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Krankenhäuser sehen Alarmstufe Rot: „Wenn die Politik nicht hilft, gehen hier die Lichter aus“

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Von: Patricia Huber

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Viele Kliniken sind finanziell am Limit und schlagen Alarm. Die Inflation belastet enorm – doch die Politik hält sich mit Hilfen zurück.

Berlin – Die Corona-Lage hat sich zuletzt deutlich entspannt. Die Mitarbeiter in den Kliniken konnten im Sommer zumindest ein wenig durchschnaufen – doch jetzt droht die nächste Belastungsprobe. Dies Mal geht es ums Geld. Denn die hohe Inflation setzt auch den Krankenhäuser zu.

Inflationsausgleich: Kliniken wollen „ungesteuerte Insolvenzen“ vermeiden

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) macht mit der Kampagne „Alarmstufe Rot – Krankenhäuser in Gefahr“ jetzt auf dieses Problem aufmerksam. Damit fordert sie „einen umgehenden Inflationsausgleich für die Kliniken“, der „ungesteuerte Insolvenzen“ verhindern soll. Denn das große Problem bei den Kliniken: Sie können die gestiegenen Preise nicht einfach an die Patienten weitergeben, da diese staatlich reglementiert sind.

Zudem können nicht einfach die Heizkörper abgedreht oder Klimaanlagen abgestellt werden. Wolfgang Müller, Geschäftsführer des St.-Vincenz-Krankenhaus in Datteln, erklärt dazu: „Die Klimaanlagen in den OP-Räumen müssen natürlich weiterlaufen.“ Auch seine Klinik hat mit massiven finanziellen Problemen zu kämpfen, sagte er der Süddeutschen Zeitung (SZ). „Wenn uns die Politik nicht hilft, gehen hier die Lichter aus“, warnte Mueller.

Die schon vor der Corona-Pandemie unterfinanzierten Kliniken blieben auf den erhöhten Preisen für Energie, Medizinprodukte, Lebensmittel und Dienstleistungen sitzen, sagte der Hauptgeschäftsführer der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft (BWKG), Matthias Einwag, am Freitag in Stuttgart. Demnach beliefen sich die Zusatzkosten auf 640 Millionen Euro im Land. „Das bezahlt niemand aus der Portokasse“, sagte Einwag. 61 Prozent der Teilnehmer einer BWKG-Umfrage schreiben in diesem Jahr rote Zahlen.

Krankenhäuser am Limit – mit Folgen für Patienten

Das hat auch Folgen für die Patienten. Die kaufmännische Direktorin des Universitätsklinikums Tübingen, Gabriele Sonntag, verwies auf in vielen Bereichen eingeführte Wartelisten. „Sie sind eine Zumutung für die Patienten.“ In den Kliniken werden nicht dringend notwendige Eingriffe häufig verschoben – etwa Hüft-Operationen, Eingriffe bei Fehlstelllungen von Beinen und Entfernung von Tumorvorstufen. Auch Patienten mit akuten Bandscheibenvorfällen müssten zum Teil ein paar Tage warten, sagte Sonntag.

Der zuständige Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hält sich bei diesem Thema mit Äußerungen bisher zurück. Ein Sprecher des Ministeriums teilte der SZ auf Nachfrage mit, dass man sich bewusst sei, dass „die Krankenhäuser und andere Akteure des Gesundheitswesens von steigenden Preisen für Energie und andere Sachkostenbereiche betroffen sind.“ Konkrete Pläne zur Unterstützung gibt es jedoch noch nicht. Es würde aber „mit Hochdruck“ daran gearbeitet. (ph/dpa)

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