Unsicherheit auf den Finanzmärkten

Krise in Griechenland: Das müssen Sie bei der Geldanlage jetzt wissen

München - Die Krise in Griechenland verunsichert viele deutsche Sparer. Sie fragen sich, wie sie ihr Geld jetzt anlegen sollen und ob die Unsicherheit auf den Finanzmärkten auch Folgen für ihre eigene Geldanlage hat. In der tz erklären Experten, was sie beachten müssen.

Der wichtigste Tipp der Experten: Bewahren Sie einen kühlen Kopf! Denn im Moment weiß niemand, wo die Reise hingeht. „Für unsere Bank ist es derzeit völlig unklar, wie sich die Lage mit Griechenland weiterentwickelt“, sagt etwa Heiko Geiger, der Zertifikate-Experte der Vontobel-Bank, zur tz. Karin Baur, Finanzexpertin der Stiftung Warentest rät deshalb: „Wenn man nicht weiß, wie es weitergeht, sollte man nicht panisch reagieren. Wer seine Geldanlage langfristig ausgerichtet und breit gestreut hat, sollte so weitermachen.“ 

Krise in Griechenland: Tagesgeld

Seine Attraktivität hat das Tagesgeld längst eingebüßt. Vor der Finanzkrise lagen die Zinsen für das immer verfügbare Geld teilweise bei bis zu sechs Prozent – heute können Sparer froh sein, wenn sie immerhin 1,05 Prozent für ihr Erspartes bekommen. Die niedrigen Zinsen sind eine direkte Folge der Politik des billigen Geldes der Europäischen Zentralbank–und zumindest für Europa schaut es mittelfristig nicht nach steigenden Zinsen aus. 

Trotz dieser eher wenig ermunternden Zahlen bleibt das Tagesgeld ein wichtiger Baustein bei der Geldanlage – gerade auch in der Krise. „Wer aufgrund der Situation in Griechenland verunsichert ist und nicht so genau weiß, wie er sein Vermögen jetzt anlegen soll, kann sein Geld erstmal auf einem Tagesgeldkonto parken“, erklärt Warentest-Expertin Baur. Der Vorteil liegt auf der Hand: „Der Sparer kommt jederzeit an sein Geld und kann es dann anderweitig investieren, wenn er sich selber sicher ist und klar ist, wohin die Reise mit dem Euro geht.“ 

Ohnehin bildet ein ordentlich gefülltes Tagesgeldkonto die Grundlage jeder seriösen Geldanlage – als Rücklage für unerwartetete Anschaffungen, wenn etwa die Waschmaschine streikt oder das Auto in die Werkstatt muss. Mindestens 5000 Euro sollten als finanzielles Ruhekissen auf dem Tagesgeldkonto liegen oder – etwas individueller – zwei bis drei Monatsnettogehälter. Trotz niedriger Zinsen lohnt sich der Vergleich der Anbieter, sonst verschenkt man wertvolle Zins-Euros. MK

Risiko bei der Geldanlage

Bei all der Unsicherheit auf den Märkten könnte man auch auf die Idee kommen, etwas mehr Risiko einzugehen. Heiko Geiger, Zertifikate-Spezialist von der Bank Vontobel, analysiert für die tz den Finanzmarkt: „Die klassischen Anlagen der Deutschen – wie Sparbuch, Tagesgeld, Termingeld, Staatsanleihen – werfen im Moment kaum Zinsen ab. Aber für absolut konservative Anleger, die null bereit sind, Verluste hinzunehmen, haben sie noch eine Daseinsberechtigung. Wir hingegen finden einen Blick auf Zertifikate sehr interessant.“ 

Die Angst der Anleger vor den Zertifikaten sei teilweise berechtigt, teilweise nicht. „Berechtigt insoweit, als dass man das Emittentenrisiko unterschätzt hat. Dass also wirklich mal ein Totalverlust geschehen kann, haben die wenigsten auf dem Schirm gehabt. Aber die Banken und die Finanzaufsicht haben in den letzten Jahren viel getan, um dem vorzubeugen. Doch davor gefeit ist man nie“, warnt Geiger. Der Vorteil an Zertifikaten ist, dass man aufgrund eines asymetrischen Auszahlungsprofils eine gewisse Renditemöglichkeit hat und gleichzeitig einen Puffer nach unten hat, um bis zu einer gewissen Barriere Kursverluste vertragen zu können, ohne gleich schlaflose Nächte zu bekommen. Für risikofreudige Anleger gebe es eine Vielzahl von Zertifikaten – grundsätzlich unterteilt in Anlagezertifikate und Hebelprodukte. „Hebelprodukte beinhalten ein größeres Totalverlustrisiko, weshalb sie sich für vorsichtigere Anleger nicht eignen.“ Als einfaches Produkt, das von jedermann zu durchschauen ist, empfiehlt Geiger ein Discount-Zertifikat. Und ein Indexzertifikat, das oft billiger ist als jeglicher Fonds. MPB

