Reichster Deutscher gestorben

Karl Albrecht (†94): So lebte der Aldi-Mitbegründer

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Karl Albrecht (1920-2014) hat das Einkaufen in Deutschland revolutioniert. Er starb nach kurzem Leiden.

Essen - Der reichste Deutsche starb, wie er gelebt hat: abseits der Öffentlichkeit, in aller Stille. Erst am Montag ist der Tod von Karl Albrecht bekannt geworden.

Das Grab von Karl Albrecht und seiner geliebten Frau Mia.

Schon zu Lebzeiten war er eine Legende. Karl Albrecht († 94), der zusammen mit seinem 2010 verstorbenen Bruder Theo († 88) den Grundstein für das Aldi-Imperium gelegt hat, ist tot. Der reichste Deutsche starb, wie er gelebt hat: abseits der Öffentlichkeit, in aller Stille. Bereits am Mittwochabend vergangener Woche ist Karl Albrecht in seiner Villa im Essener Nobelvorort Bredeney gestorben – erst am Montag ist sein Tod bekannt geworden.

Der scheue Unternehmer hat nach dem Zweiten Weltkrieg das Einkaufen revolutioniert – mit schlichten Läden, hoher Qualität und gnadenlos günstigen Preisen. „Er war ein Vorbild. Wir verneigen uns vor ihm“, heißt es in einer Pressemeldung von Aldi Süd. Die tz erklärt, wie die Albrecht-Brüder das Einkaufen revolutionierten und wie Karl Albrecht lebte:

Karl Albrechts Karriere ist ein klassisches Unternehmer-Märchen. Gemeinsam mit seinem Bruder Theo übernimmt er nach dem Zweiten Weltkrieg den kleinen Tante-Emma-Laden der Mutter – und gründet darauf ein weltumspannendes Einzelhandelsimperium. Aus dem kleinen Laden im Essener Stadtteil Schonnebeck ist ein Handelsgigant mit über 10 000 Fillialen weltweit geworden – Tendenz steigend. 66,7 Milliarden hat das Unternehmen allein im vergangenen Jahr umgesetzt.

Kein Wunder, dass Unternehmensgründer Karl Albrecht als der reichste Deutsche galt, mit einem geschätzten Vermögen von 18 Milliarden Euro! Doch obwohl fast jeder Deutsche seinen Namen und sein Unternehmen kennt, ist der Mensch Karl Albrecht ein Rätsel. Öffentliche Auftritte mieden er und sein Bruder konsequent. Ein Hauptgrund für dieses Leben als Phantom: Karls Bruder Theo war 1971 entführt worden und erst nach 17 Tagen und der Zahlung von sieben Millionen Mark Lösegeld wieder freigelassen. Fotos aus der Zeit danach sind kaum aufzutreiben. Die Brüder bewegten sich nur im Kreis der Familie und der engsten Freunde und der führenden Manager. Mit ihnen verbrachte Karl Albrecht viel Zeit in Donaueschingen, wo er ein Hotel mit Golfplatz hatte bauen lassen. Karl Albrecht war passionierter Golfer und kümmerte sich mit großer Hingabe um seine Orchideen. Die letzten Jahre verbrachte er hauptsächlich in Essen, er übernahm die Pflege seiner Ehefrau, mit der er seit 67 Jahren zusammenlebte, bis sie im vergangenen Jahr verstarb.

Diese strikte Verschwiegenheit war nicht nur privat das Prinzip der Aldi-Brüder – sein Unternehmen gab sich mindestens genauso zugeknöpft. „Unsere ganze Werbung liegt im billigen Preis“, so lautet der einzig überlieferte Satz von Karls Bruder Theo Albrecht. Aufgewachsen sind die Albrecht-Brüder im Essener Norden, im Arbeitervorort Schonnebeck. Der Vater, der ebenfalls Karl hieß, war Bergmann, musste die Arbeit unter Tage wegen einer Staublunge an den Nagel hängen. Fortan war die Familie von den Einkünften aus dem 35 Quadratmeter großen Laden der Mutter abhängig.

Diesen Laden übernahmen Karl und Theo Albrecht dann im Jahr 1946. In den 50er-Jahren konnten nur die Einzelhändler, die expandierten und die Ladenfläche vergrößerten, überleben. Das gelang den Albrecht-Brüdern, und 1960 führten sie schon über 300 Geschäfte. Dann kam es zum Streit. Die Brüder teilten das Imperium auf, weil sie sich nicht darüber einig werden konnten, ob sie Tabakwaren und Tiefkühlkost ins Sortiment nehmen wollten. Seitdem trennt der Aldi-Äquator die Bundesrepublik in Aldi-Nord (Theo) und Aldi-Süd (Karl) entlang der Ruhr. Ein Jahr später dann die Revolution: In Dortmund eröffnet der erste Albrecht-Discounter – kurz Aldi. Das Aldi-Prinzip ist geboren: Hohe Qualität zu Kampfpreisen, knallhart kalkuliert.

Um sein Imperium musste sich Karl Albrecht keine Sorgen mehr machen. Das Vermögen der Unternehmensgruppe Aldi Süd wird von zwei Stiftungen kontrolliert, die die Fortführung seines Lebenswerks gewährleisten sollen.

M. Kniepkamp

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