Grill-Hersteller machen heiße Geschäfte

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Für die Hersteller von Grillgeräten ist die Wirtschaftskrise ein Fremdwort. Einen zusätzlichen Schub erhoffen sie sich von der Fußball-WM.

Koblenz - Es dampft und brutzelt in Deutschland. Das Geschäft mit dem Grill scheint krisensicher, denn an einem Gerät für die Fleischzubereitung unter freiem Himmel wird nach Angaben der Hersteller immer seltener gespart.

Nicht mal das schlechte Wetter zum Sommerbeginn könne dem Boom auf dem Grillgerätemarkt etwas anhaben.

“Das Geschäft läuft sehr gut, bis zum Juni haben wir schon 30 Prozent mehr Absatz verzeichnet“, sagt etwa Weber-Stephen- Geschäftsführer Hans-Jürgen Herr im rheinland-pfälzischen Ingelheim am Rhein. Diesen Eindruck beim deutschen Ableger des US- Branchenriesen bestätigen auch Zahlen vom Verband der Grillindustrie.

Der Barbecue Industry Association Grillverband (BIAG) mit Sitz im hessischen Hanau erwartet nach Branchen-Erlösen von rund 500 Millionen Euro im Vorjahr bei der “Hardware“ erneut ein Umsatzplus zwischen 10 und 20 Prozent und rund 3,5 Millionen verkaufte Geräte.

Zubehör wie Anzündmittel und Kohle liefen hingegen wetterbedingt nicht ganz so gut, sagt Verbandschef Hans Jo Appold. “Unterm Strich sind aber alle zufrieden. Die Deutschen grillen offensichtlich mehr. Das ist in den letzten fünf Jahren wirklich ein Boom-Markt geworden.“

Insbesondere von der Fußball-WM verspricht sich die ganze Branche noch einmal einen Schub. Es sei unstrittig, dass der Handel von großen Sport-Ereignissen profitiere, sagt eine Sprecherin der REWE- Group (REWE, toom, Penny) mit Blick auf den Fleischabsatz.

Die Top 10-Autogrills zwischen Brenner und Venedig

Der erste Autogrill auf dem Weg nach Venedig ist der Sirio-Grill Trens Ovest. Die Angestellten sprechen fast ausnahmslos Italienisch, der Cappuccino schmeckt wie in Rom, und der Tresen wirkt wie ein Stammtisch heimkehrender Brummifahrer. Trens Ovest ist der meistbesuchte Ort Südtirols, über 500.000 Menschen halten hier jedes Jahr. © Amici dell’ Espresso / Arch. Angelo Bianchetti
Paganella Ovest ist die erste Raststätte auf rein italienischsprachigem Terrain. Umgeben von einer Picknick-Wiese wirkt der Fini-Grill edel und mondän. Als Frühstückshalt ist er zu empfehlen, denn die Brioches sind grandios. Geheimtipp: Ist an der Kasse im Eingangsbereich eine lange Warteschlange, den „Scontrino“ für den Verzehr an der Bar einfach an der zweiten Kasse im Ausgangsbereich kaufen, dort ist meist deutlich weniger los. © dpa
Die Raststätte Nogaredo Ovest ist ein von der Betreiberfirma Hermes umgestalteter ehemaliger Grill der Alemagna-Kette. Dies erkennt man an der typischen Riegelform und den verbliebenen Metallmarkisen. Hier stören weder Touristenmassen noch „Konsumschleifen“. Der Espresso ist mit 90 Cent billig und zählt zu den besten. Fazit: ein unscheinbares Kleinod für Kaffee-Liebhaber. © Amici dell’ Espresso / Arch. Angelo Bianchetti
Die Brückenraststätte Scaligera Sud ist ein echtes Erlebnis! Sehenswert an diesem italienischen „Konsumtempel“ ist nicht nur das überbordende Angebot an Speisen und Getränken und die immense Auswahl an Souvenirartikeln. Zum prägenden Ereignis wird ein Besuch durch die Menschenmassen und den beeindruckenden Lärmpegel. Interessanterweise sind es vor allem Italiener, die an diesem Ort offenbar ihre Freizeit verbringen. © Amici dell’ Espresso
Der kleine Sirio-Grill Montecchio ist ein krasser Gegenentwurf zu den „Mega-Grills“. Die neue Raststätte ist nur auf wenigen Karten verzeichnet und daher leicht zu übersehen. Sie liegt nur drei Kilometer hinter Scaligera Sud. Hinter dem kleinen Kiosk (der Espresso kostet 85 Cent) gibt es zahlreiche Sitzmöglichkeiten und einen gepflegten Spielplatz – Agriturismo statt Autogrillwahnsinn! © dpa
Der Autogrill Limenella Sud ist ein Klassiker. Die Brückenraststätte stammt aus den 60er Jahren und erinnert mit seiner Bauform und den siebeneckigen Fenstern an eine Raumstation. Dieser über die gesamte Fahrbahn gespannte Bautypus war früher in Italien besonders beliebt. Die Raststätte etwas in die Jahre gekommene Raststätte gestattet den Reisenden einen ehrfürchtigen Blick zurück in das goldene Zeitalter der Autogrills. © Amici dell’ Espresso / Arch. Angelo Bianchetti
Der vielleicht bodenständigste Grill ist sicherlich keine hygienische Offenbarung. Wer sich aber nach dem Italien der 80er Jahre sehnt, ist genau richtig. Der Alemagna-Grill ist äußerlich schon etwas heruntergekommen und innen super-italienisch. Man trifft kaum Touristen, bestellt Arbeiter-Kaffee, drängelt an die Theke, isst trockene Brioches, meidet die Steh-Toilette und summt trotzdem melancholisch Gianna Nanninis „Bello, bello e impossibile...“. © Amici dell’ Espresso
Paganella Est ist der einzige echte „Autogrill“, also die letzte noch vom gleichnamigen Konzern betriebene Raststätte, auf der gesamten Route Brenner-Verona. Bereits aus diesem Grund ist sie daher für Nostalg iker einen Halt wert. Dieser letzte Mohikaner ist eine äußerst betriebsame Raststätte mit hohem Touristen- und Cappuccino-Durchlauf. Dass „Willkommen“ an der Tür steht, lässt einen langsam wehmütig werden… © Amici dell’ Espresso / Arch. Angelo Bianchetti
Der Sirio-Grill Isarco Est liegt in den norditalienischen Bergen, idyllisch vor einer Berghütte am Rande eines Abhangs. Der Gast darf eine fast dörflich anmutende Aussicht auf das mittlerweile recht enge Etsch-Tal genießen. Der Barraum im Inneren ist behaglich gestaltet, die Kaffee-Qualität gewährleistet. Insgesamt eine empfehlenswerte Raststätte für Individualisten, die den großen Touristenansturm zu vermeiden suchen. © Amici dell’ Espresso / Arch. Angelo Bianchetti
Dieser „Almhütten“-Grill, die vorletzte Anlage auf italienischem Boden, ist eine groteske Ausnahmeerscheinung und unbedingt besuchenswert: Im Innenraum meint man, den Musikanten-Stadel betreten zu haben. Bei genauem Hinsehen entdeckt man eine italienische Bar mit professionellen Baristi. Das Zirbelstuben-Ambiente wird verstärkt durch diverse Südtiroler Souvenir-Spezialitäten. Fazit: Unglaubliche Mischung aus alpenländischer Jodelarchitektur und italienischer Barkultur. © Amici dell’ Espresso / Arch. Angelo Bianchetti

