Insolvenz & Sanierung

Frühe Beratung öffnet Spielräume

Hendrik Wolfer aus dem Münchner Büro der Insolvenzanwälte Grub Brugger.

Während die Top-Insolvenzverwalter der Kanzlei Grub Brugger häufig im Scheinwerferlicht stehen, beraten die Insolvenzanwälte aller vier Grub Brugger-Standorte oft im Hintergrund – aber nicht weniger erfolgreich.

„Als Berater ist es immer unser Ziel, Unternehmen noch außerhalb der Insolvenz zu sanieren“, sagt Insolvenzrechts-Anwalt Michael Vilgertshofer aus dem Münchner Büro der Insolvenzanwälte Grub Brugger. „Wir versuchen gewissermaßen, unseren Kollegen ihre Arbeit als Insolvenzverwalter wegzunehmen“, fügt er halb im Scherz, halb im Ernst hinzu. Doch stelle sich in vielen Fällen heraus, dass sich eine Insolvenz nicht mehr vermeiden lässt, oder dass sie sogar das passendere Sanierungsinstrument ist.

„Wenn wir dann noch alles gut vorbereiten konnten, dann wirkt die Insolvenz manchmal wie eine Befreiung für den Unternehmer“, meint Vilgertshofer. Nach vielen Jahren Berufserfahrung überrascht es ihn und seinen Kollegen Hendrik Wolfer noch immer, wie erleichtert viele Unternehmer sind, wenn der Insolvenzantrag gestellt ist. „Der Unternehmer sieht, dass in der Krisensituation der Insolvenzverwalter und sein Team zusätzliche Expertise in seine Firma und damit dem Unternehmen neuen Schwung nach vorne bringt.“ In dem Moment, den er als den schwärzesten seiner Laufbahn lange Zeit gefürchtet hat, sieht der Unternehmer plötzlich und unerwartet Licht am Horizont.

„Es ist unsere Aufgabe, mit allen Beteiligten ausführlich zu reden – auch und gerade mit dem Unternehmer“, beschreibt Insolvenzrechtsexperte Wolfer. Oftmals gehe eine Krise des Unternehmens einher mit einer persönlichen Krise des Unternehmers, der in der Regel durch Nachschüsse und Bürgschaften sein privates Kapital investiert hat und damit auch persönlich „drinsteckt“. „Wir begleiten nicht nur das Unternehmen, sondern auch den Unternehmer durch die Krise“, ist ein Credo von Grub Brugger.

Diese Begleitung beginnt oft in guten Zeiten. „Im Idealfall ziehen unsere Mandanten – meist inhabergeführte Mittelständler – uns bereits hinzu, wenn es ihrem Unternehmen gut geht, manchmal schon im Moment einer Übernahme“, sagt Vilgertshofer. Zugespitzt formuliert er: „Wir beginnen unsere Beratung am besten schon bei der Unternehmensgründung, denn dann hat man die meisten Gestaltungsoptionen.“ So können in wirtschaftlich starken Zeiten insolvenzfeste Strukturen geschaffen und Vermögensmassen bereitgestellt werden, die in einer Krise dann zur Verfügung stehen. „Wer am 25. zu uns kommt, weil er am Monatsersten die Gehälter seiner Angestellten nicht mehr bezahlen kann, dem kann meist niemand mehr helfen, eine Insolvenz zu vermeiden.“ Noch schlimmer, ergänzt Wolfer: „Dann gibt es oft auch im Verfahren nichts mehr für den Unternehmer zu retten.“ Die Anwälte können dann nur noch bei der Einleitung eines Insolvenzverfahrens wichtige Weichen stellen.

Ist die Insolvenz unvermeidlich, kommen andere Grub Brugger-Kollegen ins Spiel, die vorrangig als Insolvenzverwalter tätig sind und so bekannte Unternehmen wie Schiesser und Bauknecht durch ihre Insolvenzverfahren begleiteten. Die aktuelle Rangliste „Best Lawyers Germany“ des Handelsblatts zeichnet zum Beispiel die beiden Partner Dr. Volker Grub und Dr. Wolfgang Bilgery aus.

Während Insolvenzverwalter auch im Fokus der Öffentlichkeit stehen, werden die beratenden Mandate abseits des Rampenlichts erledigt. Es geht gerade darum, dass die Fälle nicht bekannt werden. „Natürlich steht kein Unternehmen in der Krise gerne in der Zeitung, vor allem kann aber eine negative öffentliche Meinung durchaus weitreichende Folgen haben“, erklärt Vilgertshofer. Beispielsweise verlagern verunsicherte Kunden Aufträge. „In der Krise muss mit allen Beteiligten vernünftig kommuniziert werden“, ergänzt Wolfer.

Auch wenn die Insolvenzsituation gemeistert ist, begleiten Vilgertshofer und Wolfer das Unternehmen häufig weiter. Gerne erinnern sie sich beispielsweise an ein Unternehmen, das sie bei einer außerinsolvenzlichen Sanierung betreuten. Die Banken hatten auf einen Teil ihrer Kreditforderungen verzichtet, das Unternehmen hat hart saniert – und nur fünf Jahre später geht es dem Unternehmen heute derart gut, dass es alle seine Kredite voll zurückzahlen kann. „Da lese ich jedes Reporting gerne, denn unsere Beratung hat sich für alle Beteiligten gelohnt: Die Banken haben viel mehr Geld zurückerhalten, als im Rahmen einer Insolvenz; die Unternehmerin führt eine glänzend dastehende Firma und die Arbeitnehmer haben nicht nur ihre Jobs behalten, es wurden auch neue geschaffen“, erzählt Vilgertshofer.

Anja Kühner

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