Krankenkasse in Not: Darauf sollten Versicherte achten

Berlin - Krankenkassen können Pleite gehen. Damit die Versicherten davon nicht überrascht werden, sollten sie auf bestimmte Warnsignale achten. Welche das sind und was man für einen Wechsel wissen muss:

Versicherte haben kaum Möglichkeiten zu erkennen, ob ihre Krankenkasse in finanziellen Schwierigkeiten steckt. Sie können natürlich amtliche Statistiken oder auch die Geschäftsberichte einsehen. “Aber das ist immer der retrospektive Blick“, sagt Ann Marini vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen in Berlin. Außerdem können Versicherte direkt bei ihrer Kasse nachfragen. Aber sie haben wenige Chancen, etwas zu erfahren.

Ein Warnsignal ist allerdings der Zusatzbeitrag. “Natürlich wird eine Krankenkasse, die in Schwierigkeiten gerät, einen Zusatzbeitrag erheben“, sagt Wolfgang Schuldzinski von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Eine Krankenkasse, die bisher noch keinen Zusatzbeitrag hat, wird nicht überraschend schließen, sondern zunächst einen Beitrag erheben. “Eine Kasse ohne Zusatzbeitrag ist erst mal nicht von einer Schließung betroffen.“

Sollte ein Versicherter merken, dass seine Krankenkasse in finanziellen Schwierigkeiten ist, sollte er wechseln, rät der Experte. Zwar ist der Gedanke weit verbreitet, dass eine Krankenkasse einen nicht nimmt, wenn man alt oder krank ist. “Grundsätzlich ist es aber so, dass jede Kasse jeden nehmen muss.“

