Insolvenz-Beratung

Unternehmensverkauf als Instrument in der Krise

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Im Vorfeld der Insolvenz kann es schon ausreichen, einen unprofitablen Teilbereich abzustoßen, um das Kernunternehmen zu retten.

Immer mehr Transaktionen dienen zur Sanierung eines Unternehmens. Diese Unternehmensverkäufe nennt man „Distressed M&A“. Zwei Berater erläutern, was dahinter steckt.

M&A: Das steht für Mergers & Acquisitions und bezeichnet Unternehmensfusionen und -käufe, und davon hat die Welt im vergangenen Jahr eine beachtliche Zahl gesehen – in zum Teil erheblichen Größenordnungen, etwa die Übernahmen von Time Warner durch Comcast (68,5 Milliarden US-Dollar) und WhatsApp durch Facebook (16 Milliarden US-Dollar). Diese und andere M&A-Deals haben das Jahr 2014 an die Spitze einer Sieben-Jahres-Kurve katapultiert.

Instrument „Distressed M&A“

Doch nicht bei allen Transaktionen wird ein gesundes und ertragsstarkes Unternehmen von einem noch ein bisschen gesünderen und ertragsstärkeren Konkurrenten übernommen. Es gibt auch das Instrument „Distressed M&A“, also Deals aus einer Krisensituation heraus. Dabei agiert – im Falle der Insolvenz – der Insolvenzverwalter als Verkäufer und bietet das Unternehmen am Markt an (vor allem um die Gläubiger aus den Verkaufserlösen zu befriedigen), oder aber ein Sanierungsberater empfiehlt in der vorinsolvenzlichen Phase einen solchen Schritt zur Restrukturierung. Dass dies immer häufiger passiert, berichtet Dr. Heiko Tschauner, Partner der internationalen Wirtschaftskanzlei Hogan Lovells in München und Experte für Restrukturierung und M&A.

„Es sind viele strategische Investoren im Markt unterwegs, die gezielt Krisenunternehmen oder Teile davon kaufen. Das gibt diesen die Chance, von vorne anzufangen. Deshalb ist ‚Distressed M&A‘ ein beliebtes Instrument für Insolvenzverwalter und Berater. Im Vorfeld der Insolvenz kann es schon ausreichen, einen unprofitablen Teilbereich abzustoßen, um das Kernunternehmen zu retten“, sagt Tschauner, der sowohl Investoren beim Kauf berät als auch auf Seiten von Verwaltern und Beratern steht, um Transaktionen zu begleiten. Gerade das Schutzschirmverfahren nach dem ESUG habe zu einer Steigerung bei „Distressed M&A“ in Verbindung mit Insolvenzplänen geführt. „Investoren werden so zu Sanierern, denen zahlreiche insolvenzrechtliche Instrumente wie ein Insolvenzsonderkündigungsrecht bei Verträgen oder auch vereinfachte Möglichkeiten zur Restrukturierung auf Arbeitnehmerseite zur Verfügung stehen“, erläutert der Rechtsanwalt, der häufig auch als Fachautor zu diesen Themen in Erscheinung tritt.

Weichen frühzeitig stellen

Von der kaufmännischen Seite aus begleitet Dr. Thomas Sittel solche „Distressed M&A“-Prozesse. Der Rechtsanwalt ist Partner bei Goetzpartners, einem Beratungsunternehmen für Strategie, M&A und Transformation, und berät im Bereich Mergers & Acquisitions. „‚Distressed M&A‘ ist zum festen Instrumentarium geworden. Krisenverkäufe werden in Sanierungsprozessen und Insolvenzverfahren immer wieder diskutiert, aber häufig leider viel zu spät. Für einen echten Werterhalt, der dem Unternehmen langfristig weiterhilft, müssen die Weichen frühzeitig gestellt werden.“ Dr. Thomas Sittel und seine Kollegen haben festgestellt, dass solche Verkaufsprozesse vor der Insolvenz oft über den Berater beziehungsweise die Gläubiger, vor allem Banken, angestoßen werden.

Breites Netzwerk an Investoren

„Der Unternehmer muss das aber wollen, er entscheidet über den Verkauf. Wir sind dann im Gespräch mit allen Parteien, die beteiligt sind und verstehen uns vor allem auch als Koordinatoren.“ Als Corporate-Finance-Beratung verfüge Goetzpartners über ein breites Netzwerk an potenziellen Investoren und könne gut einschätzen, für wen eine solche Akquisition Sinn ergeben könne. „Wir vermarkten das Unternehmen bei etwaigen Interessierten. Das ist unser Kerngeschäft, und damit unterstützen wir auch immer die Sanierungsbestreben“, sagt Dr.Thomas Sittel.

Von Patrick Peters

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