Geldanlage während der Krise in Griechenland: Aktien

Der Dax hat das Nein der Griechen deutlich besser verkraftet als befürchtet. Am Montag nach dem Referendum gab der Leitindex um 1,52 Prozent auf 10 890,63 Punkte nach. Am Dienstag im Vorfeld des Griechen-Gipfels sinkt er zwar noch einmal ab – auf 10.796,16 Punkte. Auf dem Parkett der Frankfurter hieß es dazu aber nur: „Alles wieder halb so wild.“ 

„Die Suche nach dem perfekten Zeitpunkt zum Einstieg in den Aktienmarkt kann eigentlich nur schief gehen“, erklärt Warentest-Expertin Baur im tz-Gespräch. Deshalb rät Baur: „Wenn man die Investition in Aktien als langfristige Geldanlage sieht, dann kann man auch jederzeit einsteigen.“ Als Beispiel nimmt sie die Situation vor der letzten Finanzkrise. „Wer im Juli 2007, also vor Ausbruch der Finanzkrise und den ersten Kurseinbrüchen, eingestiegen wäre und je 50 Prozent in Aktienfonds und 50 Prozent in Rentenfonds investiert hätte, der hätte trotz des ungünstigen Einstiegszeitpunkts sieben Jahre später in den meisten Fällen ein Plus von rund fünf Prozent erzielt –und zwar pro Jahr.“ Die größte Gefahr für den Aktienmarkt ist derzeit ohnehin nicht das Griechen-Drama, sondern die wirtschaftliche Situation in China und mögliche steigende Zinsen in den USA. MK.

Krise in Griechenland: Gold

Sobald eine Krise am Horizont auftaucht, ist Gold plötzlich wieder in aller Munde. Das Edelmetall gilt als sicherer Hafen, als echte Krisenwährung. Das Stichwort Währung ist dabei genau richtig, findet Finanzexperte Dirk Müller: „Gold ist nichts anderes als eine Währung. Bei unserer Papier-Währung handelt es sich um wertloses Papier, das nur deshalb einen Wert hat, weil wir das Vertrauen haben, dass uns jemand auch morgen noch für diesen Papierschein eine Dienstleistung erbringt.“ Ähnlich verhält es sich mit dem Gold, nur dass die Vergangenheit gezeigt hat, dass das Edelmetall die ein oder andere Papierwährung bereits überdauert hat. 

„Der Goldpreis schwankt sehr stark und ist dazu noch vom Dollarkurs abhängig“, warnt Baur von der Stiftung Warentest. Wer dennoch in die Krisenwährung investieren will, sollte ihrer Ansicht nach maximal zehn Prozent des Vermögens in Gold stecken. Wichtig: Nur physisches Gold kaufen, was zum Anfassen, keine Papiere oder Zertifikate. Ein Vorteil von Gold gegenüber allen anderen Anlageformen: Es ist sicher vor dem Zugriff des Staates, denn der holt sich in der Krise das Geld einfacher über die Entwertung der Papierwährung oder steigende Steuern auf Immobilien. MK.

Anleihen beim der Geldanlage

„Wir empfehlen Fonds mit Staatsanleihen aus dem Euroraum oder auch Unternehmensanleihen, die auf Euro lauten.“ Für all diese Investitionen gilt: „Hier geht es um eine langfristige Geldanlage, auf keinen Fall aber zum kurzfristigen Parken des Geldes“, erklärt Baur. „Kurzfristig können die Kurse von Anleihen und damit auch die Kurse von Rentenfonds fallen. Das passiert etwa, wenn am Markt die Zinsen steigen. Allerdings werden die Kursverluste bei einer langfristigen Anlage mit der Zeit durch die höheren Zinserträge wieder ausgeglichen“,so Baur weiter. 

Tatsächlich ist gerade der Anleihenmarkt immer wieder heftigen Schwankungen unterworfen. Bundesanleihen gelten dabei weiterhin als sicherer Hafen – doch auch sie sind vom Auf und Ab nicht verschont. Mitte April 2014 hatte die zehnjährige Bundesanleihe mit rund 0,05 Prozent ein neues Rekordtief markiert, danach stieg sie kurzzeitig auf über ein Prozent und pendelte sich zuletzt bei etwa 0,75 Prozent ein. Bei den Werten anderer Eurostaaten, wie etwa Spanien oder Griechenland, sind die Turbulenzen noch deutlich gravierender. Gift für die Anleihen ist die Unsicherheit – und die ist durch die Griechen-Krise in großem Maß vorhanden. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor: Die mögliche Erhöhung des US-Leitzinses durch die amerikanische Notenbank im Herbst dieses Jahres. Daher braucht man für Anleihen gute Nerven und einen langen Anlagehorizont. MK

Rubriklistenbild: © dpa

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