Konzern-Umbau: Eon macht Dampf

Düsseldorf - Rigide Sparpläne und Stellenabbau, milliardenschwere Abschreibungen, Verkäufe und Übernahmen - der Energieriese Eon steht in diesen Tagen unter Dampf wie selten zuvor.

Der größte deutsche Energiekonzern Eon treibt den Umbau des Unternehmens voran und kehrt milliardenschwere Belastungen aus der Bilanz 2011. Gleichzeitig droht der Streit mit den Gewerkschaften wegen des massiven Stellenabbaus zu eskalieren. Nach einer Aufsichtsratssitzung am späten Montagabend kündigte das Unternehmen überraschend einen Abschreibungsbedarf im laufenden Geschäftsjahr von 3 Milliarden Euro an. Dabei zeigt die Schuldenkrise Wirkung, vor allem in Spanien und Italien. Die Wertberichtigung habe aber keine Auswirkungen auf Prognosen und die Dividende, hieß es.

Bei den geplanten Verkäufen ist jetzt erneut das Gasnetz von Eon in den Fokus geraten. Das Netzgeschäft und der Betrieb des 12 000 Kilometer langen Netzes wurde inzwischen von Eon Ruhrgas getrennt und in die Open Grid Europe (OGE) ausgegliedert. Über den möglichen Verkauf des Netzes wird seit längerem spekuliert. Wie die “Süddeutsche Zeitung“ am Dienstag berichtete, soll der Versicherungskonzern Allianz über seine Tochterfirma Allianz Capital Partners mit dem Management in Verhandlungen zur Übernahme des Gasnetzes stehen.

Die Gespräche, zu denen sich weder Eon noch der Münchner Versicherungskonzern äußerten, seien weit fortgeschritten, berichtete das Blatt unter Berufung aus Unternehmenskreise. OGE mit 1800 Beschäftigten und 450 Kunden soll nach Angaben von Experten mehrere Milliarden Euro wert sein. Eon hatte zum September 2010 auf Druck der EU-Kommission das Netz- und Transportgeschäft vom Gashandel getrennt. Bis Ende 2013 will Vorstandschef Johannes Teyssen aus Unternehmensverkäufen eine Summe von 15 Milliarden erlösen, die in Schuldentilgung und Wachstum fließen sollen. Ein großer Teil wurde bereits umgesetzt.

Doch der Konzernumbau läuft keineswegs so glatt, wie sich der Vorstand dies erwünscht. Der geplante drastische Stellenabbau ist den Gewerkschaften ein Dorn im Auge. Seit wenigen Wochen verhandeln die Tarifpartner über eine Lösung, treten aber auf der Stelle. Eon will weltweit bis zu 11 000 Arbeitsplätze einsparen, darunter mehr als 6000 in Deutschland. Betroffen von den Sparmaßnahmen sind alle vier Standorte in München, Hannover, Essen und Düsseldorf. Ab 2015 möchte der größte deutsche Strom- und Gaskonzern aus seinem sogenannten Effizienzprogramm Eon 2.0 dauerhafte ein Summe von 1,5 Milliarden Euro einsparen.

“Die Stimmung in der Eon-Belegschaft ist nicht gut“, sagte Verdi-Energieexperte und Aufsichtsratsmitglied Sven Bergelin der Nachrichtenagentur dpa. Zuvor war in den Medien berichtet worden, dass das Management 3000 Beschäftigte in den Vorruhestand schicken will und weitere 2500 in eine Transfergesellschaft wechseln sollen. “Die Transfergesellschaft steht und fällt mit dem Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen“, unterstrich Bergelin. Zur Zeit gebe es aber keine Anzeichen für ein Einlenken des Unternehmens. Ende dieser Woche kommen beide Seiten erneut zu Gesprächen zusammen.

Sparen und verkaufen ist aber nur eine Seite der Medaille: Inzwischen hat Vorstandschef Teyssen auch Zukäufe wieder in den Blick genommen. So steht der Energiereise möglicherweise kurz vor dem Einstieg in den portugiesischen Energiemarkt. Für den zum Verkauf stehenden 21-Prozent-Anteil des Staates an der heimischen EDP sollen die Düsseldorfer ein bindendes Angebot unterbreitet haben. Eine Entscheidung könnte noch in diesem Jahr fallen.

dpa

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