Gesellschafterstreit bei Traditionsverlag

Insolvenzverfahren für Suhrkamp eröffnet

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Bei Suhrkamp tobt seit geraumer Zeit ein Streit zwischen der Minderheitsgesellschafterin Medienholding-AG Winterthur und der Siegfried-und-Ulla-Unseld-Familienstiftung als Mehrheitsgesellschafterin.

Berlin - Der jahrelange Gesellschafterstreit beim traditionsreichen Suhrkamp-Verlag hat mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens eine neue Wendung genommen.

Im Zuge des vom Amtsgericht Berlin-Charlottenburg eröffneten Verfahrens in Eigenregie soll der Verlag laut Insolvenzplan nun in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden, wie Suhrkamp am Mittwoch in Berlin mitteilte. "Diese Umwandlung sichert die Existenz sowie die Handlungs- und Planungsfähigkeit des Verlags", erklärte der Traditionsverlag.

Bei Suhrkamp tobt seit geraumer Zeit ein Streit zwischen der Minderheitsgesellschafterin Medienholding-AG Winterthur und der Siegfried-und-Ulla-Unseld-Familienstiftung als Mehrheitsgesellschafterin. Vorsitzende der Unseld-Familienstiftung ist Ulla Unseld-Berkéwicz, die Medienholding wird von Hans Barlach geführt. Auseinandersetzungen der Gesellschafter waren zuletzt wiederholt vor Gericht gelandet, darunter Forderungen nach Gewinnausschüttungen, mit denen die Verlagsbilanz nachhaltig belastet würde.

Ende Mai hatte der Verlag ein sogenanntes Schutzschirm-Verfahren beantragt. Dabei handelt es sich um eine Art Vorinsolvenzverfahren, in dessen Verlauf die Sanierungsfähigkeit des betroffenen Unternehmens geprüft wird. Laut Suhrkamp versuchte die Medienholding vergeblich, das Schutzschirm-Verfahren, die Eigenverwaltung und das am Dienstag eröffnete Insolvenzverfahren zu verhindern.

Bestehende Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben

Wie die "Welt" (Donnerstagsausgabe) berichtete, wird die zuständige Richterin des Amtsgerichts Berlin-Charlottenburg jetzt innerhalb von zwei Wochen den Insolvenzplan prüfen. Werde er angenommen, erhielten ihn die Beteiligten zur Stellungnahme. Durch die in dem Plan vorgesehene Umwandlung von einer Kommanditgesellschaft in eine Aktiengesellschaft würde Barlach voraussichtlich seine zahlreichen Sonderrechte verlieren, heißt es weiter in dem Bericht.

Suhrkamp erklärte, mit der Existenzsicherung des Verlags verbunden sei "der Erhalt sämtlicher bestehender Arbeitsplätze". Der Verlag zeigte sich zugleich überzeugt, dass durch die vorgesehene neue Rechtsform bei Suhrkamp "der insolvenzauslösende Gesellschafterstreit das operative Geschäft des Verlags nicht länger beeinträchtigen" könne. Denn künftig werde ein Vorstand, kontrolliert von einem durch die Aktionäre gewählten Aufsichtsrat, eigenverantwortlich handeln.

Der Verlag fügte hinzu, eine Umwandlung des Verlags in eine Aktiengesellschaft berühre die Gesellschafterstellung der Unseld-Familienstiftung und der Medienholding nicht. "Die Gesellschafter werden als Aktionäre wie bisher am Verlag beteiligt sein." Ihre Mitwirkungs- und Einflussrechte ergäben sich künftig aus dem Aktienrecht. Falls ein Gesellschafter an dem in eine Aktiengesellschaft umgewandelten Verlag nicht mehr beteiligt sein wolle, sehe der Insolvenzplan ein Abfindungsangebot vor.

dpa

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