Das bestätigt Weber-Stephen-Chef Herr für die Grillgeräte: “Wir haben gelernt, dass die Leute einen Grill zu bestimmten Anlässen wie Geburtstagen oder Partys kaufen.“ Daher trage auch die WM zum diesjährigen Absatzplus bei. 2009 habe die Wirtschaftskrise sogar positive Effekte gehabt.

“Die Krise war nur von Vorteil“, sagt auch Peter Schneider, Geschäftsführer des Edelstahlgeräte-Herstellers Thüros aus dem thüringischen Georgenthal. Viele Menschen hätten auf einen Besuch im Restaurant verzichtet und stattdessen lieber zu Hause gegrillt. Zu dieser Entwicklung haben laut Schneider auch viele TV- Sendungen zum Thema Grillen beigetragen. “Wir erreichen 2010 locker eine zehnprozentige Absatzsteigerung“, sagt er.

Und noch etwas lässt Schneider optimistisch in die Zukunft blicken: der Trend zum “Zweitgrill“. Dabei gehe es meist um den Wunsch nach unterschiedlichen Größen oder Betriebsarten mit Holzkohle, Strom oder Gas. “In den USA besitzen viele sogar schon einen “Drittgrill““, sagt Schneider.

Herr hat zudem Veränderungen bei den Grillgewohnheiten beobachtet: “Es hat sich in diesem Jahr extrem gezeigt, dass das vielfältigere und gesündere Grillen nun Standard ist.“ So werde das Grillgut immer öfter nicht mehr direkt über der Flamme gegart. Zudem werde neben Steak und Würstchen auch mehr Gemüse oder Fisch gegrillt. Er ergänzt: “Die Leute wollen draußen kochen und richtige Menüs zubereiten.“ Funktionen wie Temperaturanzeigen am Grill würden immer wichtiger.

“Der Trend zum Gourmet-Griller setzt sich fort“, heißt es auch beim BIAG. Daher seien hochwertige Geräte immer stärker gefragt. Der Kaufpreis liege im Schnitt zwischen 100 und 120 Euro. Mit den wachsenden Möglichkeiten steigen aber auch die Anforderungen an den Grillmeister. Seit fünf Jahren schult Weber-Stephen seine Händler in der fachgerechten Grillbedienung.

Von Tobias Goerke

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