Tod Kim Jongs belastet Märkte

Tokio - Der Tod des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il und abermals schlechte Nachrichten aus der Eurozone haben die asiatischen Börsen am Montag stark belastet.

Die stärksten Kursverluste gab es in Südkorea: Der Leitindex in Seoul sackte in der Spitze um bis zu fünf Prozent ab, konnte aber seine Verluste im Handelsverlauf zumindest etwas verringern. In Tokio und Hongkong ging es um etwa ein Prozent bergab. Der alle Märkte umfassende Index MSCI Asia Apex 50 büßte zuletzt 1,86 Prozent auf 712,07 Punkte ein.

Händler führten die Verluste am Montag vor allem auf die Nachricht des Todes von Kim Jong Il zurück. Dadurch steige die politische Unsicherheit in der Region. In Japan berief die Regierung bereits den Sicherheitsrat zusammen, um sich auf alle Eventualitäten vorzubereiten. Japan stehe mit seiner Schutzmacht USA sowie China und Südkorea in engem Kontakt, meldete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo. Das Nachbarland Südkorea versetzte unterdessen seine Streitkräfte in höchste Alarmbereitschaft.

Kim Jong Il: Der rätselhafte Despot

Über Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il kursierten Namen wie “Verrückter mit der Bombe“, “Zombie“ oder “Dr. Seltsam“. Kim, der am Samstag im Alter von 69 Jahren gestorben ist, wurde im Westen auch schon mal Größenwahn unterstellt, weil er sich mit der Supermacht USA anlegt hatte. © dpa
Er unterhielt ein umstrittenes Atom- und Raketenprogramm, während sein Land wirtschaftlich am Boden lag und ein großer Teil der Bevölkerung unter Hunger litt. © dpa
Mit dem Start von Langstreckenraketen und zwei Atomtests 2006 und 2009 brachte Nordkorea erneut die gesamte internationale Staatengemeinschaft gegen sich auf. Immer wieder stieß das Regime zudem wüste Kriegsdrohungen gegen das Nachbarland Südkorea aus. © dpa
Seit seinem vermuteten Schlaganfall 2008 galt lange Zeit als ungewiss, ob der von Krankheiten gezeichnete Kim überhaupt noch die volle Kontrolle in seinem Herrschaftsbereich ausübe. © dpa
Doch zuletzt hatte er nach Meinung von Beobachtern die Zügel bei den Regierungsgeschäften noch voll im Griff. © dpa
Auch trieb er die Regelung für die Nachfolge in dritter Generation voran. Seinen jüngsten Sohn, Kim Jong Un, hatte Kim im September 2010 zum Vier-Sterne-General ernannt und in die erweiterte Führungsriege der herrschenden Arbeiterpartei gehievt. © dpa
Damit ernannte Kim seinen Sohn praktisch zum Nachfolger. © dpa
Über Kims Privatleben war wenig bekannt. Das meiste, was die Außenwelt über den Diktators weiß, stammt aus der unerschöpflichen Propagandamühle Pjöngjangs, die ihn als Halbgott und “Genie in Literatur, Kunst und Kriegskunst“ verehrte. © dpa
Für viele Menschen bleibt Kim deshalb eine rätselhafte Erscheinung. Verlässliche Informationen über Kim, der einst als Lebemann galt und dem Alkohol und gutem Essen zugetan war, gibt es kaum. © AP
Unter der Führung seines Vaters Kim ll Sung, dessen Statue hier zu sehen ist, war die “Demokratische Volksrepublik Korea“ 1948 gegründet worden. © AP
Das mehrfach von Hungersnöten erschütterte Nordkorea unterhält mit mehr als 1,2 Millionen Soldaten eine der größten Streitkräfte Asiens. © dpa
Der abgeschottete Staat hat knapp 25 Millionen Einwohner und ist mit gut 120 000 Quadratkilometern etwa so groß wie die frühere DDR. © AP
Die Bevölkerung hat sich versammelt, um über den Tod von Kim Jong ll zu trauern. Das Bild zeigt ihn gemeinsam mit seinem Vater. © AP
Die Menschen weinen auf der Straße. © AP

In der Nacht auf Montag hatten die staatlichen nordkoreanischen Medien berichtet, dass Kim Jong Il am Samstag als Folge körperlicher Ermüdung während einer Zugfahrt am Samstag gestorben sei. Zum Nachfolger wurde Berichten der Agentur KCNA zufolge sein Sohn Kim Jong Un bestimmt. Der südkoreanische Leitindex Kospi weitete nach dem Bekanntwerden der Todesnachricht seine Verluste der vergangenen Wochen aus.

Neben den Nachrichten aus Nordkorea drückten neue Hiobsbotschaften aus der Eurozone vom Freitagabend auf die Stimmung. Die Ratingagentur Fitch hatte den europäischen Politikern ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Eine umfassende Lösung der Schuldenkrise in der Eurozone sei technisch und politisch “außer Reichweite“. Außerdem zeigten sich die Bonitätswächter vom jüngsten EU-Gipfel enttäuscht. Die ungelöste Schuldenkrise in der Eurozone belastet seit Wochen auch die asiatischen Märkte.

An den Devisenmärkten sorgten der Tod Kim Jongs und die Aussagen Fitchs zu Kursgewinnen beim Dollar vor allem im Vergleich zu den asiatischen Währungen. Aber auch der Euro sackte kurz unter die Marke von 1,30 US-Dollar. Die Nachricht vom Tod des nordkoreanischen Diktators sei an den Finanzmärkten mit Verunsicherung aufgenommen worden, sagten Händler. Der Dollar sei als Fluchtwährung gesucht.

Der südkoreanische Leitindex Kospi schloss mit einem Minus von 3,43 Prozent bei 1776,93 Punkten. In Japan verlor der Nikkei 225 bis zum Handelsende 1,26 Prozent auf 8296,12 Punkte.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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