Die seltensten Krankheiten der Welt

Seltene Krankheiten werden von Ärzten oft erst zu spät erkannt. Die meisten Patienten haben eine regelrechte Odyssee hinter sich, bis irgendwann ein Arzt die Krankheit diagnostiziert. Als selten gilt eine Krankheit, die bei weniger als 5 von 10 000 Menschen auftritt. Über die Schwierigkeiten bei deren Diagnose haben sich am Freitag in Hannover mehr als 100 Ärzte, Selbsthilfegruppen, Forscher und Patienten ausgetauscht. Am 28. Februar ist der Europäische Tag der seltenen Krankheiten. Er wird von der der europäischen Organisation für seltene Krankheiten (EURORDIS) organisiert. © dpa
Syringomyelie: Ein schöner Rücken kann entzücken, ein Rücken mit einem Hohlraum in der Wirbelsäule aber ist eine seltene Krankheit - die Syringomyelie. Manchmal ist eine Entwicklungsstörung die Ursache, manchmal auch ein Tumor, eine Verletzung oder eine Entzündung. Der Holraum füllt sich mit Flüssigkeit, die nach und nach das Rückenmark verdrängt. © dpa
Dancing Eyes Syndrom: Die sehr seltene Krankheit wird meist bei Kindern zwischen 1 bis 3 Jahren diagnostiziert. Ihre Augen zucken hin und her, aber auch Arme und Beine bewegen sich ruckartig. Und über Wochen und Monate sind die Kinder oft sehr leicht irritierbar. Wenn die Kinder älter werden, werden die Symptome weniger. Es ist nicht genau klar, wie es dazu kommt. Einige Mediziner nehmen an, dass der Körper Tumorzellen bekämpfen will. Doch er greift gleichzeitig auch gesunde Gehirnzellen an - daher die Zuckungen. © dpa
Progeria adultorum: Der lateinische Begriff besagt, dass ein Mensch viel zu früh und viel zu schnell altert. Die Patienten sind oft erst dreißig, doch plötzlich ergrauen die Haare, die Haut wird faltig. Auch im Geiste werden sie schnell älter. Viele Erkrankte sterben, wenn sie kaum 50 Jahre alt sind. © dpa
Das Kabuki-Syndrom: Die Dame auf unserem Bild ist nur wie eine japanische Kabuki-Schauspielerin geschminkt. Kinder, die unter dem Kabuki-Syndrom leiden, haben aber sehr ähnliche Gesichtszüge. Dazu gehören zum Beispiel große Augen, lange und dicke Wimpern und die Augenbrauen sind sehr bogig. Die Nasenspitze ist bei ihnen zudem oft eingedrückt und die Ohren stehen hervor. Auch die Motorik der Kinder ist eingeschränkt. Geistig sind die Kinder oft mild bis mäßig behindert. © dpa
Das Kleeblattschädel-Syndrom ist eine sehr seltene Fehlbildung des Kopfes. Der Schädel hat, von vorne betrachtet, die Form eines Dreiblättrigen Kleeblatts. Nur 120 Fälle wurden bis 2005 beschrieben. Die meisten Patienten leben nicht lange. Die Fehlbildungen lassen sich jedoch chirurgisch beheben. © dpa
Myiasis: Manche Fliegen, wie die Tumbu- oder Dasselfliege legen ihre Eier gerne in offene Wunden. Deswegen heißt die Myiasis auch Fliegenmaden-Krankheit. Sie tritt vor allem in tropischen oder subtropischen Gegenden auf. Die Larven verteilen sich dann unter der Haut und wandern durch den Körper. Die wichtigste Vorbeugung: Hygiene und wunden gut abdecken. © dpa
Sklerodermie: Bei dieser "entzündlichen rheumatischen Erkrankung" erhärtet sich das Kollagen, ein wichtiger Bestandteil des Bindegewebes. In manchen Fällen nur in der Haut, in manchen Fällen dringt die Sklerodermie aber auch ins Gefäßsystem und die inneren Organe vor. Die Folge können gravierende Funktionsstörungen sein. Das Gesicht wird starr, und die Haut bekommt ein sehr ledriges Aussehen. Auf unserem Foto hat sich eine junge Frau aus Bayern, die an Sklerodermie leidet, ihr Gesicht von Kosmetik-Spezialisten zumindest äußerlich in den Zustand vor der Krankheit zurückversetzen lassen. © dpa
Das Mittelmeerfleckfieber wird durch die braune Hundezecke übetragen, die auch in der Schweiz vorkommt. Nach etwa einer Woche Inkubationszeit bricht das Fieber aus. An der Stelle des Bisses bildet sich in etwa zwei Dritteln der Fälle ein schwarz-rotes Geschwür, die Patienten bekommen Fieber, leiden unter Kopf- und Gliederschmerzen und teilweise auch unter Übelkeit und Erbrechen. Ein rötlicher Ausschlag kann sich bis auf das Gesicht, die Hände und die Füße ausbreiten. Wird der Patient nicht behandelt, zieht sich das Fieber meist innerhalb von zwei Wochen wieder zurück. © dpa
Alien Hand Syndrom: Per Definition ist dies keine seltene Krankheit, auch wenn sie bisher nur sehr selten von Ärzten beschrieben wurde. Einfach erklärt bedeutet diese Krankheit, dass die eine Hand nicht weiß, was die andere tut. Sie tritt zum Beispiel nach Schlaganfällen auf, aber die genauen Ursachen sind nicht bekannt. Eine Hand hat keinen Kontakt mehr zur anderen - und zur entsprechenden Hirnhälfte. Die Patienten denken, die fremde Hand ist nicht ihre eigene. Sie entwickelt ein Eigenleben und kann im schlimmsten Fall sogar versuchen, den Patienten zu erwürgen. Und beidhändig Klavierspielen wird mit dieser Krankheit fast unmöglich. © dpa
Nicht ganz selten, aber übel: Der Candirú-Fisch lebt in tropischen Flüssen wie dem Amazonas oder dem Orinoco - und schimmt auch gerne mal in schwimmende Menschen hinein. Das fast durchsichtige Tierchen passt durch den Harnleiter, aber auch durch den Anus und sucht sich den Weg in die Blase. Dort beißt es sich fest, und vor allem die kleinen Wiederhaken am Kopf sorgen für Schmerzen. Er verursacht Blutungen und kann nur durch eine Operation wieder herausbefördert werden. © dpa
Café-au-Lait-Flecken: Teils über den ganzen Körper sind hell- bis dunkelbraune Flecken verteilt. Von einer wirklichen Krankheit sprechen Mediziner nicht, da die Hautveränderung gutartig ist. © dpa

Ist die eigene Kasse vor einem Wechsel pleite, ist dies aber auch nicht gravierend. “Ich behalte meinen Versicherungsschutz“, sagt Marini. Ein Pflichtversicherter hat zwei Wochen und ein freiwillig Versicherter drei Monate nach der Schließung Zeit, sich eine neue Kasse zu suchen - sonst entscheidet etwa der Arbeitgeber, der Rentenversicherungsträger oder die Bundesagentur für Arbeit.

