Studie von IAB

Schlecker-Frauen: Neue Jobs scheitern am Gehalt

Nürnberg - Rund die Hälfte der „Schlecker-Frauen“ hat inzwischen einen neuen Job. Dass manche erst nach etlichen Monaten eine neue Stelle fanden, liegt nach Erkenntnissen von Arbeitsmarktforschern auch am Geld.

Der Wunsch nach geringen Abstrichen beim Gehalt hat nach Einschätzung von Arbeitsagenturen die Vermittlung arbeitslos gewordener Schlecker-Mitarbeiter erheblich erschwert. Die frühere Drogeriemarktkette habe ihre Beschäftigten relativ gut bezahlt. Im Vergleich dazu wären die von Arbeitsagenturen angebotenen Jobs mit so großen finanziellen Einschnitten verbunden gewesen, dass frühere „Schlecker-Frauen“ sie oft als unzumutbar abgelehnt hätten, teilte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) am Freitag mit. Die Denkfabrik der Bundesagentur für Arbeit beruft sich auf eine Befragung von 41 Fach- und Führungskräften bei Arbeitsagenturen.

Die früheren Schlecker-Mitarbeiter hätten sich auf gesetzliche Regelungen berufen, die Betroffenen zumindest in den ersten Monaten die Ablehnung unzumutbarer Stellen erlaubt. In den ersten drei Monaten der Arbeitslosigkeit sind Abschläge beim Lohn von maximal 20 Prozent zumutbar; in den folgenden drei Monaten gelten Jobs mit Lohnabschlägen von bis zu 30 Prozent als akzeptabel. Danach können Arbeitslose eine Stelle nur noch ablehnen, wenn der Lohn niedriger ist als das Arbeitslosengeld. Job-Vermittlern seien dadurch im Fall früherer Schlecker-Beschäftigter häufig die Hände gebunden gewesen.

Wegen der Schlecker-Insolvenz hatten im vergangenen Jahr insgesamt 27 000 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verloren. 23 300 von ihnen hatten sich danach arbeitslos gemeldet. Ihre Vermittlung sei auch deswegen schwierig gewesen, weil viele Schlecker-Frauen ungelernte Kräfte gewesen seien, erläuterte das IAB. Zudem hätten sie bei der früheren Drogeriemarktkette mit einem veralteten Kassen- und EDV- System gearbeitet. Viele mussten daher erst einmal in Kursen mit moderner EDV-Technik vertraut gemacht werden, bevor sie auf neue Stellen hätten vermittelt werden können. Inzwischen habe rund die Hälfte der Schlecker-Arbeitslosen wieder eine neue Stelle gefunden oder sich selbstständig gemacht.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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