Heftige Ohrfeige: Treuhänder kritisieren Opel-Entscheidung

Berlin - Ausgerechnet zwei Vertreter Deutschlands haben im Beirat der Opel-Treuhandgesellschaft einen Verkauf des Autobauers an Magna nicht mitgetragen.

Der bei Conti als Sanierer bekanntgewordene Manager Manfred Wennemer stimmte dagegen, der Insolvenzexperte Dirk Pfeil als Vertreter der Länder mit Opel-Standorten enthielt sich. In seiner Begründung ließ es Wennemer an Deutlichkeit und scharfer Kritik nicht fehlen. Er bezweifelte, dass sich Opel am Ende am Markt durchsetzen und wettbewerbsfähig sein werde. Mit 1,5 Millionen Autos produziere das neue Opel-Unternehmen im Jahr 2012/13 “viel zu wenig, um effizient zu sein“. Opel verkaufe 90 Prozent seiner Produkte am europäischen Markt.“Ich habe nach den letzten Entwicklungen in Russland meine großen Zweifel, ob die Blütenträume (...) wirklich aufgehen werden“, sagte Wennemer.

Mit Blick auf die Kosten sagte er, Opel werde 2012/13 schwächer dastehen als der Wettbewerb. Der Opel Insignia sei ein schönes Auto: Er kenne aber keinen Test, den der Insignia gewonnen hätte. Auch trage Magna gerade einmal 10 Prozent Eigenkapital bei. Inzwischen sei damit aber offensichtlich ein Unternehmen wie Opel zu kaufen. Würde das aktuell geltende Insolvenzrecht angewandt, dann hätte der Vorstand von Opel im Jahr 2010/11 nur eine Möglichkeit: zum Insolvenzrichter gehen, sagte er. Auch sei GM sei nicht bereit, auf Lizenzzahlungen zu verzichten. “Das gesamte Risiko liegt auf den Schultern der Steuerzahler.“

Pfeil - nach eigenen Angaben im Hauptberuf Insolvenzverwalter - sagte, es sei sicher ein Erfolg der Politik, dass Magna inzwischen 450 Millionen Euro beisteuern wolle. Das Konzept des zweiten Bieters RHJ International sei “europafreundlicher“ gewesen, sagte Pfeil. Zwar wären dann mehr Stellen in Deutschland weggefallen, aber weniger in Europa. Er habe sich am Ende aber nur enthalten, um die Diskussion nicht weiter zu verlängern. Zwei Stimmen hätten gereicht für die Mehrheit im Beirat der Opel-Treuhand-Gesellschaft.

dpa

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