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Immobilienfonds kündigen: Geht das?

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Bürgeranwalt Dietmar Gaiser mit tz-Leserin Christa Schmidt

München - Eine tz-Leserin möchte ihren geschlossenen Immobilienfonds vor Ende der Laufzeit kündigen. Geht das? Diese Frage beantwortet tz-Bürgeranwalt Dietmar Gaiser.

Solche Fragen zu klären ist auch Aufgabe der Bank oder des Finanzberaters, die solche Produkte im Angebot haben. Um bei den Finanzberatern den schwarzen Schafen das Handwerk zu legen, sind in jüngster Zeit die Regeln für diese Berufsgruppe verschärft worden.

Jemand, der als Finanzberater oder Finanzanlagevermittler arbeitet, muss sich bei der zuständigen IHK registrieren lassen. Damit aber nicht genug. Er muss auch einen Sachkundenachweis erbringen. Die wichtigste Neuerung ist aber, dass ein Finanzberater eine Berufshaftpflichtversicherung abschließen muss. Das war früher nicht der Fall. Damals konnte ein Kunde zwar seine Ansprüche gegen einen Berater vor Gericht durchsetzen, aber das nützte wenig, wenn der Berater kein Geld und keine Versicherung hatte.

Es hat sich also einiges verbessert. Aber ein Manko bleibt bestehen: Die meisten Finanzberater leben von den Provisionen für die vermittelten Produkte. Bei geschlossenen Immobilienfonds sind das immerhin zwischen acht und zwölf Prozent der Vertragssumme. Was liegt also näher, als Produkte zu empfehlen, die satte Provisionen abwerfen?

Dabei gäbe es einen ganz einfachen Weg, das zu verhindern: Finanzberater könnten mit ihren Kunden Honorarverträge abschließen, die nur die Beratung beinhalten. Dann fiele der Anreiz, Produkte zu empfehlen, die hohe Provisionen abwerfen, weg. Das käme die Kunden zuerst einmal teurer. Auf Dauer aber würden sie profitieren.

Ihr Dietmar Gaiser

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Ich habe mir einen geschlossenen Immobilienfonds gekauft. Nun erfahre ich aber, dass diese nicht ohne Risiko sind. Da ich 68 Jahre alt bin, überlege ich, ob ich den Fonds kündige. Er läuft aber über zehn Jahre. Kann ich ihn vorher loswerden? Bekannte raten mir davon ab, da die Verluste zu groß sein können. Was soll ich tun?

Christa Schmidt (68), Rentnerin aus München

Geschlossene Immobilienfonds sind tatsächlich eine nicht ganz ungefährliche Geldanlage. Dafür werfen sie oft gute Renditen ab. Diese Art von Fonds ist also hochspekulativ und Verbraucherschützer raten dringend davon ab, das Geld für die Altersvorsorge in solchen Fonds anzu- legen.

Spezialistin für diese Fragen ist die Finanzjuristin Sibylle Miller-Trach von der Verbraucherzentrale Bayern. Ihr erster Tipp: „Lesen Sie den Emissions-Prospekt genau. In ihm steht, in welchen Immobilien der Fonds sein Geld anlegt.“ Der Käufer erwirbt nämlich Anteile dieses Fonds und wird damit zum Gesellschafter.

Als Gesellschafter ist es wichtig, den Gesellschaftervertrag genau zu lesen. In ihm stehen auch die Kündigungsfristen. „Meist laufen die Verträge über einen Zeitraum zwischen zehn und 20 Jahren. Vorher ist es nur möglich auszusteigen, wenn es Sondervereinbarungen gibt“, weiß die Finanzjuristin.

Nun gibt es aber auch die Möglichkeit, die Fondsanteile auf dem sogenannten Zweitmarkt zu verkaufen. Miller-Trach nennt www.zweitmarkt.de als seriöses Internetangebot.

Allerdings muss dort bei Verkäufen von geschlossenen Immobilienfonds mit großen Verlusten gerechnet werden. „Oft sind nicht mehr als 40 Prozent des bezahlten Wertes zu erzielen“, so Sibylle Miller-Trach.

Es gibt sogar geschlossene Fonds, die darauf angelegt sind, dass im Falle eines Verlustes die Anleger Geld nachschießen oder auch bereits kassierte Ausschüttungen wieder zurückzahlen müssen. Auch darauf sollte man beim Kauf eines solchen Papiers unbedingt achten.

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