Laut Medienbericht

Siemens- Betriebsrat verzichtet auf Verlängerung

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Lothar Adler wollte bis zur Hauptversammlung im Februar 2015 Siemens-Mitarbeiter bleiben - und sich dann auch aus dem Aufsichtsrat verabschieden, für den er bis 2017 gewählt sei.

München - Siemens-Betriebsratschef Adler wollte einige Monate länger arbeiten. Doch das Ansinnen verursachte einen Riesenwirbel um die Höhe seines Gehalts. Nun gibt Adler auf.

Als Siemens-Gesamtbetriebsratschef hat Lothar Adler viele harte Verhandlungen über Stellenstreichungen und Konzernumbau mit seinem Arbeitgeber hinter sich. In der Diskussion um seinen eigenen Job aber wirft er nun das Handtuch und gibt die geplante Vertragsverlängerung über seinen 65. Geburtstag hinaus auf.

Es ist eine bittere Entscheidung nach dem wochenlangen Wirbel um die Höhe seines Gehalts und nach 43 Arbeitsjahren bei Deutschlands größtem Elektrokonzern. Mit dem Thema wird sich der Arbeitnehmervertreter aber ohnehin weiter auseinandersetzen müssen, denn die internen Untersuchungen bei Siemens zur Causa Adler laufen noch - Ende und Ausgang offen.

Der Gesamtbetriebsratschef selbst sagt bisher nichts zu den Beweggründen für seinen Rückzug. Aus seinem Umfeld ist aber zu hören, dass ihn die vergangenen Wochen viel Kraft gekostet haben. „Sowas zehrt schon an den Nerven, er hat ja auch Familie“, sagt einer, der Adler kennt.

Dass er sich ausgerechnet zum Ende seines langen Berufslebens Kritik an seinem Gehalt einhandelt, dürfte Adler im Oktober kalt erwischt haben. Medienberichten zufolge soll er nach seiner Wahl vom Vize zum Gesamtbetriebsratschef eine kräftige Gehaltserhöhung bekommen haben und inklusive erfolgsabhängiger Bestandteile ein Gehalt von bis zu 300 000 Euro erhalten, davon rund 200 000 Euro als fixe Bezüge. Der gelernte Fernsehtechniker Adler hatte sich dazu nie äußern wollen, aber gegenüber der dpa betont, er habe nie eine bestimmte Summe gefordert.

Jetzt, wo er sich zum Rückzug entschlossen hat, bekommt Adler dafür nun auch etwas Rückendeckung von Siemens-Chef Joe Kaeser. Er wünschte sich, dass es mehr Menschen vom Schlage Adlers gäbe, lobte Kaeser den Arbeitnehmervertreter am Donnerstag bei der Siemens-Betriebsrätekonferenz in Berlin. „Für Lothar Adler gilt: Ein Mann, ein Wort - auch wenn die Kugeln von vorne kommen und der Wind sich einmal dreht. Und wenn Leute über Gehälter reden, nun, er hat sich sein Gehalt ja schließlich nicht selbst genehmigt.“ Die Entlastung wird sich Adler vielleicht einen Tick deutlicher gewünscht haben, aber immerhin.

Dem Siemens-Chef wiederum dürfte Adlers Entscheidung entgegenkommen. Seit seinem Amtsantritt Anfang August dieses Jahres sorgten interne Querelen wie die Gehaltsaffäre um den Gesamtbetriebsratschef und der überraschende Abgang von Personalchefin Brigitte Ederer immer wieder für Schlagzeilen und torpedierten so Kaesers Ziel, Ruhe ins Unternehmen zu bringen. Die hätte Siemens nach den heftigen Turbulenzen um den Chefwechsel im Sommer und einem schwierigen Geschäftsjahr mit zwei Gewinnwarnungen in Folge eigentlich bitter nötig. Zumal der nächste Konzernumbau schon seine Schatten vorauswirft. Über den wird Kaeser dann mit Adlers Nachfolger verhandeln müssen. Als aussichtsreichste Kandidatin dafür gilt Adlers Stellvertreterin Birgit Steinborn.

dpa

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