In wenigen Minuten zur neuen Bank

Per App! So wird der Kontowechsel jetzt leichter

München - Es gibt es viele Gründe, bei der Wahl der Bank flexibel zu sein. Immer mehr Banken bieten den digitalen Kontowechsel an. Dafür gibt es jetzt sogar die erste App.

Die Deutschen sind wechselfreudig – wenn es um Autoversicherung, Stromanbieter oder Handyprovider geht. Doch beim Lieblings-Fußballverein und bei der Hausbank sieht es ganz anders aus. Denen bleibt man meist lebenslang treu. Zwar sind 58 Prozent der Bürger laut einer aktuellen Umfrage mit ihrer Bank nicht zufrieden und würden gerne wechseln. Doch nur 21 Prozent haben tatsächlich den Schritt gewagt und sich jemals von ihrer Hausbank getrennt. Dabei gäbe es genug Gründe, bei der Wahl der Bank ebenso flexibel zu sein wie beim Tele­fonanbieter, zum Beispiel niedrigere Gebühren und Dispozinsen, mehr Geldautomaten zum kostenlosen Abheben, bessere Beratung vor Ort oder eine gebührenfreie Kreditkarte.

Bisher allerdings ist in Deutschland eine Scheidung wahrscheinlicher als ein Kontowechsel – denn jede zweite Ehe geht schief. Damit ist man der Bank treuer als dem Ehepartner. Der Grund liegt auf der Hand: endloser Papierkrieg beim Kontowechsel. Im Durchschnitt müsste jeder Deutsche 18 Firmen über seine neue Bankverbindung informieren, vom Fitnessclub über Versicherungen bis zu Telekom und ADAC.

Doch das ändert sich jetzt. Immer mehr Banken bieten den digitalen Kontowechsel an, der den gesamten Umzug in lediglich fünf bis zehn Minuten ­erledigen soll. Comdirect, Wüstenrot Bank und PSD Bank Berlin-Brandenburg haben den Service bereits gestartet, weitere Banken wie die DKB wollen demnächst folgen. Und bei der Commerzbank gibt es seit Kurzem Deutschlands erste App für den digitalen Kontoumzug (iOS, Android).

Wie funktioniert der digitale Kontowechsel?

Der Kontowechsel geht immer von der neuen Bank aus, für die Sie sich entschieden haben. Wenn diese Bank den Service bereits anbietet, starten Sie auf einer Website oder per App den Umzug. Sie geben Ihre bisherigen Kontodaten plus Passwort ein, und die Software sucht nach Daueraufträgen, Lastschriften sowie den regelmäßigen Zahlungen, die Sie erhalten. All diese Zahlungspartner werden dann angezeigt und von Ihnen überprüft. Per Klick geben Sie den Umzug frei. Dann schickt das System automatisch an alle betroffenen Firmen oder Institutionen einen Brief mit Ihrer neuen Bankverbindung – vom Arbeitgeber bis zum Sportverein.

Die Schreiben bekommen Sie in Kopie als Mails und können sie zu Ihren Akten legen. Die Kündigung bei der alten Bank wird ebenfalls erledigt. Einfacher als mit dieser Lösung, die unter anderem von der Berliner Firma FinReach entwickelt wird, können Sie Ihr Konto nicht wechseln. Einschränkung: Die Adressen von rund 500 000 Firmen, Behörden und anderen Zahlungspartnern sind in den Systemen vorhanden. Privatpersonen bleiben aber aus Datenschutzgründen außen vor. Wenn beispielsweise Ihr Vermieter eine Einzugsermächtigung hat, müssen Sie ihn nach wie vor selbst informieren.

Warum werden bald noch mehr Banken diesen Service anbieten?

Weil er gesetzlich vorgeschrieben wird. Ab September 2016 verlangt die Europäische Union von allen Banken, den Kontowechsel mit Online-Lösungen oder per App schneller und komfortabler zu machen. Auf diese Vorgabe hat die Bundesregierung bereits reagiert. Sie verlangt beim Kontowechsel nun keine eigenhändige Unterschrift mehr. Damit wird der digitale Umzug erst möglich. Er soll die Konkurrenz unter den Banken fördern und für niedrigere Gebühren sorgen.

Jörg Heinrich

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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