IWF korrigiert Prognosen - auch für Deutschland

Washington - Nach der Weltbank streicht auch der IWF wegen der Eurokrise seine Wachstumsprognose kräftig zusammen. Gute Ratschläge hat der IWF zuhauf.

Eine blutarme Weltwirtschaft, die Eurozone in der Rezession, aber Deutschland immerhin mit Mini-Plus: Die Schuldenkrise hat den Internationalen Währungsfonds (IWF) zu einer kräftigen Abwärtskorrektur seiner Konjunkturprognosen gezwungen. Der Fonds stutzte seine Vorhersage für die deutsche Wirtschaft um einen satten Prozentpunkt, dennoch erwartet er dieses Jahr noch 0,3 Prozent Wachstum. 2013 soll es indes schon wieder um 1,5 Prozent nach oben gehen.

Im letzten Quartal 2011 sei die Eurokrise “in eine gefährliche neue Phase getreten“, befindet der IWF in seinem aktualisierten Weltwirtschaftsausblick, der am Dienstag in Washington vorgelegt wurde. Die Folge: “Trübere Aussichten für das globale Wachstum und sprunghaft gestiegene Risiken.“

Der Weltkonjunktur sagt der IWF 2012 ein Plus von nur noch 3,3 Prozent voraus. Im September war noch von 4 Prozent die Rede gewesen. Kommendes Jahr rechnet der Fonds mit einem globalen Wachstum von immerhin 3,9 Prozent. Düster sind hingegen die Aussichten für die Eurozone: Dort soll die Wirtschaft 2012 um 0,5 Prozent schrumpfen. Im Jahr darauf sei dann ein mageres Plus von gerade 0,8 Prozent zu erwarten.

Auch Schwellen- und Entwicklungsländer - sonst vom Wachstum verwöhnt - müssen dem Bericht zufolge Federn lassen. Ein Plus von 5,4 Prozent in diesem und 5,9 Prozent im nächsten Jahr sieht die Prognose. Das ist jeweils gut einen halben Punkt weniger als zunächst gedacht.

Für die gebeutelte Eurozone hat der Fonds jede Menge guter Ratschläge parat. Ganz vorne unter den Empfehlungen: verloren gegangenes Vertrauen wiederherstellen. Um die Krise in den Griff zu bekommen, sollen die Länder Wachstum fördern, aber zugleich ihre Staatsfinanzen in Ordnung bringen. Noch mehr Liquidität sei vonnöten, während die geldpolitischen Zügel locker gelassen werden sollten.

“Eine zusätzliche und zeitnahe Lockerung durch die (Europäische Zentralbank) EZB wird wichtig sein“, rät der IWF. Außerdem sollte diese weiterhin “voll engagiert“ in Anleihekäufe sein, um Liquidität vorzuhalten und das Vertrauen in die Einheitswährung zu stärken. Auch wichtig: Dass die durch den Hilfsfonds EFSF und den nachfolgenden Rettungsschirm ESM bereitgestellten Mittel auch wirklich ausreichten.

Erst am Montag hatte IWF-Chefin Christine Lagarde dafür plädiert, den ESM deutlich auszuweiten und die Mittel des im Sommer auslaufenden EFSF seinem Nachfolger zur Verfügung zu stellen. “Das würde erheblich helfen“, befindet der IWF in dem Bericht.

Außerdem drängt der Fonds zu neuerlichen Kapitalspritzen für Banken der Eurozone - durchaus auch aus öffentlichen Quellen. Es müsse außerdem dafür gesorgt werden, dass die Geldinstitute nicht “übermäßig schnell“ den Schuldenabbau vorantrieben, weil sie so eine “verheerende Kreditklemme“ heraufbeschwören könnten, warnte der IWF.

Unter den Industrieländern sticht indes die US-Wirtschaft heraus, die allmählich wieder Puls zeigt: 1,8 Prozent Wachstum in diesem und 2,2 Prozent im nächsten Jahr prognostiziert der Fonds dort. Doch hebt der IWF auch mahnend den Zeigefinger gen Washington: Besondere Sorge bereite, dass “politische Lähmung“ zu einem vorschnellen Ende der konjunkturstützenden Maßnahmen führen könnte. Allzu massive Haushaltskürzungen auf kurze Sicht will der IWF auch nicht sehen.

dpa

Krisenhelfer IWF und Weltbank: Was machen die eigentlich?

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