Gute Stimmung in der deutschen Wirtschaft

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Hans-Werner Sinn, Präsident des ifo-Instituts.

München - Die Stimmung der deutschen Wirtschaft hat sich trotz Euro-Schuldenkrise leicht gebessert. Dies zeigt zumindest der seit vier Monaten erstmals wieder gestiegene ifo-Index.

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist trotz der Euro-Schuldenkrise offenbar besser als von vielen Experten angenommen. Der Ifo-Geschäftsklimaindex, der wichtigste Gradmesser für die deutsche Konjunktur, stieg im November überraschend von 106,4 Punkten im Oktober auf 106,6 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut am Donnerstag mitteilte. Es war der erste Anstieg seit vier Monaten. Beobachter hatten mit einem Rückgang auf 105,1 Punkte gerechnet.

“Die deutsche Wirtschaft schlägt sich vor dem Hintergrund der internationalen Verwerfungen weiterhin vergleichsweise gut“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Der leichte Anstieg resultiere aus geringfügig weniger skeptischen Geschäftserwartungen der Unternehmen. Die aktuelle Geschäftslage der Firmen sei unverändert positiv.

Lage für Geschäfte ist günstig

Im Verarbeitenden Gewerbe, dem wichtigsten der vier betrachteten Wirtschaftsbereiche, ist der Geschäftsklimaindex den Angaben zufolge leicht gesunken. Die Zufriedenheit der Industrie mit ihrer aktuellen Geschäftslage habe zwar erneut abgenommen. Die Geschäftslage sei aber weiter günstig. Etwas skeptischer seien die Firmen allerdings bezüglich der weiteren Geschäftsentwicklung.

“Man stellt sich auf eine Abkühlung ein, die aus dem Ausland kommt“, erläuterte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger die Zahlen. “Die Lage im Inland ist aber nach wie vor gut“, betonte er. Dies zeige das gestiegene Geschäftsklima im Bauhauptgewerbe. Auch die bessere aktuelle Lage im Einzelhandel dokumentiere das, auch wenn die Geschäftserwartungen hier von Zurückhaltung geprägt seien.

Für den deutschen Arbeitsmarkt droht dem Ifo-Institut zufolge keine Gefahr. “Die Beschäftigungssituation bleibt weiterhin gut. Das zeigen auch die heutigen neuen Pläne der Firmen hinsichtlich der Beschäftigung“, sagte Ifo-Konjunkturexperte Gernot Nerb dem Nachrichtensender n-tv. Daher werde der Konsum auch im kommenden Jahr die Konjunktur stützen.

Volkswirte sehen guten Entwicklung skeptisch

Die Commerzbank bewertet die Zahlen mit Vorsicht. Im richtungsweisenden Kern der deutschen Wirtschaft, dem Verarbeitenden Gewerbe, habe sich das Geschäftsklima erneut verschlechtert, erläuterte Chefvolkswirt Jörg Krämer. “Die Staatsschuldenkrise legt sich wie Mehltau auf die Konjunktur“, sagte er. Im Winterhalbjahr dürfte selbst die sehr wettbewerbsfähige deutsche Wirtschaft etwas schrumpfen.

Ähnlich ist die Einschätzung bei der VP-Bank. “Die positiven Werte können aber nicht davon ablenken, dass Deutschland zunehmend in das Fahrwasser der europäischen Peripherie gerät“, sagte Chefökonom Jörg Zeuner. Die Auftragseingänge hätten bereits deutlich nachgelassen. Der Wachstumsmotor der Eurozone könne sich der Konjunkturabschwächung nicht entziehen, zu groß seien die wirtschaftlichen Verflechtungen.

Das Ifo-Institut befragt monatlich etwa 7.000 Firmen, wie sie ihre aktuelle Lage und die Erwartungen für die nächsten sechs Monate bewerten.

dpa

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