Für die Kündigung bei der alten Kasse gelten allerdings bestimmte Fristen. “Man kann eine Krankenkasse nur verlassen, wenn man 18 Monate in der alten Krankenkasse drin war“, erklärt Schuldzinski. Ein Sonderkündigungsrecht besteht, wenn die alte Krankenkasse plötzlich Zusatzbeiträge einführt oder erhöht. Dann kann der Versicherte sofort kündigen.

Die Krankenkasse muss dem Mitglied spätestens innerhalb von zwei Wochen nach Eingang der Kündigung eine Bestätigung ausstellen, erklärt Michaela Gottfried vom Verband der Ersatzkassen (VDEK) in Berlin. Die Bescheinigung wird der neu gewählten Krankenkasse vorgelegt, und diese stellt dann eine Mitgliedsbescheinigung aus, die wiederum dem Arbeitgeber beziehungsweise der zur Meldung verpflichteten Stelle vorzulegen ist.

Promis und ihre Krankheiten

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Vor einem Wechsel sollten sich Versicherte aber gut informieren. Die Leistungen der gesetzlichen Kassen sind nahezu gleich, sagt Schuldzinski. Aber es gebe Unterschiede im Filialnetz. Einige Kassen hätten viele Niederlassungen, andere seien im Internet besser aufgestellt. “Gerade Ältere haben es gerne, wenn sie in die Geschäftsstelle gehen können.“

Chronisch Kranke sollten zudem darauf achten, dass auch die neue Krankenkasse bestimmte Programme anbietet - etwa für Diabetiker oder Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. “Wer damit in seiner Krankenkasse bisher gut gefahren ist, sollte sich erkundigen, ob auch die neue Krankenkasse solche Programme anbietet.“

Außerdem sollten Versicherte bei einem Wechsel auf Wahltarife, zum Beispiel den Beitragsrückerstattungstarif, achten. “Das ist nicht immer ganz ungefährlich. Damit bindet man sich drei Jahre an die Krankenkasse“, warnt der Experte. Besonders aufpassen sollten Krankenversicherte bei dem Wahltarif “Krankengeld“. Mit diesem Wahltarif können Versicherte ihren Anspruch auf Krankengeld aufbessern. Doch wählen sie diesen Tarif, verlieren sie ihr Sonderkündigungsrecht.

Ist die alte Krankenkasse pleite, besteht natürlich auch noch die Möglichkeit, in die private Krankenversicherung zu wechseln. Das kann aber nicht jeder. Der gesetzlichen Krankenkasse können nur freiwillig Versicherte den Rücken kehren, deren Einkommen über der sogenannten Beitragsbemessungsgrenze von rund 3700 Euro liegen. Für den Verbraucherschützer steht fest: Wenn man jung und gesund ist, kann das eine Alternative sein. Wenn man aber älter und krank ist, vielleicht nur eine Brille benötigt, dann drohen einem der Ausschluss bestimmter Leistungen oder höhere Tarife.

Die private Krankenversicherung birgt noch ein weiteres Hindernis. “Man muss sich im Klaren sein: Eine Rückkehr gibt es nicht“, sagt Schuldzinski. Privatversicherte können erst wieder in die gesetzliche Kasse wechseln, wenn sie ein Jahr unter der Beitragsmessungsgrenze lagen. Und wer über 55 Jahre alt ist, kann gar nicht mehr zurückkehren. “Das ist eine Entscheidung fürs Leben, die man sich gut überlegen muss.“ Denn im Alter steigen noch dazu die Beiträge. Außerdem gibt es keine Familienversicherung. Jedes Familienmitglied muss einzeln versichert werden, und das kostet zusätzlich.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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