Untersuchung der Stiftung Warentest

Kleine Banken sind am unverschämtesten

Viele Banken und Sparkassen in Deutschland kassieren einer Untersuchung der Stiftung Warentest zufolge von ihren Kunden für die Überziehung des Girokontos noch immer Zinssätze im zweistelligen Bereich.

 Ein flächendeckender Vergleich unter 1538 Instituten habe gezeigt, dass die Geldhäuser derzeit Dispozinsen von im Schnitt 11,31 Prozent verlangten, berichtet die Stiftung in der aktuellen Ausgabe ihrer Zeitschrift Finanztest. Sich selbst hingegen könnten Banken und Sparkassen bei der Europäischen Zentralbank zu einem Zinssatz von 0,5 Prozent Geld leihen.

Die „größten Abzocker“ unter den Banken und Sparkassen in Sachen Dispozinsen seien oft kleine Institute auf dem Land, klagen die Banktester. Viele von diesen Geldhäusern nutzten „ihre Vormachtstellung“ aus und verlangten teils „deutlich mehr als 13 Prozent“. Insgesamt 119 Geldhäuser verlangen 13 Prozent und darüber. Die höchsten Dispozinssätze hätten die Raiffeisenbank Taufkirchen-Oberneukirchen in Bayern und die Volksbank Feldatal in Hessen mit jeweils 14,75 Prozent verlangt.

Insgesamt haben die Tester Zinsunterschiede von mehr als zehn Prozent zwischen Deutschlands Banken und Sparkassen ermittelt. Angesichts der Niedrigzinsen sollten Dispozinssätze laut Warentest „zurzeit klar unter zehn Prozent liegen“.

Einzelne Institute zeigten, dass es möglich ist, Kunden günstige Zinssätze für die Überziehung zu berechnen. Beispiele seien die VR-Bank Uckermark Randow mit einem Zinssatz von 4,2 Prozent für ein bestimmtes Kontomodell sowie die Deutsche Skatbank mit 5,25 Prozent.

Viele Banken hatten sich gesträubt, der Stiftung ihre Zinskonditionen zu nennen. Von den 1538 verglichenen Instituten hätten nur 413 ihre Zinssätze „ohne Umschweife“ genannt. Weitere 519 wollten demnach ihre Konditionen nicht nennen, hatten diese aber im Internet veröffentlicht. Bei 606 Instituten seinen Tester in die Filialen gegangen und haben sich über die dortigen Preisaushänge informiert.

Die Ergebnisse des Vergleichs zeigten, dass viele Banken und Sparkassen lieber höhere Gewinne mitnähmen, „anstatt die Zinsvorteile an ihren Kunden weiterzugeben“, welche die Institute derzeit genössen, kritisierte „Finanztest“. Immerhin sei das durchschnittliche Niveau der Dispozinssätze seit dem Herbst 2012 leicht von 11,76 Prozent auf jetzt 11,31 Prozent gesunken.

Th. Edmondson

Rubriklistenbild: © dpa

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