Beratung

Letzte Ausfahrt vor dem Scheitern

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Insolvenz ist nicht das Ende, sondern ein Anfang. Das ist ein Ergebnis des Wirtschaftsforums „Insolvenz und Sanierung“, zu dem sich auf Einladung von Münchner Merkur tz bereits zum zweiten Mal Vertreter von Kanzleien zusammengefunden hatten.

Vor allem persönlich haftende Mittelständler scheuen oft den Weg in die Insolvenz. Dabei kann gerade sie das Unternehmen retten.

Es gilt, den letzten Wendepunkt nicht zu verpassen. Insolvenz ist nicht das Ende, sondern ein Anfang“, zitiert Dr. Christine Berg-Grünenwald (fbj Kanzlei) ein Branchenmotto. Sie verweist auf die menschliche Seite: Mittelständische Unternehmerpersönlichkeiten verlieren in der Insolvenz oft den Boden unter den Füßen, wenn sie ihr Lebenswerk zusammenbrechen sehen. „Wir müssen hier auf der menschlichen Ebene Auswege schildern und Vertrauen aufbauen.“

Ein Problem sei die persönliche Haftung – hier könne man die Privatinsolvenz auch als Chance aufzeigen. In der Verhandlung mit Gläubigern könne man andererseits die Konsequenzen der Privatinsolvenz – zum Beispiel mögliche Restschuldbefreiungen – als Argument dafür nutzen, nach anderen Lösungen zu suchen. „Es geht immer auch um Menschen und Schicksale“, betont auch Oliver Schartl (Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen). Mittelständische Gesellschafter scheuen den Insolvenzantrag nach seiner Beobachtung oft wegen der damit verbundenen Konsequenzen. „Sie sollten die Angst davor verlieren, sich rechtzeitig mit dem Thema auseinanderzusetzen. Das würde ihnen größeren Handlungsspielraum eröffnen“, rät er.

Auch Steuerberater, die meist noch am ehesten die Entwicklung erkennen, würden selten auf die Gefahren hinweisen, beobachtet Dr. Paul Fink (Fink Rinckens Heerma). „Sie haben Angst, dabei ihren Mandanten zu verlieren.“ Besser sei es, wenn auch sie frühzeitig Insolvenzberater hinzuziehen würden. „Es sind durchaus Konstellationen möglich, in denen beide gut zusammenarbeiten.“ Dr. Maximilian Pluta (Pluta Rechtsanwalts GmbH) bestätigt die Beobachtung. „Dabei könnten wir dem Steuerberater als Sparringspartner zur Seite stehen.“ In der Praxis habe der Steuerberater häufig Angst, der Bote der schlechten Nachricht zu sein. „Hier können wir unterstützen, einige Dinge anstoßen und uns dann auch wieder zurückziehen, wenn weitere Hilfe nicht gewünscht ist.“ Plutas Partner-Kollege Stephan Ammann verweist auf erfolgreiche Fälle, in denen Steuerberater Sanierungsexperten zu Hilfe gezogen haben. „Meist werden sie nur dann auch von den Gesellschaftern akzeptiert.“ Doch viele Unternehmer würden schlicht den Gang zur „Intensivstation“ scheuen, auf Wunder hoffen und von der Bank, die die Kredite nicht abschreiben will, weiter gestützt werden.

„Wenn Berater den Gesellschaftern oder Geschäftsführern die Wahrheit sagen, kommen diese oft nicht wieder“, stellt Axel W. Bierbach (Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen) fest. Lieber suchten sie Berater, die unangenehme Konsequenzen leugneten. Außer diesen Beratern habe davon aber keiner etwas. „Den Unternehmen und Unternehmern kann dann leider in der Insolvenz in der Regel nicht mehr geholfen werden“, stellt Bierbach fest. Wann ist der Punkt gekommen, an dem es ernst wird? Christoph Elzer (Ernst & Young) nennt ein klares Kriterium: „Spätestens, wenn der Eigentümer Privatvermögen zur Stützung des Unternehmens einsetzen will, ist der Punkt erreicht, an dem er sich Beratungshilfe suchen sollte.“ Dieser Punkt sei ansonsten oft „der Anfang vom Ende“.

„In vielen Fällen können wir Wege zeigen, wie man eine Insolvenz vermeiden kann“, ist auch Fink überzeugt. „Eine Beratung führt nicht zwingend in ein Verfahren.“ Wer ist der richtige Berater? Vor dieser Frage stehen Betroffene oft. „Sie gehen dann häufig zu jemandem aus dem persönlichen Umfeld, dem sie vertrauen, der aber fachunkundig ist“, beobachtet Oliver Schartl. Dabei gebe es bessere Suchmethoden – als ersten Schritt zum Beispiel die gezielte Internet-Recherche nach einem geeigneten Sanierungsexperten oder Fachanwalt für Insolvenzrecht.

Jürgen Grosche

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