Expertentipps: So machen Sie mehr aus Ihrem Geld!

München - Wie machen wir mehr aus Ihrem Geld? Die tz geht diesen Fragen mit Hilfen von Finanzexperten auf den Grund, sammelt Anlagetipps und sagt, wo es derzeit wie viel Zinsen gibt.

Wer aufmerksam den Dax verfolgt, der hat sich in diesem Jahr schon mehrfach die Augen gerieben. Hatte sich im vergangenen Jahr noch eine gewisse Weltuntergangsstimmung an den Märkten

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breitgemacht, so weht jetzt ein frischer Wind über das Parkett der Börse. Der deutsche Aktienindex Dax kennt nur noch einen Weg – aufwärts. Doch was bedeutet das Kursfeuerwerk für den Privatanleger? Muss er jetzt umdenken oder ist die Party schon längst wieder vorbei? Und welche Zinsen bieten sichere Alternativen wie Tages- oder Festgeld? Und wie steht’s überhaupt um den Goldpreis?

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Die tz geht diesen Fragen mit Hilfen von Finanzexperten auf den Grund, sammelt die Anlagetipps verschiedener Kenner der Szene und sagt, wo es derzeit wie viel Zinsen gibt:

Schweizer Franken:

Euro-Skeptiker kannten im vergangenen Jahr zwei Richtungen, um ihr Geld vor dem drohenden Ende der Gemeinschaftswährung zu retten: Die einen flüchteten in Gold, die anderen in Schweizer Franken. Die Währung der Eidgenossen wurde dadurch so stark, dass der hohe Kurs des Franken zu einer Gefahr für die Schweizer Wirtschaft wurde. Deshalb entschloss sich die Schweizer Notenbank im Herbst, einzugreifen und den Kurs nicht über 1,20 steigen zu lassen. Börsen-Experte Frank Lehmann warnt: „Ein Privatanleger sollte nie gegen eine Zentralbank spekulieren.“ Tatsächlich ist es den Eidgenossen gelungen, den Kurs stabil zu halten, seit Jahresbeginn ist er sogar leicht gesunken. Währungsspekulationen sind also allenfalls etwas für Profis. Denn trotz der Kampfansage der Zentralbank pendelt der Kurs des Franken immer noch bei 1,20 – es ist also eher zu erwarten, dass der Franken sinkt als dass er steigt.

Rohstoffe:

Autofahrer merken es an der Zapfsäule – alle anderen spätestens beim Blick auf die Strom- oder Gasrechnung: Rohstoffe sind teuer und werden immer teurer. Das Fass der Nordseesorte Brent hat von 108,35 Euro am Jahresbeginn auf deutlich über 120 Euro zugelegt. „Anleger sollten Rohstoffe deutlich stärker akzentuieren“, rät Chris-Oliver Schickentanz, Chef-Anlagestratege der Commerzbank. „Die geopolitische Lage mit dem Konfliktherd Iran deutet darauf hin, dass Rohstoffe teurer werden. Bei einer Eskalation im Iran würden Aktien unter Druck geraten“, weiß Schickentanz. Ein Ölfass selber zu kaufen sei natürlich schwierig, trotzdem sollte man direkt in Rohstoffe investieren. Für den Anleger gibt es Rohstoff-Fonds, die aktiv gemanagt werden und mehrere Rohstoffe bündeln. „Das hat den Charme, dass ein Profi immer einen Blick darauf hat, welcher Rohstoff zurzeit angesagt ist.“

Immobilien:

Im Jahr 2007 nahm die Finanzkrise ihren Anfang – als US-Immobilienkrise. Seitdem sind Immobilieninvestments in Verruf geraten – viele Fonds waren so strukturiert, dass die Anleger die Risiken nicht überblicken konnten. Trotzdem rät Schickentanz: „Immobilien sind ein Depot-Stabilisator. Da können Sie mit etwa drei bis vier Prozent Rendite rechnen.“ Welche Form des Investments geeignet ist, kommt sehr auf die Mentalität des Anlegers an. „Viele Kunden stellen ihr Immobilienvermögen über die eigenen vier Wände dar oder kaufen sich ein Haus, dass sie dann fremd vermieten“, erklärt Schickentanz. Andere setzen auf offene Immobilienfonds: „Da muss man sehr genau auf die Produktqualität achten. In der Vergangenheit sind aus offenen Immobilienfonds schnell mal geschlossene Fonds geworden. Dann ist die Liquidität futsch.“ Wer nicht auf Liquidität angewiesen ist, kann sich auch an geschlossenen Beteiligungen einbringen – wer sich etwa für 15 Jahre bindet, kann sich dann auch eine höhere Rendite erhoffen.

