Neuer Flieger in München stationiert

Lufthansa-Flottenchef im tz-Interview: Das macht den Airbus 350-900 aus

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Seit einigen Monaten auch in München stationiert: Der Airbus 350 fasst 293 Passagiere.

Der Airbus 350 hat mit München ein neues Zuhause. Im Interview verrät Lufthansa-Flottenchef Martin Hoell die Vorzüge des neuen Fliegers und wie die Piloten sich diesem nähern.

München - Die Stationierung von insgesamt 15 Maschinen vom Typ Airbus A350 bis Ende 2018 ist ein Bekenntnis der Lufthansa zu ihrem südlichen Drehkreuz München. Mit ihren bisher drei A350-900 bedient die Lufthansa die „kurze Langstrecke“ mit Flügen nach Boston, Delhi und Mumbai. Alle zwei Monate soll ein neuer A350-900 nach München ausgeliefert werden. 293 Passagiere passen in die moderne Kabine des 66,89 Meter langen Flugzeugs.

Seit Dezember ist der Airbus A350 am Münchner Flughafen stationiert. Zeit für eine erste Bilanz mit dem Münchner Lufthansa-Flottenchef Kapitän Martin Hoell.

Wie fliegt sich der A350-900?

Hoell: Seit Mitte Dezember ist der erste A350-900 in München stationiert. Seitdem fliegen wir mit unserem neuesten Flottenmitglied täglich nach Delhi, Boston und seit dem Osterwochenende auch nach Mumbai. Und trotzdem ist dieses Flugzeug für uns immer noch ein faszinierender Arbeitsplatz. Fliegerisch ist es an den A330 angelehnt, der A350-900 reagiert sehr agil und sehr direkt auf die Inputs der Piloten - bei Flugzeugen dieser Größe nicht unbedingt selbstverständlich.

Wie haben Sie die Piloten dafür ausgebildet?

Hoell: Alle Piloten, die den A350 fliegen, müssen Erfahrungen auf der A330 gesammelt haben. Anschließend durchlaufen die Kollegen ein so genanntes Common Type Rating Training. Das bedeutet zunächst Theorie, dann Simulator. Dann geht es - immer unter Aufsicht eines Ausbilders - ins Linientraining. Anschließend folgen weitere Flüge mit dem A350. Danach kann der Pilot auf dem A330, dem A350-900 und dem A340-600 eingesetzt werden.

Gespräch unter vier Augen: Lufthansa-Flottenchef Kapitän Martin Hoell (l.) steht tz-Redakteur Marc Kniepkamp Rede und Antwort.

Wie schaut es im Cockpit aus?

Hoell: Das Cockpit des A350-900 wurde komplett neu gestaltet. Es ist nicht nur deutlich größer, wir geben die Befehle auch teilweise anders ins System ein. Die wichtigsten Informationen werden über sechs große Bildschirme wiedergegeben. Zwar wurde auf Touchscreens verzichtet, aber der Pilot kann jetzt mit einem kleinen Keyboard und einem Trackball Befehle und Werte eingeben oder mit einer weiteren Tastatur Telexe an die Technikabteilung schreiben oder auch nur die neuesten Wetterberichte abfragen. Außerdem ist ein echter Sicherheitsgewinn dabei.

Wie äußert der sich?

Hoell: Die Piloten haben mehr Freiraum, um auf Besonderheiten im Flugverlauf einzugehen. Das liegt daran, dass die technischen Systeme an Bord so gut verknüpft sind, dass sie den Piloten den Rücken freihalten können.

Sind die Piloten heiß auf den A350?

Hoell: Ja, die Neugier ist groß. Als wir den A350 mit dem Namen Stuttgart auf dem Flughafen in Stuttgart präsentiert haben, sind gleich mehrere Crews auch von anderen Airlines gekommen, um sich das Cockpit anzusehen. Für mich ist es ein Glück, dieses Flugzeug zu fliegen.

Wie ist das Klima in der Kabine?

Hoell: Sehr angenehm, denn der Kabinendruck ist niedriger als bei anderen Flugzeugen. Möglich macht das die Festigkeit des Werkstoffs Karbon. Zum Vergleich: In einem A350 fliegen die Passagiere „auf Watzmann-Höhe“, in vergleichbaren Flugzeugen ist der Druck dagegen ähnlich wie auf der Zugspitze. Nach einem Zwölfstunden-Flug merkt man den Unterschied - für Crews und Passagiere eine Entlastung.

Karbon sorgt auch für geringeres Gewicht…

Hoell: Ja, nicht nur durch Karbon, sondern auch durch die Konstruktion, bei der die Außenhaut bereits das tragende Element ist. Das senkt den Treibstoffverbrauch. Der A350 ist hocheffizient und dadurch sehr ökologisch. Außerdem ist er sehr leise, in der Kabine und beim Start. Das ist eine positive Nachricht für die Bewohner im Flughafen­umland.

Interview: Marc Kniepkamp

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