 50 000 Euro, fest für 3 Jahre

Institut Zins p.a. Kontakt Einlagensicherung
akf bank 2,15 akf.de 100.000 Euro
DenizBank 2,15 denizbank.de 100.000 Euro
NIBC Direct 2,15 nibcdirect.de 100.000 Euro
VTB Direktbank 2,10 vtbdirekt.de 100.000 Euro
CreditPlus Bank 2,01 creditplus.de 45,763 Mio.
Corealdirect 2,00 corealdirect.de 239,160 Mio.
pbbdirekt 2,00 pbbdirekt.de 914,361 Mio.
Ziraat Bank 2,00 ziraatbank.de 44,190 Mio.
Renault Bank direkt 2,00 renault-bank-direkt.de 100.000 Euro

*Angebot gilt ab 17. Januar

Stand: 10.01.2014

Quelle: FMH-Finanzberatung (www.fmh.de)

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