Entscheidung zum Kartell naht

Haben Biertrinker lange zu viel bezahlt?

Bonn - Bei vielen Brauern dürfte der Fall für Katerstimmung sorgen: Das Bundeskartellamt steht kurz vor seiner abschließenden Entscheidung über das bislang größte Bierkartell in Deutschland.

Beteiligt an den illegalen Preisabsprachen, die von der Behörde mit Hilfe von Kronzeugen aufgedeckt wurden, war ein Dutzend Unternehmen mit einem Anteil von 50 Prozent am deutschen Biermarkt.

Mit Spannung erwartet die Branche in dieser Woche den Beschluss des obersten deutschen Wettbewerbshüters Andreas Mundt über weitere Geldbußen gegen regionale Bierbrauer, zwei Brauereikonzerne und einen Brauereiverband. Neben ähnlich gelagerten Fällen in der Zement- und Zuckerindustrie könnte das Preiskartell für die Beteiligten mit einer der höchsten jemals verhängten Geldstrafen in der Geschichte des Bundeskartellamtes enden.

Denn bei Preisabsprachen, durch die diesmal vor allem Biertrinker geschädigt wurden, kennt Mundt kein Pardon. Mitte Januar hatte er bereits in einer ersten Runde Geldbußen in Höhe von 106 Millionen Euro wegen solcher Mauscheleien gegen die Crème de la Crème der deutschen Privatbrauereien verhängt: Bitburger, Krombacher, Veltins, Warsteiner und Barre.

Das war ein Warnschuss an all jene, die möglicherweise meinen, auf dem schrumpfenden deutschen Biermarkt mit einem Zusatzgeschäft ihre Margen unter Ausschaltung des Wettbewerbs aufbessern zu können. Mundt ist jedenfalls fest davon überzeugt, dass die Strafe ihre Wirkung zeigen wird: „Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sich Brauereien nach diesem Verfahren noch einmal in Absprachen wagen werden“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

Der Kartellwächter wird dies vermutlich mit einer weiteren hohen Geldbuße gegen Brauereien untermauern, deren Fälle im Januar noch nicht abgeschlossen waren. Namen nennt das Kartellamt zwar nicht. Aber es ist inzwischen kein Geheimnis mehr, dass der dänische Bierbrauer Carlsberg (Holsten) und vor allem die zum Oetker-Konzern gehörende Radeberger Gruppe (Jever, Berliner Pilsener, Ur-Krostitzer) im Fokus der Ermittler stehen.

Mit einem Umsatz von 1,8 Milliarden Euro und einem Ausstoß von 13 Millionen Hektolitern im vergangenen Jahr ist die Radeberger Gruppe mit 5500 Beschäftigten und einem Marktanteil von 15 Prozent der Branchenprimus auf dem deutschen Biermarkt. Mit einigem Abstand folgt der belgisch-brasilianische Braukonzern AB InBev (Beck's, Diebels, Hasseröder), der hierzulande auf 10,5 Millionen Hektoliter kommt.

In einem knallharten Wettbewerb kämpfen die Brauereien um jeden Biertrinker. Seit Jahren geht der Absatz zurück, und die Margen sind niedrig. Da sind „kreative“ Ideen gefordert. So wirft das Kartellamt den Unternehmen vor, für Fassbier zwischen 2006 und 2008 Aufschläge von jeweils fünf bis sieben Euro je Hektoliter verabredet zu haben. Darüber hinaus hätten sie 2008 eine Preiserhöhung für einen 20-Flaschen-Kasten von einem Euro untereinander abgesprochen.

Ausgelöst wurden die Untersuchungen durch AB InBev, der als Kronzeuge auftrat und ohne Geldbuße blieb. Andere Firmen profitierten von einer Bonusregelung, weil sie mit dem Kartellamt kooperierten.

Branchenexperten gehen fest davon aus, dass erneut ein dreistelliger Millionenbetrag fällig wird. Mundt selbst hatte gesagt, dass die Summe noch einmal „ganz erheblich steigen“ werde. Vor wenigen Wochen hatte die Behörde beim Zuckerkartell bereits eine gewaltige Strafe verhängt: 280 Millionen Euro. Nach dem Zement-Fall vor rund 10 Jahren war das die zweithöchste Geldbuße, die vom Kartellamt verhängt wurde.

dpa

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Rubriklistenbild: © dpa

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