Krisengespräche um WestLB machen Fortschritte

Düsseldorf - In die verworrene Lage um die Zukunft der WestLB kommt Bewegung: Vier Bieter bekommen jetzt Einblick in die Bücher der Landesbank. Sie müssen bis Mitte Februar konkrete Angebote vorlegen.

Bis Mitternacht hatte Friedrich Merz mit den Anteilseignern der WestLB debattiert - dann stand fest: Vier Bieter kommen bei der Suche nach einem neuen Eigentümer der Landesbank in die engere Auswahl. Der frühere CDU-Finanzexperte Merz, seit Herbst vergangenen Jahres der Verkaufsbeauftragte der WestLB, treibt das Bieterverfahren voran. “Die guten Diskussionen im Lenkungsausschuss bringen uns ein erhebliches Stück weiter“, ließ er am Freitagmorgen die Öffentlichkeit wissen.

Doch wer sich hinter den Interessenten verbirgt, ist nach wie vor nicht bekannt. In den Wochen zuvor wurden immer wieder drei Finanzinvestoren und Banken aus Asien genannt, darunter die China Development Bank. Die Chinesen kooperieren bereits mit der HSH Nordbank, und über einen bevorstehenden Einstieg als Gesellschafter wird derzeit heftig spekuliert.

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Merz hat den Kaufinteressenten der WestLB eine enge Frist gesetzt: In den kommenden vier Wochen erhalten sie einen tieferen Einblick in die Bücher der WestLB. Im Fachjargon der Banker heiß das: Die Datenräume werden geöffnet. Bis zum 11. Februar müssen sie nun konkrete Angebote für die WestLB vorlegen - und zwar für die Bank als Ganzes. Dabei hatte es in den vergangenen Wochen in Presseberichten immer wieder geheißen, die WestLB sei nicht verkäuflich und allenfalls durch eine Aufspaltung für Investoren attraktiv. Dies gelte zum Beispiel für das Segment Projektfinanzierungen und Firmenkunden.

Doch der von Merz betrieben Verkauf der Bank - bis zum Jahresende muss laut Vorgaben der EU-Kommission ein neuer Haupteigentümer gefunden werden - war von vornherein nur auf die komplette Bank bezogen. Der Termin zur Konkretisierung der Angebote liegt nur wenige Tage vor einem anderen entscheidenden Datum: Spätestens am 15. Februar will die Brüssler EU-Kommission wissen, wie es mit der WestLB künftig weiter geht.

Im Lenkungsausschuss der Bank, in dem die Eigentümer vertreten sind, wird derzeit an einem überarbeiteten Restrukturierungsplan für die WestLB gearbeitet. Brüssel war verärgert darüber, dass der geplante Umbau der Bank sich verzögerte. Zudem monierte EU- Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia ungerechtfertigte Beihilfen von 3,4 Milliarden Euro, die die Bank im Zuge der Ausgliederung von nicht-strategischen Aktiva und faulen Wertpapieren in eine Abwicklungsanstalt erhalten hatte.

EU-Kommission muss Bieterverfahren und Konzepte bewerten

Nicht auszuschließen ist weiterhin, dass die WestLB im Zuge der Konsolidierung des deutschen Landesbankensektors in Teilen doch noch unter das Dach einer anderen Landesbank schlüpft. Nach dem Scheitern der geplanten Fusion mit der BayernLB richtet sich das Augenmerk besonders auf die Hessische-Thüringische Landesbank Helaba und den Fondsanbieter Deka-Bank.

Die Sparkassen im Rheinland und in Westfalen sowie das Land NRW favorisieren nach wie vor diese Variante zur Lösung der Probleme der WestLB. Doch die Aussichten sind eher trübe: Es gibt derzeit überhaupt keine Anzeichen, dass sich in dieser Richtung etwas bewege, sagt ein Finanzmarktbeobachter.

Sollten die Bieter auch nach Prüfung der Datenräume bei ihren Plänen bleiben, wird es spannend. Dabei ist nicht nur die Frage der Höhe der Angebote entscheidend, sondern auch, wie die EU-Kommission das Bieterverfahren und die Konzepte der Kaufinteressenten bewertet. “Wir werden in den kommenden Wochen die EU-Kommission über den Stand des Bieterverfahrens informieren und die einzelnen Konzepte der Bieter erläutern“, sagte Merz am Freitag. Das ist auch dringend geboten. Denn für jeden potenziellen Erwerber sind mögliche Rückforderungen von Beihilfen ein K.O.-Kriterium.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolfoto)

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