VW macht Tempo bei Porsche-Einstieg

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VW beeilt sich mit dem Einstieg bei Porsche.

Hamburg - VW gibt Gas bei der Porsche-Übernahme: Schon nächste Woche sollen 49,9 Prozent am Sportwagenbauer für 3,9 Milliarden Euro übernommen werden.

Der Einstieg erfolge “voraussichtlich schon in der kommenden Woche“, sagte Volkswagen-Chef Martin Winterkorn am Donnerstag in Hamburg auf einer außerordentlichen Hauptversammlung. Fondsvertreter und Kleinaktionäre erklärten, die geplante Übernahme bevorzuge die Großaktionäre der Familien Porsche/Piech. Sie zeigten sich empört darüber, das die Kapitalerhöhung nur über Vorzugsaktien finanziert wird.

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Der Vorstand wies die Kritik zurück. Finanzchef Hans Dieter Pötsch sagte, VW wolle die Zahl der Vorzugsaktien erhöhen, um die Papiere liquider zu machen. Im Mittelpunkt der Hauptversammlung stand eine vom Vorstand geplante Kapitalerhöhung in Milliardenhöhe. Mit dem frischen Kapital will VW die Porsche-Übernahme finanzieren. Winterkorn warb bei den Aktionären um Unterstützung für die Kapitalerhöhung. Dafür sollen in den kommenden fünf Jahren bis zu 135 Millionen neuer stimmrechtsloser Vorzugsaktien ausgegeben werden.

Zu aktuellen Kursen könnten so rund 8 Milliarden Euro in die Kassen fließen. Winterkorn sagte, die Porsche-Übernahme werde das operative Ergebnis um 700 Millionen Euro im Jahr erhöhen. “Wir werden Wachstumspotenziale erschließen, erhebliche Synergien schaffen und dabei die Kosten deutlich senken“, sagte Winterkorn. Der Porsche-Absatz solle auf mehr als 150.000 Stück steigen. VW will bis 2011 Porsche ganz übernehmen und zusätzlich das Vertriebsgeschäft der Familien Porsche und Piech in Österreich, die Porsche Holding Salzburg, für 3,55 Milliarden Euro kaufen. Dazu braucht der Konzern zusätzliches Kapital, das nun die Aktionäre liefern sollen.

Sonderrechte für Niedersachsen

Außerdem liegen den Aktionären Änderungen der Firmensatzung zur Abstimmung vor. Darin sollen dem zweitgrößten Aktionär, dem Land Niedersachsen, Sonderrechte eingeräumt werden. Dazu zählt auch das Recht auf die Besetzung von zwei Aufsichtsratsposten. Zahlreiche Aktionäre zeigten sich empört über die Pläne. Hans-Christoph Hirt vom Pensionsfonds Hermes sagte, er habe “nicht den Eindruck, dass das im besten Interesse von Volkswagen ist“. Er äußert des Verdacht, dass die Maßnahmen vorrangig den Großaktionären zu Gute kommen.

Die Großaktionäre mit ihren Stammaktien müssen für die Kapitalerhöhung nicht zahlen, weil nur neue Vorzugsaktien ausgegeben werden. Ulrich Hocker von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sagte: “Sie berücksichtigen die Interessen der Großinvestoren, aber nicht die des Unternehmens.“ Konzernchef Winterkorn wies die Kritik zurück und erinnerte an große Synergiemöglichkeiten durch die Porsche-Übernahme. Die Zustimmung zu den Plänen gilt als sicher, weil die drei VW-Großaktionäre, die Familien Porsche/Piech, Niedersachsen und das Scheichtum Katar den Plan stützen. 90 Prozent der Stammaktien waren zu der Hauptversammlung gekommen, bei der am Nachmittag noch die Aussprache lief. Die Beschlüsse der VW-Hauptversammlung sind eine weitere Etappe im Übernahmeprozess von Porsche durch Volkswagen.

Porsche wollte ursprünglich Volkswagen schlucken und hatte dazu VW-Aktien im großen Stil auf Kredit gekauft. Allerdings übernahm Porsche sich dabei und wird nun umgekehrt Teil des VW-Konzerns. Am Ende soll die Verschmelzung im Jahr 2011 stehen. Haupteigentümer des VW-Konzerns werden langfristig die Porsche-Eigentümerfamilien Porsche und Piech sein, sowie das Land Niedersachsen und das neu eingestiegene Emirat Katar. VW-Chef Winterkorn äußerte sich zuversichtlich über die Aussichten des Konzerns für 2010. Man gehe “mit vorsichtigem Optimismus ins kommende Jahr“. Der VW-Konzern habe sich “eine gute Startposition erarbeitet“ und bringe 60 neue Modelle oder Aufwertungen auf den Markt.

AP

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