Forderung

Infineon-Chef: Hochtechnologie-Standort Bayern fördern

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Reinhard Ploss

München – Der Vorstandsvorsitzende des Halbleiterherstellers Infineon, Reinhard Ploss, hat den Wunsch geäußert, stärker vom Freistaat Bayern bei der Weiterentwicklung von Hochtechnologie unterstützt zu werden.

„Wir haben keinen Anlass Bayern zu verlassen“, sagte er dem Münchner Merkur. „Natürlich hätten wir aber den Wunsch, dass Bayern mehr für seine industrielle Hochtechnologie tut.“ Er sei „großer Fan von Forschungsförderung, um Ideen aus den Startlöchern zu helfen“.

Ploss schloss sich der Mahnung von Kanzlerin Angela Merkel an, die deutsche Industrie könne den Anschluss verpassen. „Infineon lebt in einem Umfeld der konstanten Bedrohung“, sagte Ploss. Sein Unternehmen habe früher Speicher- und Kommunikationschips hergestellt und sich dann „komplett neu erfinden“ müssen. „Durch diese Erfahrung haben wir zumindest bei der Wahrnehmung, wie stark der Wettbewerb ist, einen Vorteil“, so Ploss. „Wir wissen, dass wir unsere Stärke jeden Tag erneuern müssen.“ Vielen anderen Unternehmen fehle diese Erfahrung. „Konzepte, die lange sehr erfolgreich sind, bergen eine Gefahr: Unternehmen erkennen die schleichende Veränderung nicht rechtzeitig und stellen zu spät fest, dass ihr Erfolgskonzept keines mehr ist“, sagte Ploss. „Wenn etwas lange gut funktioniert, wachen Sie nicht jeden Tag in Panik auf.“ Auf die Frage, ob er selbst jeden Morgen in Panik aufwache, sagte der Infineon-Chef: „Ich bin höchstens fünf Sekunden lang beunruhigt, dann lassen wir uns etwas einfallen. In der Halbleiterbranche gilt: Wer meint, durchatmen zu können, hat schon verloren.“

Ploss kündigte an, auch Unternehmen in anderen Bereichen Konkurrenz machen zu wollen. „Der gefährliche Wettbewerb kommt nicht von hinten, den erkennt man im Rückspiegel“, sagte Ploss. „Die Konkurrenz kommt aus der Seitenstraße. Wir wollen neue Konkurrenten nicht nur früh erkennen, sondern auch selbst aus der Seitenstraßen kommen und Andere überraschen.“

Zu den großen Trends der nächsten Jahre zählt Ploss die Entlastung des Fahrers beim Autofahren. „Die individuelle Mobilität wird meiner Meinung nach erhalten bleiben. Der große Trend wird sein, den Fahrer immer stärker zu entlasten und damit auch einen stetigeren Verkehrsfluss zu erzeugen“, sagte Ploss. „Fahren ganz ohne Eingreifen eines Fahrers wird es wohl erst 2030 oder 2040 geben.“

Beim Thema Datensicherheit habe er vor 15 Jahren bei der Gründung von Infineon schnellere Fortschritte erwartet. „Das Problem ist aber, dass die Menschen Daten und die Bedrohung durch deren Diebstahl kaum wahrnehmen. Der Mensch hat kein Gefühl dafür“, sagte Ploss. „Für die Menschen muss das funktionieren wie Instant-Kaffee: reinkippen, umrühren, fertig. An diesem Punkt sind wir bei der IT-Sicherheit noch nicht.“

Infineon werde in 15 Jahren anders aussehen als heute, prophezeit Ploss. Er sei aber sicher: „Wir werden immer noch in Bayern sein. Und wir werden weiter erfolgreich sein, weil der Wille zur Veränderung, der Wille zum Erfolg da ist.“

Philipp Vetter

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