Chaos vorprogrammiert

Lufthansa-Jets am Boden - ob Streik oder nicht

Berlin - Fliegen mit Lufthansa - das ist am Freitag keine gute Idee. Denn auch wenn sich der angedrohte Streik der Flugbegleiter noch abwenden lassen sollte, bleiben die meisten Maschinen des Unternehmens am Boden.

Die Lufthansa steuert mit unvermindertem Tempo auf den ersten bundesweiten Streik ihrer Flugbegleiter zu. Für Freitag hat Europas größte Fluggesellschaft 983 von 1781 geplanten Verbindungen gestrichen. Auch vorher und nachher müssen Flüge ausfallen, um das System am Samstag möglichst schnell wieder zu stabilisieren. Hoffnungen auf eine Annäherung in dem Tarifstreit erfüllten sich am Tag vor dem Streik zunächst nicht. Die Bahn, Mietwagenfirmen und Konkurrent Air Berlin bereiteten sich auf einen Ansturm der Kunden vor.

Bislang habe es keine persönlichen Gespräche über die von Lufthansa-Manager Peter Gerber erneut ins Spiel gebrachte Schlichtung gegeben, berichteten Fluggesellschaft und die streikende Kabinengewerkschaft Ufo am Donnerstagvormittag übereinstimmend. Beide hatten von der jeweils anderen Seite verlangt, den ersten Schritt zu tun.

Gerber hatte am Mittwoch eine auf wenige Vergütungsfragen verengte Schlichtung angeregt. Über den Einsatz von Leiharbeitern oder die Gründung einer internen Billiglinie mit niedrigeren Tarifen wollte er aber explizit nicht sprechen und behielt damit die bisherige Linie in der Schlichtungsfrage bei. Ufo-Chef Nicoley Baublies gab sich seinerseits verhandlungsbereit: „Alles, was diesen Streik abwenden kann, ist eine gute Idee. Da muss aber Lufthansa mit uns sprechen, wie wir das genau hinbekommen können“, sagte er dem TV-Sender N24.

Allerdings sei für Lufthansa der Schaden des für Freitag angekündigten bundesweiten Streiks längst eingetreten, erklärte Lufthansa-Sprecher Andreas Bartels. Die Fluggäste der Interkontinentalverbindungen aus dem Ausland seien längst umgebucht worden und auch für alle anderen werde nach anderen Reisemöglichkeiten gesucht. „Der Schaden ist für uns bereits eingetreten.“ Leere Flugzeuge zu fliegen, mache keinen Sinn.

Lufthansa wollte am Donnerstag nach eigenen Angaben Maschinen für einen reibungslosen Neustart nach dem Streik positionieren. Deshalb wurden am Vortag des geplanten Streiks kapp 50 Flüge nach Deutschland abgesagt. Für Samstag fehlten am Mittag 13 Verbindungen auf dem Flugplan.

Für Freitag prüfte Konkurrent Air Berlin bereits den Einsatz größerer Jets. Die Deutsche Bahn stellte sich auf mehrere tausend zusätzliche Fahrgäste ein. Das Unternehmen teilte in Berlin mit, es werde alle zur Verfügung stehenden Züge bereitstellen. Bei Bedarf würden in besonders stark genutzten Bahnhöfen auch zusätzliche Mitarbeiter eingesetzt. Eine Sprecherin der DB Nord riet allen Reisenden, rechtzeitig zu reservieren.

Lufthansa selbst will neben den rund 600 meist kurzen Flügen ihrer Regionaltöchter auch einige Interkontinentalflugzeuge in Frankfurt und München in die Luft bringen. Normalerweise befördert Lufthansa an einem Freitag rund 170 000 Menschen.

Ufo fordert fünf Prozent mehr Lohn, das Ende der Leiharbeit und Schutz gegen die Auslagerung von Jobs. Lufthansa bietet bei einer längeren Laufzeit 3,5 Prozent Lohnerhöhung, plant aber die konzerninterne Billigtochter und will die Gehaltsstufen abflachen und für Neueinsteiger niedrigere Bedingungen durchsetzen.

dpa

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