Management zwischen den Fronten

Media-Saturn: Machtkampf ohne Ende

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Der Streit belastet die Elektronikketten mit ihren 66 000 Mitarbeitern zusehends

München - Seit über einem Jahr tobt um Media Markt und Saturn ein Machtkampf. Der Handelskonzern und Mehrheitseigner Metro kann wegen Vetorechten nicht durchregieren. Das Management sitzt zwischen den Fronten.

Für Europas führende Elektronikhändler Media Markt und Saturn könnte es in diesen Tagen eigentlich nicht besser laufen. Die Fußball-EM ist ein Fernseh-Großereignis, das ihren Absatz ankurbelt. “Jedes Angebot ein Volltreffer“, verheißt die Werbung. Doch nicht nur auf dem Rasen wird hart gekämpft: Seit mehr als einem Jahr tobt bei Media-Saturn ein erbitterter Machtkampf zwischen dem Mehrheitseigner Metro und Firmengründer Erich Kellerhals.

Von diesem Donnerstag an wird der Streit vor dem Oberlandesgericht München ausgetragen, doch ein Urteil kann den Bruch kaum kitten. Schon das Landgericht Ingolstadt hatte in erster Instanz dringend zu einem Friedensschluss durch einen Vergleich geraten: “Denn sonst schaut der Unterlegene sofort, wie kann ich den Gegner woanders zwicken“, hatte der Vorsitzende Richter erklärt.

Aber die Fronten sind verhärtet. Kellerhals wirft der Metro vor, ihn enteignen zu wollen. Deutschlands größter Handelskonzern besitzt zwar gut 75 Prozent der Anteile an Media-Saturn, braucht für wichtige Entscheidungen aber immer die Zustimmung von Kellerhals. Als die Metro sein Vetorecht im März 2011 durch Gründung eines Beirats aushebeln wollte, der mit einfacher Mehrheit entscheidet, zog Kellerhals vor Gericht - und gewann. Kellerhals will notfalls bis zur letzten Instanz gehen.

Streit belastet das Unternehmen

Er erklärte auf seiner Internetseite, das Vertrauensverhältnis sei zerstört worden. Media-Saturn entwickle sich nicht mehr so positiv wie in der Vergangenheit. “Wenn Finanzmanager unerlaubt ohne Abstimmung mit Handelsspezialisten der Gründungsgesellschafter die Richtung vorgeben wie Herr Olaf Koch bei Media Markt und Saturn, steigt das Risiko“, attackierte er den neuen Metro-Vorstandschef. Der Gesellschafter-Zoff hatte schon unter Kochs Vorgänger Eckhard Cordes begonnen.

Der Streit belastet die Elektronikketten mit ihren 66 000 Mitarbeitern zusehends. Beim verzögerten Aufbau des Internetgeschäfts geben sich beide Seiten gegenseitig die Schuld. Wie tief die Gräben inzwischen sind, offenbaren die jüngsten Personalquerelen. Nach dem Abgang des Finanzvorstands hielt sich Metro-Manager Georg Mehring-Schlegel als kommissarischer Nachfolger nur einen Monat.

Für den Düsseldorfer Handelsriesen ist der Konflikt nicht ohne Risiko. Wenn die Metro AG verliert, könnte das zur Folge haben, dass sie Media-Saturn anders bilanzieren muss. Das könnte das Rating und die Finanzierung des Konzerns verschlechtern.

Wichtige Fragen stehen an

“Wir gehen nach wie vor davon aus, dass wir das Verfahren gewinnen“, sagte Koch auf der Hauptversammlung des Dax-Unternehmens im Mai. Die Metro hofft, dass die strittigen Fragen in diesem Sommer mit Hilfe des Gerichts oder eines Schiedsgerichts geklärt werden.

Die Elektronikketten zählen zu den wichtigsten Gewinnquellen der Metro. Sie sind mit der Online-Offensive und neuer Preisstrategie aber auch eine Großbaustelle. Ende des Jahres stehen wichtige Entscheidungen über die China-Expansion und Personalfragen an.

Kellerhals hat deutlich gemacht, dass er seine 22 Prozent samt Vetorecht behalten will - und legt der Metro auf seiner Homepage nahe, ihren Anteil zu verkaufen. Er kenne mögliche Investoren. Bei Metro gibt es jedoch keine Anzeichen, dass man sich von Media-Saturn trennen will.

dpa

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