Milchindustrie: Der Preis bleibt stabil

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Die Preise für Milch und Milchprodukte sind in Deutschland verglichen mit anderen europäischen Ländern sehr günstig, heißt es vom Milchindustrie-Verband.

Berlin - Die Verbraucher wird's freuen: Der Milchpreis soll erstmal stabil bleiben. Für die Milchbauern aber ist dies keine gute Nachricht: Für sie bleibt vom Preis fast nichts übrig.

Die Verbraucher in Deutschland können sich in den kommenden Monaten auf stabile Milchpreise einstellen. Das sagte der Sprecher des Milchindustrie-Verbands (MIV), Björn Börgermann, der Nachrichtenagentur dpa in Berlin zum Welt-Milchtag an diesem Mittwoch.

Die Preise für Milch und Milchprodukte sind in Deutschland verglichen mit anderen europäischen Ländern insgesamt sehr günstig“, sagte Börgermann und ergänzte: “Das wird auch im Sommer so bleiben.“ Im vergangenen Jahr wurden nach seinen Worten rund 29 Millionen Tonnen Milch an die Molkereien geliefert, so viel wie nie zuvor. Auch in diesem Jahr liegt die Produktion wieder auf Rekordkurs. “Im ersten Quartal 2011 liegen wir schon 2,2 Prozent über dem Wert des ersten Vierteljahrs 2010“, erläuterte er. Das deutliche Wachstum führte Börgermann einerseits auf einen gestiegenen Pro-Kopf-Verbrauch zurück. Andererseits entwickele sich insbesondere der Export von Käse in Wachstumsmärkte wie Russland, die USA und den asiatischen Raum zu einer tragenden Säule bei der Produktion.

Nach Angaben des Verbands wird fast die Hälfte der hergestellten Milch (46 Prozent) zu Käse verarbeitet, ein Drittel kommt als Frischmilchprodukt (Milch, Joghurt) in die Regale, etwa 15 Prozent sind Butter und Milchpulver. “Die Nachfrage nach Joghurtprodukten und Käse hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich nach oben entwickelt“, betont er.

Die Kehrseite der Medaille führt der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter vor Augen: “60 Cent für eine Tüte Milch entsprechen nicht der Wertigkeit“, sagt Sprecher Hans Foldenauer. Auch wenn es in den vergangenen Monaten zwar einen Preisanstieg gegeben habe, seien für die Landwirte die Erlöse durch höhere Erzeugungskosten wie etwa teureres Saatgut, Dünge- und Futtermittel “schlicht wieder aufgefressen worden“.

Daher rechne sich für viele Bauern die Milchproduktion nicht mehr. 1984 gab es nach seinen Worten rund 300 000 Milchviehhalter. Heute sind es demnach rund 90 000. Sorgen bereitet Foldenauer auch das Fusionsgeschehen auf dem deutschen Milchmarkt. Die jüngsten Zusammenschlüsse verschlechtern seiner Ansicht nach die Marktstellung vieler Milchviehhalter. “Sie werden immer abhängiger“, kritisiert er und fordert eine komplette Neuaufstellung des Milchmarkts und von der Bundesregierung eine vor allem gesellschaftlich ausgerichtete Agrarpolitik.

Damit spielt er auch darauf an, dass jeder Deutsche nach Zahlen des Bundesverbraucherministeriums im Schnitt pro Jahr Lebensmittel im Wert von rund 330 Euro wegwirft. Insgesamt wandern den Schätzungen zufolge bis zu 20 Millionen Tonnen Nahrungsmittel jährlich in den Müll. Foldenauer führt diese Entwicklung auch auf den niedrigen Preis vieler Lebensmittel - etwa den der Milch - zurück.

Die Preisproblematik und die damit verbundenen Probleme für die Bauern sieht auch Milchindustrie-Vertreter Börgermann. Unterm Strich entstehe der Preis aber über den Wettbewerb. “Und daher müssen die Landwirte auch auf einen wirtschaftlichen Produktionsprozess in ihren Betrieben achten.“

An diesem Mittwoch wird der Welt-Milchtag begangen. Vertreter der deutschen Milchwirtschaft nutzen diesen Tag, um über Milchprodukte und deren Bedeutung für die Ernährung zu informieren. Initiiert 1958 vom Internationalen Milchwirtschaftsverband und der Welternährungsorganisation, findet er nun in über 30 Ländern statt. Experten verweisen bei solchen Veranstaltungen auf die häufig dahinter liegende Marketingstrategie.

dpa

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