Kassen wollen Kosten sparen

Kommt jetzt derTeilzeitkrankenschein?

München - Immer mehr Menschen fehlen in der Arbeit wegen Depressionen und Rückenschmerzen. Die Kassen wollen sich dieses Geld sparen und haben eine Idee: einen Teilzeit-Krankenschein. Die tz erklärt, was es damit auf sich hat.

Psychische Erkrankungen sorgen für hohe Kosten.

Krankheit kostet Geld! Depressionen und Rückenschmerzen haben die Krankengeldausgaben im vergangenen Jahr auf ein Rekordhoch von 10,6 Milliarden Euro getrieben. Eine Sparidee des Sachverständigenrats für das Gesundheitswesen: der Teilzeit-Krankenschein. Die tz erklärt, was es damit auf sich hat und wie sich die Krankengeldausgaben entwickelt haben:

Wer bekommt überhaupt Krankengeld? Versicherte von der Krankenkasse, wenn sie länger als sechs Wochen arbeitsunfähig sind. Bis zu sechs Wochen erhalten sie weiter Lohn vom Arbeitgeber.

Wie haben sich die Kosten für das Krankengeld in den letzten Jahren entwickelt? Sie sind immer weiter gestiegen – seit 2006 um stolze 8,1 Prozent jährlich. Damals mussten die Krankenkassen 5,7 Milliarden Euro ausgeben. Im vergangenen Jahr war dieser Betrag auf 10,6 Milliarden Euro gestiegen – bisher ein Rekord.

Welche Gründe sehen die Experten für den starken Anstieg? Die Durchschnittseinkommen sind in der Zeit deutlich gestiegen. Außerdem zählen das zunehmende Alter und eine gestiegene Krankheitslast zu den Hauptursachen. Hier spielen vor allem Depressionen und ähnliche Diagnosen die größte Rolle. Bei den Frauen standen drei entsprechende Störungen 2014 an der Spitze der Verursacher von Krankengeldausgaben mit zusammen rund 45 Prozent, gefolgt von Rückenschmerzen mit knapp zehn Prozent. Bei den Männern verursachte allein die „depressive Episode“ rund 17 Prozent der Kosten für Krankengeld, gefolgt von Rückenleiden mit knapp 12 Prozent. Die Dauer der Arbeitsunfähigkeit wuchs dabei um jährlich gut drei, die Zahl der betroffenen Versicherten um zwei Prozent.

Wie wollen die Experten die Kosten wieder in den Griff kriegen? Sie haben eine spektakuläre Idee: den Teilzeitkrankenschein! Bisher sind Arbeitnehmer entweder krank oder eben nicht. Ganz oder gar nicht, damit soll es künftig Schluss sein. Die Ärzte sollen die Möglichkeit haben, ihre Patienten zu 25 Prozent, zu 50 Prozent oder zu 75 Prozent krank zu schreiben.

Was soll das bringen? Der kranke Arbeitnehmer könnte dann gemäß seiner Leistungsfähigkeit Teilzeit arbeiten. Der Clou: Wenn ein Betroffener zu 75 Prozent krank und zu 25 Prozent gesund ist, könnte er also noch ein Viertel seiner bisherigen Arbeit erledigen. Dafür würde er auch einen entsprechenden Anteil des Lohns bekommen – und nur der Rest käme von der Krankenkasse.

Gibt es weitere Vorschläge? Ja. Bei befristeten Beschäftigungsverhältnissen soll das Krankengeld auf die Höhe des Arbeitslosengelds beschränkt werden, wenn die Arbeitsunfähigkeit über das Ende eines Beschäftigungsverhältnisses hinausgeht. Außerdem sollen Präventionsangebote sowie medizinische Behandlungen bei „krankengeldrelevanten“ Krankheiten wie psychischen Erkrankungen und Rückenleiden möglich sein. Geundheitsminister Gröhe ist aufgeschlossen und erklärte, das Gutachten gebe „wichtige Anstöße“ für weitere Maßnahmen.

Rubriklistenbild: © dpa

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