1600 Jobs in Gefahr

Die wichtigsten Antworten zum Hypo-Schock

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Das Foto zeigt eine HypoVereinsbank-Filiale von außen.

München - Laut eines Medienberichts soll jede zweite Filiale der Hypo Vereinsbank dicht gemacht werden! Die tz beantwortet die wichtigsten Fragen zum geplanten Kahlschlag.

1998, als die Hypobank mit der Bayerischen Vereinsbank fusionierte, hatte die Hypovereinsbank noch 1261 Filialen. Heute sind es nur noch 584. Bundesweit wurden in den letzten beiden Jahren bereits rund 50 Geschäftsstellen geschlossen. Jetzt plant die zur italienischen Unicredit-Gruppe gehörende Bank, dieses Filialnetz weiter auszudünnen. Laut Welt am Sonntag soll jede zweite HVB-Filiale dicht gemacht werden! Die tz beantwortet die wichtigsten Fragen zum geplanten Kahlschlag.

HVB-Filial-Netz in München könnte stark ausgedünnt werden

Wieviele HVB-Mitarbeiter werden ihren Job verlieren?

1600 der derzeit rund 19.000 Arbeitsplätze in Deutschland sollen laut WamS abgebaut werden. HVB-Sprecherin Marion Nagl wollte diese Zahl gegenüber der tz nicht bestätigen – über das Ausmaß des Filial- und Stellenabbaus werde erst im März Genaueres bekannt gegeben. Zum Vergleich: 2005, im Jahr der HVB-Übernahme durch die Unicredit, hatte die Bank noch 28.000 Mitarbeiter in Deutschland.

Was bedeuten die Pläne für das dichte HVB-Filialnetz in München?

In München könnte jede zweite Filiale der HypoVereinsbank (HVB) von der Schließung betroffen sein.

Nach der Sparkasse hat die HVB mit rund 100 Filialen das dichteste Filialnetz in der Landeshauptstadt. HVB-Vorstandschef Theodor Weimer erklärte nun aber: „Wir haben zum Beispiel viel zu viele Filialen in der Stadt.“ Das heißt: München könnte von den Filialschließungen überproportional betroffen sein. Entschieden werde aber auch darüber erst im März, so die HVB-Sprecherin.

Die Geschäfte der HVB laufen eigentlich bestens

Und was bedeutet das für die Münchner HVB-Beschäftigten?

Nichts Gutes … Da die Bank zunehmend aufs Internet-Geschäft umsteigen will, sind vor allem junge, computerbegeisterte Mitarbeiter gefragt – und die müssen nicht am Hochpreisstandort München sitzen, sondern könnten auch im billigeren Ostdeutschland arbeiten. Weimer sagte auf die entsprechende Frage der WamS: „Danke für diesen Ratschlag. In Leipzig ist unsere Mannschaft in der Tat überdurschnittlich jung, überdurchschnittlich weiblich und überdurchschnittlich gut. Nach Indien müssen wir dafür nicht gehen.“

Geht es der HVB so schlecht, dass Stellen abgebaut werden müssen?

Im Gegenteil: Eigentlich laufen die Geschäfte der HVB blendend! Die Hypovereinsbank verdiente in den ersten neun Monaten 2013 rund 1,6 Milliarden Euro vor Steuern – mehr als Commerzbank und Deutsche Bank zusammen. Mit einer Eigenkapitalquote von rund 20 Prozent ist die HVB die am höchsten kapitalisierte Bank in Deutschland.

HVB-Kunden nutzen für Bankgeschäfte überwiegend das Internet

Warum dann der Stellen- und Fialialabbau?

Zum einen, weil das Privatkundengeschäft im Vergleich zum Firmenkundengeschäft relativ schwach ist. Zum anderen, weil sich das Kundenverhalten dramatisch verändert hat. Dazu HVB-Vorstandschef Weimer: „Die Kunden kommen immer weniger in die Filialen. Sie nutzen für ihre Bankgeschäfte lieber das Internet, Tablets und Smartphones. Im Jahr 2000 liefen 70 Prozent der Kundenkontakte über Filialen. 2010 waren es noch 30 Prozent. 2015 werden es nur noch fünf Prozent sein.“ 52 Prozent der HVB-Kunden nutzen Online-Banking – Tendenz stark steigend: „2010 waren es nur zwei Prozent, die Mobile, Smartphones oder Tablets benutzt haben. Innerhalb von vier Jahren hat sich das auf 15 Prozent erhöht.“

Wieviel kostet der Umbau des Privatkundengeschäfts?

Die HVB will dafür über 300 Millionen Euro in die Hand nehmen. Ein Teil der Summe wird in modernere Technik für das „Multi-Kanalgeschäft“ investiert werden, ein Teil wird aber auch in Abfindungen fließen. Zwar kostet die Trennung von einem Bankmitarbeiter laut Weimer im Schnitt etwa 150.000 Euro. Die Hochrechnung, dass der Abbau von 1600 Mitarbeiter demnach 240 Millionen Euro an Abfindungen kosten werde, sei aber so nicht legitim, stellte HVB-Sprecherin Nagl klar.

Klaus Rimpel

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