Stimmung besser als gut

Handwerk: Freude über Minizinsen und den milden Winter

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Von wegen Winterruhe: Die Baubranche konnte durchbauen

München - Wenn Verbände über die Entwicklung der Konjunktur reden, geht es selten romantisch-schwärmisch zu. Anders bei der Handwerkskammer im Frühjahr 2014.

„Im Handwerk machen sich Frühlingsgefühle breit“, frohlockt Kammer-Präsident Heinrich Traublinger. Die tz erklärt, warum der Boden des Handwerks goldener ist denn je:

Baubranche boomt: Dem Bauhauptgewerbe geht es so gut wie schon lange nicht mehr! Das hat gleich mehrere Gründe. Die Minizinsen führen weiterhin dazu, dass die Menschen ihr Geld nicht zur Bank bringen, sondern sich lieber den Traum von den eigenen vier Wänden zu verwirklichen. „Der private Wohnungsbau sichert momentan quasi alleine den Aufschwung auf dem Bau ab“, freut sich Traublinger. Und der Boom geht weiter: „Im vergangenen Jahr wurden in Oberbayern 23 800 Baugenehmigungen erteilt, über fünf Prozent mehr als 2012“, so Traublinger. Ein weiterer Grund für die nochmals verbesserte Baukonjunktur: Der Winter, der keiner war. „Die Branche hat die vielen frostfreien Tage dazu genutzt, ihr dickes Auftragspolster abzubauen“, erklärt Traublinger. Im Vergleich zum strengen und langen Winter im Vorjahr fällt der Unterschied nur noch größer aus – von einer Winterruhe war das bayerische Bauhauptgewerbe mit einer Auslastung der Betriebe von 79 Prozent weit entfernt. In der Baubranche war jeder fünfte Betrieb voll ausgelastet!

Dickes Auftragspolster: Wer selber gerade baut weiß: Die Auftragsbücher der Handwerker sind gut gefüllt. Die Betriebe haben für durchschnittlich 7,1 Wochen Aufträge in Reserve – trotz des milden Winters. Vor Jahresfrist lag das Polster noch bei 7,5 Wochen.

Schöne Aussichten: 90 Prozent der oberbayerischen Handwerksbetriebe erwarten in den kommenden Monaten eine gute oder befriedigende Geschäftslage. Besonders optimistisch ist die Baubranche mit 95 Prozent. Ebenfalls frohen Mutes: Das Lebensmittelhandwerk. 92 Prozent der Betriebe sehen die Zukunft positiv – trotz mächtiger Handelskonkurrenz. „Der Trend geht hier zu qualitativ hochwertigen Produkten aus der Region“, analysiert Traublinger.

Sorgenkinder holen auf: Das Kfz-Gewerbe war in der letzten Zeit immer das Schlusslicht bei den Konjunkturumfragen. „Nun ist hier aber echte Aufbruchstimmung zu spüren“, so Traublinger. Der Neuwagenhandel hat mit vielen Rabattaktionen dazu beigetragen. Aber auch die Werkstätten sind besser ausgelastet – wohl auch eine Spätfolge der Abwrackprämie. Die Neuwagen von damals kommen jetzt in ein wartungsanfälligeres Alter.

Ärger über die Politik: „Eigentlich kann uns nur noch die Politik einen Strich durch die Rechnung machen“, warnt Traublinger. Dabei gibt sie sich reichlich Mühe. Traublinger ärgert sich über die Debatte zur Abschaffung des Handwerkerbonus, schließlich habe der zu weniger Schwarzarbeit geführt. An den Rentenplänen der Regierung lässt Traublinger kein gutes Haar. Zur Mütterrente: „Wir sind nicht gegen die Mütterrente, aber sie hätte aus Steuern und nicht aus den Sozialabgaben finanziert werden müssen.“ Die Rente mit 63 hält er dagegen für völlig kontraproduktiv: „Wir werben um jeden älteren Mitarbeiter um den Fachkräftemangel abzumildern. Da ist die Rente mit 63 völlig kontraproduktiv.“

Spanier sollen helfen: Der Fachkräftemangel treibt die Branche um. „Nicht mal 60 Prozent der Betreibe konnten Ende 2013 alle offenen Stellen besetzen“, weiß Traublinger. Deshalb die Münchner Handwerkskammer jetzt ein Abkommen mit der Handelskammer von Cordoba unterzeichnet. Geimeinsam wollen die Kammern jungen spanischen Fachkräften den Zugang zu einer Beschäftigung in einem oberbayerischen Handwerksunternehmen erleichtern. Die Kammern bieten ein „Rundumsorglos-Paket“ an – von der Auswahl in Spanien über Hilfe bei der Anreise und berufsbegleitende Sprachkurse in Bayern. „Wir müssen innerhalb der EU genauso mobil sein wie innerhalb Deutschlands“, fordert Traublinger.

Mk.

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