14 Branchen im Überblick

Lohnreport: So viel mehr ist heuer drin

Die Beschäftigten der bayerischen Metall- und Elektroindustrie bekommen ab dem 1. April 3,4 Prozent mehr Lohn. Wie die Tarifverhandlungen in 14 wichtigen anderen Branchen stehen, zeigt der tz-Lohnreport.

Jetzt klingelt’s in den Haushaltskassen: 3,4 Prozent mehr Lohn, 150 Euro Einmalzahlung – nach dem Pilotabschluss für die 800 000 Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg dürfen auch Millionen weitere Arbeitnehmer in Deutschland – bei einer für 2015 prognostizierten Inflationsrate von einem Prozent – heuer mit einem Reallohnzuwachs rechnen! Davon geht Dr. Reinhard Bispinck, Tarifexperte der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung aus.

„Der Abschluss“, so Bispinck, „hat Signalwirkung. Derzeit laufen ja auch die Verhandlungen in der Chemieindustrie, der es ähnlich gut geht wie der Metallbranche – und im öffentlichen Dienst. Dort wird es zwar heißen, dass man sparen müsse, aber andererseits muss man auch darauf achten, dass die Schere zwischen Wirtschaft und öffentlichem Dienst nicht noch weiter auseinandergeht. Außerdem darf man nicht vergessen, dass solche Abschlüsse auch immer als Konjunkturspritze wirken.“

Dass der 3,4-Prozent-Abschluss von vielen Arbeitgebern als „sehr schwieriger Kompromiss“ eingestuft wird und keineswegs auf die ganze Wirtschaft übertragbar sei, hält Bispinck für eine Floskel. Auf der anderen Seite gehe er aber auch nicht davon aus, dass die 3,4 Prozent nun überall 1:1 übernommen würden. „Aber die Zahl steht erst einmal. Und auch bei etwas weniger lägen wir ja immer noch deutlich über der Inflationsrate.“

Als Erste profitieren könnten die 790 000 bayerischen Metaller vom Abschluss in Baden-Württemberg. Bayerns Arbeitgeber und die IG Metall-Spitze trafen sich gestern am Spätnachmittag zur vierten Tarifrunde. Die 3,4 Prozent mehr Lohn galten dabei aber nicht als Problem. Gesprächsbedarf sahen beide Seiten vor allem beim Thema Weiterbildung. Der Hauptgeschäftsführer des bayerischen Arbeitgeberverbandes vbm, Bertram Brossardt, strebt dazu eine eigene Vereinbarung an. Alle anderen Punkte der Einigung habe der Tarifpolitische Vorstand von Gesamtmetall zur Übernahme empfohlen, so Brossardt. Bayerns IG-Metall-Bezirkschef Jürgen Wechsler appellierte an die Arbeitgeber, nicht zu versuchen, „sich um eine saubere Übernahme herumzumogeln“. Über 40 000 bayerische Gewerkschafter hatten noch am Montag mit massiven Warnstreiks ihre Forderungen untermauert.

WDP

Tarifverhandlungen im Jahr 2015

Branche Forderung Verhandlungsstand
Chemie - 550 000 Beschäftigte 4,8 % mehr Lohn und Weiterentwicklung der Demografie-Tarifverträge. Regionale Verhandlungen zwischen dem 27.1 und 4.2 ohne Ergebnis, gestern wurde die Tarifrunde auf Bundesebene fortgesetzt.
Deutsche Bahn AG - rd. 185 000 ­Beschäftigte Gewerkschaft der Lokführer (GDL) fordert neue Tarifstruktur, 5 % mehr Lohn und Arbeitszeitverkürzung auf 37 Stunden, Die Eisenbahnergewerkschaft EVG fordert sechs Prozent mehr Lohn, mindestens 150 Euro. Der angekündigte Streik der GDL wurde nach einen Spitzengespräch ausgesetzt. Nächste Verhandlungsrunde ist am Donnerstag, die EVG verhandelt mit der DB erst wieder am 5. und 25. März.
Öffentlicher Dienst (Länder - ohne Hessen) - 800 000 Angestellte Ver.di und GEW fordern die Erhöhung der Entgelte um 5,5 %, mindestens aber um 175 Euro im Monat. Erste Verhandlungsrunde blieb ohne Ergebnis, nächste Termine 26. und 27. Februar.
Steinkohlebergbau - 13 000 Beschäftigte Die IG BCE fordert einen „realen Einkommenzuwachs“ und will verhindern, dass die Jahresvergütung abgesenkt wird. Erste Verhandlungsrunde am 10. 2. ohne Ergebnis – nächster Termin: 11. März.
Versicherungsgewerbe - 174 000 ­Beschäftigte Ver.di fordert: Entgelte sollen um mindestens 5,5 %, auf jeden Fall aber um 160 Euro/Monat erhöht werden. Tarifvertrag läuft Ende März aus. Die erste Verhandlungsrunde findet am 20. März statt.
Volkswagen AG - rd. 115 000 ­Beschäftigte 5,5 % mehr Lohn, Erhöhung des jährlichen Ausbildungsplatzangebotes auf 1400 Stellen. Bisher zwei Verhandlungsrunden ohne Ergebnis. VW bietet ab 1. Mai 2015 ein Einkommenplus von 2,2 Prozent an und jew. 1400 Ausbildungsplätze für 2015 und 2016.

So liefen die Tarifabschlüsse im letzten Jahr

Branche Abschluss Laufzeit
Banken - 210 000 Beschäftigte zum 30. 6. 2014: 2,4 % mehr Gehalt, ab Juli 2015 weitere 2,1 %, zusätzlich einmalig 150 Euro April 2016
Telekom  -72 000 Beschäftigte Einigung am 8./9. April 2014: 2,9 % mehr Lohn, in höheren Entgeltgruppen plus 2,5%, zum 1.Febraur 2015 weitere 2,1  % mehr für alle 31.1.2016
Druckindustrie -145 000 Beschäftigte Einigung am 14./15.4. 2014, 3% plus ab Mai 2014, weitere 1,0 % plus ab April 2015 März 2016
Eisen- und Stahl - 75 000 Beschäftigte Einigung am 7.7. 2014, 2,3% plus ab Juli, weitere 1,7 % plus ab Mai 2015 Oktober 2015
Energie - 25 000 Beschäftigte Einigung am 14.2. 2014, 2,4% plus, weitere 2,1% zum 1.2. 2015 31.1.2016
Öffentlicher Dienst (Bund, ­Gemeinden)  2,1 Millionen Beschäftigte Einigung am 1.4. 2014, 3 % plus ab März 2014 (mind. 90 Euro/Monat), weitere 2,4 % ab März 2015 Ende Februar 2016
Textil- und Bekleidung -100 000 Beschäftigte Einigung am 13.11.2014, je 60 Euro Pauschale für Januar bis Mai 2015, Tabellenerhöhung um 60 Euro ab 1.6. 2015, weitere 2,4 % plus ab 1.6.2016 31.1.2017
Papier - 40 000 Beschäftigte Einigung am 30.10.2014, 2,4 % plus ab 1.12.2014 sowie 2,6 % plus ab 1.11.2015 31.10.2016

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