Dax/Aktien:

Der deutsche Leitindex hat eine unglaubliche Kurs-Rallye hingelegt: Seit Jahresbeginn ist er um mehr als 18 Prozent gestiegen und hat die psychologisch wichtige 7000er-Marke geknackt – auf dem Tiefststand des Vorjahres hatte der Dax nur noch einen Wert von 4.965,80 Punkten. In dieser Woche ist der Dax allerdings ins Stocken geraten. Nicht ungewöhnlich, erkärt Chris-Oliver Schickentanz, Chef-Anlagestratege der Commerzbank. „Die Einbahnstraße nach oben ist für die nächsten Wochen wohl außer Kraft gesetzt“, erwartet Schickentanz. „In so einer Übergangsphase geht es in der Regel etwas ruckeliger zu, dann haben Aktien auch mal wieder schwächere Tage“, so Schickentanz. Eine Grenze nach oben muss aber nicht erreicht sein. Bis zum Frühsommer konnten die Kurse leicht noch mal anziehen. Doch obacht: Die Schuldenkrise ist keineswegs ausgestanden, sie bestimmt das Marktgeschehen nur nicht mehr so wie 2011.

Tagesgeld:

Das Tagesgeld bietet viele Vorteile: Die Zinsen sind durchweg höher als beim klassischen Sparbuch, es ist bequem und das Geld ist immer verfügbar. In der Krise war das Tagesgeldkonto deshalb ein beliebter Ort, um Geld sicher zu parken. Der entscheidende Nachteil: Die Zinsen sinken derzeit. „Dies ist auch eine Folge des wachsenden Vertrauens der Banken untereinander“, erklärt Max Herbst von der FMH-Finanzberatung im tz-Gespräch. „Seit einigen Wochen sinkt der Euribor-Zins, zu dem sich Banken untereinander Geld leihen. Und wenn dieser Zins immer billiger wird, besteht auch kein Grund für die Bank, dem Privatanleger hohe Zinsen zu bezahlen“, so Herbst weiter. Für die Zukunft ist er nicht optimistisch: „Der Tagesgeldzins ist in den letzten zehn Jahren meist niedriger als der EZB-Leitzins gewesen. Dies zeigt, dass auch der Tagesgeldzins in den nächsten Wochen und Monaten weiter leicht sinken wird.“

Gold:

Im Krisenjahr 2011 hat sich der Goldkurs zu immer neuen Rekorden aufgeschwungen. „Der sichere Hafen“, das war der Beiname des begehrten Edelmetalls. Seit Jahresbeginn hat Gold allerdings wieder an Wert verloren – die Anleger haben offensichtlich nicht mehr so große Angst vor einem Euro-Kollaps. „Gold bleibt aber weiterhin ein gutes Investment“, findet Schickentanz. Es gehöre weiter ins Depot – allerdings in einer vernünftigen Dosierung. „Im vergangenen Jahr haben einige Privatkunden ihr komplettes Vermögen in Gold getauscht. Die Beimischung sollte eher bei fünf bis zehn Prozent liegen. Wer Rendite will, der liegt beim Gold jedoch falsch. „Die große Gold-Party ist vorbei. Unter Renditegesichtspunkten sind die Edelmetalle Platin und Silber“, erklärt Schickentanz. „Die haben die Goldpreis-Rallye nicht mitgemacht“, so Schickentanz.

Festgeld:

Wer Geld parken will, kann das mittels Festgeld machen. Das Problem dabei erkärt sich schon durch den Namen Festgeld: Das Ersparte liegt erst mal für einen bestimmten Zeitraum fest bei der Bank – je länger, je höher sind die Zinsen. Doch auch hier purzeln derzeit die Zinsen. Noch Anfang Februar haben zwölf Anbieter für Geld, das sie für ein Jahr bunkern durften, einen Zinssatz mit einer drei vor dem Komma angeboten – jetzt sind es nur noch sechs Banken. „Wer für einige Jahre sein Geld festlegen will, dürfte mit einer Anlagezeit von drei Jahren gut liegen. Da gibt es immer noch Angebote von 3,75 bis vier Prozent“, erklärt FMH-Experte Herbst. Tatsächlich lohnt sich der Zinsvorteil gegenüber dem Tagesgeld wirklich erst ab einer solchen Laufzeit. Denn bei einjähriger Laufzeit sind die Unterschiede viel zu gering, um den Nachteil aufzuwiegen, dass das Geld nicht kurzfristig verfügbar ist.

Marc Kniepkamp

Rubriklistenbild: © dpa

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