Die tz erklärt das Phänomen

Das kleine Rentenwunder

München - Rentner können nächstes Jahr wieder mit steigenden Alterszahlungen rechnen. Die tz erklärt, warum unsere Ruheständler trotzdem nicht jubeln können.

Eine gute Nachricht für Rentner: Sie können nächstes Jahr wieder mit steigenden Alterszahlungen rechnen. Mit ein Grund dafür ist ein bizarres Phänomen: Wenn die Arbeitnehmer weniger in die Rentenkassen einzahlen, ist das gut für Rentner. Die tz erklärt das Rentenwunder – und warum unsere Ruheständler trotzdem nicht jubeln können:

Wie hängen der Beitragssatz und die Rentenzahlungen zusammen?

Die Antwort steckt in der komplizierten Rentenformel. Darin enthalten ist der sogenannte Beitragsfaktor. Eingeführt wurde er, um eine Art Gerechtigkeit einzuführen: Müssen Arbeitnehmer und ihre Firmen höhere Rentenbeiträge zahlen, sollen auch die Rentner ihren Beitrag leisten und weniger Geld erhalten.

Und warum sorgt der Beitragsfaktor nun für mehr Geld?

Jetzt ist eine umgekehrte Situation eingetreten, weil heuer und voraussichtlich nächstes Jahr die Beiträge für die Rentenkassen sinken: Nach 19,9 Prozent mussten die Deutschen 2012 nur noch 19,6 Prozent zahlen. 2013 soll der Beitragssatz weiter auf 18,9 Prozent sinken. Die Folge: Wegen des Beitragsfaktors fällt das für die Rentner selbst positiv aus.

Wie hoch wird die Rente 2013?

Konkrete Rentenerhöhungen lassen sich jetzt noch nicht vorhersagen. Denn maßgeblich hierfür ist vor allem die Entwicklung der Bruttolöhne. Experten rechnen mit einem Lohnplus von 2,5 Prozent für die Beschäftigten aus. Die endgültigen Daten dafür stehen aber erst im Frühjahr fest. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft rechnet unterm Strich mit einem Plus für die Rentner zum 1. Juli von 1 Prozent.

Warum nicht mehr?

Zwar sorgt der Beitragsfaktor für ein Plus. Er ist aber in der Rentenformel nur ein Teil. So lässt sein großer Bruder, der Riesterfaktor, die Rente sinken – als Ausgleich dafür, dass die Bürger privat immer mehr für ihr Alter vorsorgen müssen. Der Riesterfaktor gilt noch nächstes Jahr und lässt die Rentenzahlungen 0,64 Prozent geringer ausfallen als sie eigentlich wären. Das ergibt unterm Strich für 2013 laut Deutscher Rentenversicherung noch ein Minus von 0,24 Prozent. Und noch ein Teil der Rentenformel schmälert die Rente: der Nachhaltigkeitsfaktor. Auch der sorgt für ein Minus bei der Rente von etwa 0,7 Prozent. So wird – ohne Berücksichtigung der Lohnentwicklung – ein Rentner mit 1000 Euro Altersbezügen nächstes Jahr knapp zehn Euro weniger haben als heuer und 2014 noch 50 Cent Minus.

Walther Schneeweiß

Rente: So wirken die Dämpfungsfaktoren

Wenn Arbeitnehmer und ihre Firmen weniger in die Rentenkasse einzahlen, steigen dafür die Altersbezüge. Möglich macht das der Beitragsfaktor in der Rentenformel. Allerdings dämpfen andere Faktoren den Effekt wieder ordentlich:

Rente 2012 2013 2014
600,00 € 594,36 € 599,71 €
700,00 € 693,42 € 699,66 €
800,00 € 792,48 € 799,61 €
900,00 € 891,54 € 899,56 €
1000,00 € 990,60 € 999,52 €
1100,00 € 1089,66 € 1099,47 €
1200,00 € 1188,72 € 1199,42 €
1400,00 € 1386,84 € 1399,32 €
1500,00 € 1485,90 € 1499,27 €
1600,00 € 1584,96 € 1599,22 €
1700,00 € 1684,02 € 1699,18 €
1800,00 € 1783,08 € 1799,13 €
1900,00 € 1882,14 € 1899,08 €
2000,00 € 1981,20 € 1999,03 €
2100,00 € 2080,26 € 2098,98 €
2200,00 € 2179,32 € 2198,93 €
Quellen: DRV, BDA, tz-Berechnungen

Rubriklistenbild: © dpa

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