Guter Bube, böser Bube: Gribkowsky und die Bayern LB

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Gerhard Gribkowsky (r.) mit seinem Anwalt Dirk Petri steht vor Gericht.

München - Als Gerhard Gribkowsky zur Bayern LB kam, loderte Feuer aus dem Dach der Landesbank. Zahlreiche Firmenkredite waren nicht mehr sicher. Was Gribkowsky veränderte:

“Eine Bank wie die Bayern LB kann keine Formel 1 betreiben.“ Werner Schmidt sagt es gleich mehrfach bei seiner Anhörung vor der Wirtschaftsstrafkammer des Münchner Landgerichts. Der ehemalige Vorstandschef der Landesbank wollte die Anteile an der Formel 1, die ihr durch die Pleite des Kirch-Konzerns zugefallen waren, so schnell wie möglich los bekommen. Kein Wunder: 2002 brannte es bei der Bank an allen Ecken und Enden. Speziell als Feuerlöscher stellte das Institut deshalb Gerhard Gribkowsky als Risikovorstand ein.

Folgt man Schmidt und wenig später dann dem inzwischen ebenfalls aus der Bayern LB ausgeschiedenen Vorstand Stefan Ropers bei der Anhörung vor Gericht, hat Gribkowsky die Bank aus einer Notlage befreit. Mit Darlehen in Höhe von insgesamt knapp zwei Milliarden Euro war die Bank Haupt-Kreditgeber des 2002 gescheiterten Medien-Unternehmers Leo Kirch. Rund die Hälfte entfiel auf die Formel-1-Anteile, die Kirch als Sicherheit für einen Kredit hinterlegt hatte. Die Bankenaufsicht hatte bereits mangelnde Risikovorsorge moniert.

Doch damit nicht genug. Neben Kirch hatte die Bayern LB 2002 noch zahlreiche andere Krisenfälle im Kreditportfolio: den Flugzeugbauer Fairchild Dornier etwa, die Schmidt-Bank, den Baukonzern Holzmann oder den US-Energiekonzern Enron. Zudem belastete Argentinien als Länderrisiko damals die Bilanz.

Angesichts dieser misslichen Lage, die 2001 bereits zu einem Verlust in Höhe von 267 Millionen Euro geführt hatte, verordnete Schmidt der Bank einen Sparkurs und suchte nach einem Risikovorstand, der die Probleme mit strauchelnden Firmenkunden lösen sollte. Auf Empfehlung des damaligen bayerischen Wirtschaftsministers Otto Wiesheu (CSU) fiel die Wahl auf Gribkowsky, damals Banker bei der Deutschen Bank.

Der Verkauf der Formel-1-Anteile drängte besonders. Angesichts der Querelen zwischen Formel-1-Chef Bernie Ecclestone und den Autoherstellern sowie deren Drohung, einen eigenen, konkurrierenden Rennzirkus aufzubauen, musste die Bayern LB eine Wertminderung, wenn nicht sogar den Totalverlust ihrer Anteile an der Formel 1 befürchten.

Als Gribkowsky dann das Angebot über 840 Millionen Dollar der Beteiligungsgesellschaft CVC präsentierte, war dies nach Schmidts Einschätzung “schon eine Angelegenheit, die erfreulich war“. Zumal außer CVC keine weiteren Interessenten mit lukrativen Angeboten auftauchten. “Unsere Erwartung hat sich erst mal an dem orientiert, was wir in den Büchern hatten“, sagt Ropers. Und das seien nach zwei Wertberichtigungen im Jahr 2004 nicht mehr als rund 360 Millionen Dollar gewesen.

Dass Ecclestone eine saftige Provision von rund 40 Millionen Dollar für sein Wohlwollen bei den Verkaufsverhandlungen wollte, schien der Bayern LB da als das kleinere Übel. “Wenn Herr Ecclestone die fünf Prozent nicht bekommen hätte, hätte der Deal nicht stattgefunden. Das war allen klar“, sagte Ropers. Wohl aber wehrte man sich gegen das Ansinnen Gribkowskys: Der wollte zusätzlich zu seinem Jahresgehalt von mehr als 500 000 Euro weitere 8 Millionen Euro für seine Arbeit an der Formel 1 kassieren. “Realitätsfern“, so Ropers.

Für die Staatsanwaltschaft sieht es nun so aus, als habe Ecclestone die Provision nur eingestrichen, um sie an Gribkowsky weiter zu reichen. Er soll 44 Millionen Euro von dem Formel-1-Boss erhalten haben. Die BayernLB betrachtet das ähnlich und fühlt sich nun hintergangen. Wird Gribkowsky schuldig gesprochen, will sie in einem weiteren Verfahren auf Schadenersatz klagen.

dpa

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