Streit um Arbeitszeit

Kommentar: Wir arbeiten schon längst zu lange

tz-Politik-Redakteur Johannes Welte.

Voller Lohnausgleich und kürzere Arbeitszeiten? Das hört sich an wie ein Märchen, ist in den USA in einem Betrieb aber bereits Realität. Die Forderung der IG-Metall wirkt dagegen fast bescheiden.

München - Man sitzt mit der Familie beim Abendessen – da brummt das Handy: Der Chef hat noch eine Frage zu einem Auftrag. Später auf der Fernsehcouch, da ruft ein Kollege an und will wissen, wie es mit dem Dienstplan ausschaut. Vor dem Schlafengehen werden noch die E-Mails gecheckt, weil ein Kunde aus den USA eilige Änderungswünsche zu einer Bestellung haben könnte. Immer mehr Arbeitnehmer kommen auch nach Dienstschluss nicht mehr zur Ruhe. Dabei gehen sie immer öfter schon gehetzt und zu spät in den Feierabend: Denn in Deutschland werden jedes Jahr 1,8 Milliarden Überstunden geleistet. Und da wollen die Arbeitgeber den Acht-Stunden-Tag abschaffen. Die Arbeitszeiten müssten flexibler werden. 

Auch die gesetzliche Ruhezeit von mindestens elf Stunden, in der sich Angestellte erholen sollen, wird zur Debatte gestellt. Dabei klagen immer mehr Beschäftigte über Burnout, Stress und Depressionen. Da hört sich eine Nachricht aus den USA wie ein Märchen an: Die Firma Tower, die Wassersportgeräte verkauft, hat die Fünf-Stunden-Woche eingeführt – bei vollem Lohnausgleich! Die Mitarbeiter sind hoch motiviert und genauso produktiv wie zuvor, beteuert Firmenchef Stephan Aarstol. Die Firma brummt. Die Beschäftigten nutzten ihre Arbeitszeit besser. So gesehen, hört sich die Forderung der IG Metall nach einer auf maximal zwei Jahre begrenzten 28-Stunden-Woche geradezu bescheiden an. Wer den Nachmittag mit den Kindern verbracht hat, beantwortet am Abend gern ein paar Kundenmails.

28 Stunden in der Woche arbeiten? Das spricht dafür und das dagegen

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